Die Geburt des Ichs

· 5. September 2018

Wir können die Geburt des Ichs durch den Prozess des Alterns und des Lernens erklären. Er beruht auf dem Erwerb kognitiver, sensorischer und motorischer Fähigkeiten. Die Geburt und Entwicklung unseres Ichs ist bemerkenswert, weil es das Zentrum unseres Körpers bildet. Das Ego ist der Kern unserer Wünsche, Motivation und Hemmungen.

Wenn wir unser Ich ausbilden, beginnen wir, uns auf Objekte in unserem Umfeld zu beziehen. Zunächst sind dies externe Objekte, von denen wir als Kind glauben, sie gehörten uns. Nach und nach kommt es dann zu einer Internalisierung und Entwicklung psychischer Strukturen im Gehirn, die zu einem zusammenhängenden Selbstbild führen. Unser Selbst „wächst“.

Der Weg zur Geburt des Ichs

Wenn wir als Kind geboren werden, unterscheiden wir zunächst nicht zwischen uns selbst und der Welt. Vielmehr nehmen wir erste Introjektionen vor, indem wir nicht zwischen dem Bild eines Objekts und dem Bild von uns selbst unterscheiden. Es ist eine Art des In-uns-Aufnehmens. Dank dieses Prozesses beginnen wir, Objekte zu erkennen und zu unterscheiden, und wir lernen, langsam zu verstehen, wo wir enden und die Welt beginnt.

Zwischen unserem ersten und zweiten Lebensjahr nimmt unsere kognitive Leistungsfähigkeit zu. Folglich beginnen wir auch, die verschiedenen Rollen in zwischenmenschlichen Interaktionen zu erkennen. So gelingt uns die Identifikation und Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt immer besser.

Schließlich ist unsere Identität das Produkt unserer synthetischen Leistung. Hier werden Objekte verknüpft und auf kohärente Weise integriert, was heißt, dass wir sie zu uns selbst in Beziehung setzen. Dies ist die höchste Ebene, die das Ich erreichen kann. Dies geschieht zum Teil dank der Interaktion zwischen dem Selbst und den Objekten in seiner Umwelt.

Ein Baby in einer Blase

Das Spiegelstadium und das Herausbilden des Ichs

Eine sehr wichtige Phase der Geburt des Ichs wird zwischen dem sechsten und 18. Monat unseres Lebens durchlaufen. Während dieser Phase experimentieren Kinder mit ihrem eigenen Spiegelbild. In diesem Stadium interessieren sie sich für das reflektierte Bild und während sie mit dieser Reflexion spielen, empfinden sie Freude.

Der Spiegel ist eine Metapher, die für die Beziehung eines Menschen zu seiner Umgebung steht. Wenn wir uns als Kind zum ersten Mal selbst im Spiegel sehen, sehen wir ein Bild von uns. Erst durch den Blick in den Spiegel entwickelt sich unser Bewusstsein. Wir erkennen uns als ein unabhängiges und vollständiges Lebewesen.

In der gleichen Phase beginnen wir, uns mit der Frage zu beschäftigen, wie uns die anderen sehen. Das liegt daran, dass wir uns nun in einem Spiegel wahrnehmen und dabei auch erkennen können, wie andere uns sehen. Vor allen Dingen ist es der Blick der Mutter, durch den wir unser äußeres Selbstbild definieren.

Selbstwerdung

Der Prozess, durch den sich ein Mensch in seiner Ganzheit selbst wahrnimmt, wird Individuation genannt. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, haben unser Unbewusstes und Bewusstsein gemeinsam ein kohärentes Ich geformt, das unsere Persönlichkeit ausmacht. Es ist ein Prozess der Vereinigung, Reinigung und Entdeckung unserer selbst.

Die Leistung manifestiert sich, wenn archetypische Bilder des Selbst erscheinen. Körper und Geist sind dann miteinander vereint und beziehen sich wechselseitig aufeinander. Infolgedessen erfüllt das „Ego“ bzw. die Vereinigung von Körper und Geist, drei Hauptfunktionen:

  • Kontrolle – das Ich hat die Aufgabe, Impulse zu kontrollieren und zu regulieren. Durch das Einbinden von Hemmschwellen etabliert das Ich Abwehrmechanismen gegen möglicherweise bedrohlichen Reizen.
  • Anpassung – das Ich bezieht sich auf die äußere und innere Realität unserer Welt und versucht, sich an sie anzupassen.
  • Integration – dies bezieht sich auf die Fähigkeit des Ichs, die verschiedenen Aspekte unseres Lebens zu integrieren.
Eine Frau balanciert auf Gleisen.

Die Autonomie des Ichs

Zwei Strukturen bilden das „Ich“. Das primäre Ego ist eine Sphäre des Ichs, die frei von Konflikten mit dem „Es“ (Sitz unserer Impulse und Triebe) ist. Später wurde es „die primäre autonome Funktion des Ichs“ genannt, die mit unserer Erinnerung, unserem Denken und unserer Sprache korrespondiert. Diese Funktionen entstehen nicht als Abwehr gegen Impulse (Es).

Die Umwandlung von instinktiven und aggressiven libidinösen Energien in nicht-instinktive Energie neutralisiert die Energie aus dem Es. Später führte Heinz Hartmann dann den Begriff des „Selbst“ ein, das er als einen Teil des Egos beschrieb. Die Entwicklung des Ichs, so Hartmann, gehe ohne Konflikte vonstatten.

Das Ich hat eine vermittelnde Funktion zwischen dem Es und sogenannten Über-Ich und unserer Umwelt. Es passt so unsere Wünsche, die sich aus unseren Trieben speisen, den gesellschaftlichen Normen und Werten an.

Zusammen mit anderen Autoren leisteten Sigmund Freud (Psychologie des Es), Heinz Hartmann (Ich-Psychologie) und Heinz Kohut (Selbstpsychologie) die wichtigsten Beiträge zur Entwicklung dieses Konzepts des Ichs und dazu, dass es in das Zentrum des psychologischen Universums gestellt wurde. Wenn wir diese verschiedenen psychoanalytischen Ansätze berücksichtigen, können wir die Geburt des Ichs besser verstehen.