Die wahre Geschichte vom Rotkäppchen

28. April 2017 en Kuriositäten 144 Geteilt

Die meisten Geschichten, die uns die Gebrüder Grimm oder Charles Perrault hinterlassen haben, entsprechen regionalen Legenden und Bräuchen, die sie kennenlernten, während sie durch die Dörfer Europas reisten. Viele von ihnen spiegeln die Psychologie, den Glauben und die Mythen der damaligen Zeit wider und finden ihren Ursprung in der Realität dieser Zeit, die dann mit einem magischen Realismus ummantelt wurde. Eines der ältesten und vielleicht bemerkenswertesten Märchen ist das vom Rotkäppchen.

Experten zufolge hat diese Geschichte seit jener Zeit zahllose Verwandlungen erfahren. Diese Veränderungen hatten stets zum Ziel, einige Bilder der Geschichte abzuschwächen, sodass das Märchen sich besser für ein junges Publikum eignete. In Wirklichkeit aber verlor es mit jeder Adaption einen Teil der ursprünglichen Botschaft, denn die Geschichte vermittelte eine Lektion, eine Doktrin, der wir wohl alle folgen sollten. Und was uns das Rotkäppchen ursprünglich lehrte, sollten wir wirklich im Gedächtnis behalten…

Charles Perrault und die Gebrüder Grimm

Charles Perrault war der erste, der die Geschichte vom Rotkäppchen niederschrieb. Das war im Jahr 1697. Er nahm sie in seine Sammlung bekannter Geschichten auf, obwohl die europäische Bevölkerung sie nur selten erzählte. Einige der Bilder waren so brutal, dass er sie änderte, damit man die Geschichte dem jungen Publikum erzählen könnte. Nun konnte diese Geschichte von dem jungen Mädchen mit der roten Kappe an Beliebtheit gewinnen.

Im Jahr 1812 beschlossen die Gebrüder Grimm, das Rotkäppchen ebenfalls in ihre Sammlung aufzunehmen. Sie stützten sich dabei auf das Werk des Deutschen Ludwig Tieck mit dem Titel Leben und Tod des kleinen Rotkäppchenswelches, im Gegensatz zu Perraults Version, schon den Charakter des Jägers beinhaltete.

Die Gebrüder Grimm entfernten auch sämtliche erotischen und blutigen Elemente aus der Geschichte und schrieben für sie ein Happy End. Denn was wäre eine Kindergeschichte ohne gutes Ende?

Wie du dir nun schon vorstellen kannst, unterscheidet die ursprüngliche Geschichte sich stark von der, die Kinder heute in ihren Büchern lesen. Lernen wir sie also kennen.

Die Geschichte des wahren Rotkäppchens

Die Geschichte hat ihren Ursprung in einem isolierten Gebiet in den Alpen. Das Ziel des Märchens ist es, uns zu warnen und uns zu zeigen, dass es für unsere Gemeinschaft als menschliche Wesen, Gemeinde und Gruppe verbotene Dinge gibt. Die Protagonistin dieser Legende ist eine Jugendliche, ein junges Mädchen, die gerade erst in die Welt der Erwachsenen eintaucht, und eine rote Kappe trägt, die ein Symbol für ihre Menstruation ist.

Das junge Mädchen bekommt einen Auftrag von ihrer Familie: Sie muss durch den Wald gehen und der Großmutter Brot und Milch bringen. Das kommt uns schon sehr bekannt vor, aber wir müssen jede Geste und jedes Bild interpretieren. Der Wald repräsentiert eine Gefahr, ein Risikogebiet für junge Menschen. Der Auftrag ist als Herausforderung zu verstehen, als Initiationsritus, mit dem gezeigt wird, das die Kinder einer Person nun den Schritt ins Erwachsenenleben tun. Der Wolf verkörpert die Gefahr dieses Waldes. Dieses Tier symbolisiert Wildheit und Irrationales. Etwas, von dem unser Rotkäppchen bereits gehört hat und dem sie entgegentreten muss.

Das junge Mädchen schafft es, den Wald zu durchqueren und erreicht fröhlich das Haus ihrer Großmutter. Diese empfängt sie im Bett, weil sie krank ist. Die Großmutter sagt zu dem Mädchen, sie solle das Brot und die Milch behalten und das Fleisch essen, das in der Küche für sie vorbereitet sei. Rotkäppchen stimmt zu und verschlingt es hungrig, bis sie satt ist.

Danach gehorcht sie der nächsten Anordnung der Großmutter: Sie solle ihre Kleidung Stück für Stück ablegen und verbrennen und sich dann neben sie ins Bett legen. Das junge Mädchen stimmt zu, neugierig, aber ohne einen Moment zu zweifeln, ohne darüber nachzudenken, wie seltsam die Situation ist. Denn als sie sich gerade im Bett niederlegen will, stellt sie fest, dass es der Wolf ist, der sie dort unter gröhlendem Lachen empfängt und ihr mitteilt, dass sie gerade das Fleisch ihrer Großmutter gegessen habe. Sie hat eine schreckliche Sünde begangen, Kannibalismus. Später verschlingt der Wolf das Rotkäppchen.

Der Wolf der ursprünglichen Geschichte repräsentiert daher auch die Sexualität, die Gefahren birgt. Die Tatsache, dass die alte Frau von einem jungen Mädchen verschlungen wird, zeigt, dass das Alte durch das Neue ersetzt wird. Gleichzeitig wird das Neue als dumm und naiv dargestellt, indem es eines der größten Sakrilege begeht: Kannibalismus.

Wie du siehst, hat das Rotkäppchen auch seine sehr dunkle Seite.

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