Die Phasen der Alkohol-Sucht

Die Normalisierung des Alkoholkonsums führt in vielen Fällen zu unbemerkter Abhängigkeit. Die Intervention erfolgt deshalb erst in einer späten Phase, was die Erfolgschancen schmälert.
Die Phasen der Alkohol-Sucht
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 08. Oktober 2022

Die Alkohol-Sucht ist ein weitverbreitetes Übel, das in den meisten Fällen durch die gesellschaftliche Toleranz gefördert wird. Obwohl die Volksdroge Alkohol soziale Unverträglichkeit zur Folge hat, an deren Auswirkungen insbesondere die Familie leidet, handelt es sich um ein Zell- und Nervengift, das in der Gesellschaft nicht nur geduldet, sondern begünstigt und normalisiert.

Alkohol ist eine Strategie, um mit anderen in Beziehung zu treten, doch es ist oft schwierig, die Grenzen zu erkennen und eine Eskalation zu verhindern. In diesem Zusammenhang ist es grundlegend, die verschiedenen Stadien der Alkohol-Sucht zu erkennen, um möglichst früh zu handeln und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um von der Sucht loszukommen

Mann mit Alkohol-Sucht

Die Phasen der Alkohol-Sucht

Voralkoholische oder symptomatische Phase

Der Alkoholkonsum beginnt in den meisten Fällen in einem sozialen Umfeld, das diese Volksdroge normalisiert. Der Konsum aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn, was angenehme Empfindungen zur Folge hat. Du wirst lockerer und entspannter, was dir gleichzeitig hilft, emotionale Probleme kurzfristig zurückzulassen. Durch wiederholten Alkoholkonsum verändert sich die Toleranzgrenze: Die körperlichen Signale machen sich erst später bemerkbar, das bedeutet, dass du “trinkfester” bist, doch dies ist nur ein trügerischer Effekt.

Du benötigst jetzt größere Mengen, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Vielleicht steigst du von Bier oder Wein auf hochprozentige Getränke um. Fakt ist, dass dadurch gleichzeitig das Risiko für Organschädigungen steigt.

Die Prodromalphase

In diesem Stadium experimentieren Betroffene erste kognitive Probleme wie Gedächtnislücken. Sie benötigen immer mehr Alkohol (Craving), um ihr Verlangen zu befriedigen, was zu veränderten Trinkgewohnheiten führt und Alkohol allmählich zur Normalität werden lässt.

Betroffene nutzen jede Gelegenheit, um Alkohol zu konsumieren und beginnen, auch heimlich zu trinken. Wenn jemand das Problem anspricht, wehren sie sich. Sie streiten ihr verändertes Verhalten ab und vermeiden Gespräche über dieses Thema.

Die kritische Phase

Alkohol vertreibt in diesem Stadium alle anderen Interessen. Betroffene sind inzwischen so stark von dieser Droge abhängig, dass sie ihre Verpflichtungen vernachlässigen, den Job und Freundschaften verlieren und das Familienleben stark belasten. Wenn du diese Phase erreichst, hast du keine Kontrolle mehr über dein Verhalten. Viele reagieren feindselig oder aggressiv, rechtfertigen sich mit Ausreden oder nutzen Lügen als bevorzugte Strategie.

Häufig kommt es auch zur geografischen Flucht, das bedeutet, dass Betroffene an einen anderen Ort ziehen, um ihr Problem verheimlichen zu können.

Manche Menschen versuchen in diesem Stadium, vom Alkohol wegzukommen und zeitweise abstinent zu bleiben. Paradoxerweise sinkt in diesem Fall die Toleranzgrenze, deshalb benötigen sie weniger Alkohol, um dieselbe Wirkung zu erreichen. Dies wiederum stärkt das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, was die meisten zu vermehrten Konsum führt.

Mann mit Alkohol-Sucht

Die chronische Phase

Die chronische Alkohol-Sucht ist eine ernste Krankheit: Betroffene sind so stark abhängig, dass sie kein normales Leben führen können, da sie von der Sucht beherrscht werden. Es geht nicht mehr um emotionale Entlastung, sondern um eine Droge, die alle Lebensbereiche zerstört. In dieser Phase kannst du nicht mehr klar denken, dein Geist ist vernebelt, deine Gesundheit bedroht. Wenn du keinen Alkohol trinkst, erlebst du gravierende Entzugserscheinungen.

Die Folgen sind unumkehrbar: Der kontinuierliche Alkoholkonsum zerstört deinen Körper, deine Identität und deine kognitiven Fähigkeiten (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung usw.). Die physische und mentale Gesundheit ist in Gefahr, ein Aufenthalt im Krankenhaus oder in einer Entzugsklinik meist unvermeidlich. In vielen Fällen werden lebensrettende Maßnahmen leider erst zu spät oder überhaupt nicht getroffen.

Um dies zu vermeiden, ist es an der Zeit, die gesellschaftliche Toleranz und den Gruppendruck (Peer Pressure) zu verhindern. Die Erziehung zu selbstbewussten Menschen, die in der Lage sind, Grenzen zu setzen und einzuhalten, ohne sich anderen gegenüber als “Spaßbremse” oder “schwarzes Schaf” zu fühlen, ist eine Notwendigkeit. Wir sind die Gesellschaft, wir können Veränderungen bewirken und noch mehr Leid und Elend verhindern.

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  • Gómez Arroba, O. J. (2014). Las familias disfuncionales y su influencia en el consumo de alcohol de los estudiantes del Colegio Reinaldo Miño Altamirano de la Parroquia Santa Rosa, Cantón Ambato en el periodo agosto 2012–enero 2013 (Bachelor’s thesis).
  • Campollo, O., Martínez, M. D., Valencia, J. J., & Martinez, A. G. (2015). PATRÓN DE ALCOHOLISMO EN PACIENTES QUE INGRESARON AL SERVICIO DE URGENCIAS DEL HOSPITAL CIVIL DE GUADALAJARA EN ESTADO ALCOHÓLICO. Anuario de investigación en adicciones2(1).