Die Magie der Poesie und wie sie Schmerzen lindern kann

16 Dezember, 2020
Poesie kann Schmerzen lindern. Durch sie kannst du dir einen Weg zu deinem tieferen Selbst bahnen, um dich selber zu finden und dein Licht nicht länger zu blockieren.

Poesie kann deinen Schmerz in jenen Momenten deines Lebens lindern, in denen du das Gefühl hast, dein Herz wäre in eine Million Einzelteile zerbrochen. Wenn dein Denken fragmentiert und du dich einfach nur noch erschöpft fühlst. Es fällt dir vielleicht schwer, weiterzumachen und dann verfällst du in eine Depression. Du hast das Gefühl, dass der Sturm wohl eine lange Zeit andauern wird.

Das sind jene Momente, in denen du dich der Poesie zuwenden kannst. Denn dank ihr kannst du einen Teil deiner Wunden heilen. Lies einfach weiter und lasse dich von uns auf eine Reise zur wundervollen Verbindung entführen, die zwischen Kunst und Gesundheit besteht. Darüber hinaus wirst du erfahren, wie dir die Poesie dabei helfen kann, dich von einem Teil jenes Leidens zu befreien, das du in deinem emotionalen Rucksack mit dir herumträgst.

“Wer aus den Gefühlen der Poesie edle Wonnen zieht, ist ein wahrer Poet, auch wenn er in seinem ganzen Leben selbst nie eine einzige Zeile geschrieben hat.”

-George Sand-

Kunst und Gesundheit

Kunst ist ein kraftvolles Instrument. Sie bietet Unterstützung und ist gleichzeitig auch ein Ausdrucksmittel für bewusste und unbewusste Themen. Durch verschiedene Kunstformen können Menschen ausdrücken, wie sie fühlen, was sie denken und sogar wer sie selber sind. Kunst erleichtert es, mit dem Fluss des Lebens zu gehen und über sich selber nachzudenken.

In ähnlicher Weise wird Kunst auch in der Medizin als Instrument eingesetzt, um Schmerzen zu lindern. Tatsächlich gibt es verschiedenste Therapieformen, in denen Musik, Malen, Fotografie, Theater usw. genutzt werden. Jedem Menschen geht es besser, wenn er Teil eines kreativen Prozesses ist.

Zum Beispiel sind humorvolle Situationen der darstellenden Künste für Krebspatienten im Endstadium sehr wohltuend. Das ist auch der Grund, warum es in manchen Krankenhäusern eine Clowntherapie gibt. Andere Therapieformen nutzen Düfte oder Musik, um Alzheimer-Patienten zu stimulieren und sie dabei zu unterstützen, ihre Emotionen auszudrücken. Wie du siehst, gibt es viele Möglichkeiten, Traumata mithilfe von Kunst zu bewältigen.

Aber damit wollen wir nicht behaupten, dass die Kunst jegliche Schmerzen beseitigen kann. Du solltest bedenken, dass die Gesundheit eine integrale Angelegenheit ist. Das bedeutet, es besteht auch ein Zusammenhang mit mentalen und sozialen Aspekten. Wenn der Betroffene ein Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit hat, kann sich auch dadurch das Schmerzempfinden verringern.

Magie der Poesie - Auge in einer Pinienlandschaft

Die Poesie kann Schmerzen lindern

Im Wörterbuch wird Poesie als “Eine Qualität der Schönheit und Intensität der Emotionen, die als charakteristisch für Gedichte angesehen werden” definiert. Worte drücken Emotionen, Gedanken und Handlungen aus und jeder kann durch sie in einen Zustand der Ruhe gelangen. Aber wie funktioniert das?

Gedichte sind voller Symbole, Geschichten und Ausdrücke, die die menschliche Seele berühren können. In der Tat sind sie so kraftvoll, dass sie dein innerstes Wesen ansprechen und damit resonieren können. Daher schaffen sie eine Verbindung zu jemandem, der dich scheinbar versteht.

Es ist, als würden sie den Moment festhalten und das ausdrücken, was du selber nicht in Worte fassen kannst. Poesie drückt alles so klar aus, dass es beinahe so scheint, als würde der Dichter deine intimsten Geheimnisse kennen.

Poesie als Psychotherapie

Schon sehr lange nutzen Menschen Poesie für therapeutische Zwecke. Zum Beispiel hat Aristoteles Menschen dazu ermutigt, eine Katharsis durch Poesie zu erleben, um dadurch emotionale Heilung zu erfahren. Auch im frühen 19. Jahrhundert empfahl die Psychiatrie dank Benjamin Rush die Poesie für psychisch Kranke.

Eli Griefer, ein Dichter, der als Freiwilliger am Creedmoor Psychiatric Center in New York tätig war, erschuf unter der Leitung des Psychiaters Jack J. Leedy die sogenannte Poesietherapie. Gemeinsam schrieben sie ihre Prinzipien auf und empfahlen sie für die Behandlung emotionaler Störungen.

Die National Association for Poetry Therapy (auf Deutsch: Nationale Vereinigung für Poesietherapie) entstand im Jahr 1981 und hält in den USA jährliche Konferenzen ab. In den vergangenen Jahren erscheinen immer mehr Bücher über Poesie. Die bekannteste Sammlung, die die Poesie als Mittel für die Psychotherapie würdigt, ist “The Princeton Encyclopedia of Poetry and Poetics“.

Wenn du dich für die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Thema interessierst, kannst du auch die Zeitschrift Journal of Poetry Therapy studieren.

Poesie ermöglicht es Menschen, sich selbst aus ihrem sicheren Ort heraus auszudrücken und sich allmählich und ganz langsam zu öffnen. Durch Metaphern kannst du die wörtliche Bedeutung des Wortes überschreiten und dich aus der Tiefe heraus verbinden. Darüber hinaus kannst du visualisieren, was du fühlst, denkst und wie du handelst.

In ähnlicher Weise lindert das Schreiben auch Schmerzen. Einerseits erlaubt es dir, deine Qualen und Schmerzen zu sublimieren und andererseits kannst du in Symbole, Worte und Bilder eintauchen, die dir helfen, jene Dinge auszurücken, die du mittels der Alltagssprache gar nicht in Worte fassen könntest.

Magie der Poesie - Frau mit ausgebreiteten Armen

Poesie in der Schule und der Gemeinschaft

Poesie kann eine Bildungsressource sein, mit der die emotionale Intelligenz im Klassenzimmer verbessert werden kann. Obwohl sie ein sehr gut erforschtes Thema und genauso wichtig wie die anderen Fächer ist, wird sie nur selten im schulischen und akademischen Bereich eingesetzt.

Darüber hinaus fördert Poesie auch den kreativen Ausdruck und verhilft zu Selbsterkenntnis. Denn sie erlaubt dir unter anderem, auch deine dunklen Seiten zum Ausdruck zu bringen, leidenschaftlich und mitfühlend zu sein, tiefgründige Inhalte zu erschaffen, Spannungen abzubauen und Leiden in Lernen zu verwandeln.

Außerdem kannst du Poesie auch bei der Arbeit mit Gemeinschaften nutzen. Das liegt daran, dass Gedichte die Emotionen, Gedanken und Handlungen der einzelnen Mitglieder miteinander verbinden können. Darüber hinaus fördert Poesie die Kreation auf der Basis individueller Wurzeln, Traditionen und Überzeugungen.

Gemeinschaften können sich durch kollektive Gedichte vertiefen, weil sie dazu beitragen, die Mitglieder zu vereinen und ihnen dabei helfen, Unterschiede zu überwinden. Darüber hinaus bringen sie die Menschen näher zusammen, indem sie den Wert der überlieferten Metaphern retten, wenn Geschichten mit einer moralischen Lehre erzählt werden.

Kurz gesagt, Poesie bringt die Menschen näher an ihre dunkelsten Seiten und hilft ihnen, mit Worten einen Weg zu bauen, um Licht auf einen neuen Horizont zu werfen. Sie besänftigt die Seele, weil du durch sie deine Dunkelheit zum Ausdruck bringen kannst. Schließlich ist es eine Form, tiefer einzutauchen, um das helle Licht am Ende des Tunnels zu finden; jenes Licht, das den Schmerz besänftigt und dir hilft, ihn zu transformieren und darüber hinaus zu transzendieren.

Mazza, N. (2017). The evolution of poetic inquiry practice, education, and evaluation in poetry therapy, 30 (1). Doi: https://doi.org/10.1080/08893675.2017.1260197

Mazza, N. (2017). Poetry therapy: Theory and practice. (2ed) New York: Routledge.