Die Bedeutung der Selbstfürsorge für die psychische Gesundheit

Indem du dich um deine Gefühle, deinen Körper und deinen Lebensstil kümmerst, kannst du deine psychische Gesundheit erheblich verbessern. Es ist an der Zeit, positive Veränderungen vorzunehmen, um dein Wohlbefinden zu steigern. Hier findest du gute Anfangspunkte.
Die Bedeutung der Selbstfürsorge für die psychische Gesundheit
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2024

In unserer schnelllebigen und oft stressigen Welt unterschätzen wir die Bedeutung der Selbstfürsorge häufig, obwohl es sehr einfache Strategien gibt, um unser psychisches Wohlbefinden zu fördern. Positive Selbstgespräche, die Entwicklung einer belastbaren Denkweise sowie körperliche Aktivitäten und andere gesunde Gewohnheiten helfen dir, mit den Herausforderungen des Lebens besser umzugehen und langfristig in deine Gesundheit zu investieren.

Setze folgende Tipps täglich in die Praxis um!

“Um andere zu heilen, müssen wir zuerst uns selbst heilen. Und um uns selbst zu heilen, müssen wir wissen, wie wir mit uns selbst umgehen können.”

Thich Nhat Hanh

Selbstfürsorge: Der Schlüssel zur psychischen Gesundheit

Die psychische Gesundheit wird nicht nur durch unser inneres psychologisches Universum genährt. Auch die soziale Umgebung, unsere Emotionen und unser körperliches Wohlbefinden tragen wesentlich zu echter Harmonie und Wohlbefinden bei.

Ein in der Fachzeitschrift International Journal of Nursing Studie veröffentlichter Artikel unterstreicht die Bedeutung der Selbstfürsorge und die zahlreichen Vorteile, die sie mit sich bringt. Sie fördert nicht nur das Wohlbefinden, sondern senkt auch die Morbiditäts- und sogar die Mortalitätsrate in der Bevölkerung. Wir laden dich ein, hilfreiche  Selbstfürsorge-Strategien zu entdecken und in deinen Lebensstil zu integrieren.

Selbstfürsorge zur Depressionsprävention

Depressive Störungen entstehen durch viele Faktoren: Genetik, Lebenserfahrungen, medizinische Bedingungen, stressige Ereignisse und schlechte Bewältigungsstrategien spielen dabei eine Rolle. Du kannst durch Selbstfürsorge jedoch das Risiko für eine Depression reduzieren.

Ein Beispiel dafür wird in Frontiers in Public Health beschrieben. Während der Pandemie zeigte sich, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen weniger stark von Depressionen betroffen waren, und zwar insbesondere diejenigen, die ihre Fähigkeiten im Umgang mit Emotionen verbessert sowie ihre Schlaf-, Ess- und Bewegungsgewohnheiten optimiert hatten.

Selbstfürsorge ist mehr als nur eine Reihe von Praktiken; sie ist eine lebenswichtige Investition in dein langfristiges Wohlbefinden und deine psychische Gesundheit. Indem du dir regelmäßig Zeit für dich selbst nimmst, stärkst du deine Resilienz und schaffst die Grundlage für ein erfüllteres Leben.

Bessere Bewältigung von Ängsten

Die Bedeutung der Selbstfürsorge für die psychische Gesundheit wird in allen Bereichen des Gesundheitswesens hervorgehoben. Diese Praxis umfasst das emotionale, psychologische und soziale Wohlbefinden und hilft dir, in schwierigen, stressigen Situationen besser zu reagieren:

  • Wenn du unter Ängsten leidest, nimmst du Bedrohungen und Gefahren stärker wahr als dein Wohlbefinden. Die Selbstfürsorge hilft dir, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren: auf dich selbst.
  • Diese Praxis gibt dir außerdem Zeit, um über deine Emotionen und Gefühle nachzudenken. Du steigerst dein Selbstbewusstsein und erkennst deshalb frühe Anzeichen von Angst, was es dir wiederum ermöglicht, schnell entsprechende Maßnahmen zu treffen.
  • Ängste verschlimmer sich, wenn du glaubst, keine Kontrolle über die Realität zu haben. Durch Selbstfürsorge-Praktiken erzielst du jedoch eine positive Veränderung, da du lernst, gelassener und ruhiger zu reagieren. Dabei sind unter anderem Techniken wie Meditation, Yoga oder tiefes Atmen hilfreich.

Mehr Resilienz

Selbstfürsorge ist der Grundstein für die Entwicklung einer resilienten Haltung gegenüber herausfordernden Ereignissen. Eine in der Zeitschrift Journal of Clinical Nursing publizierte Studie zeigt zum Beispiel, wie diese Praxis die Lebensqualität chronisch kranker Menschen verbessert.

Personen, die an chronischen Krankheiten wie Fibromyalgie, Lupus oder Diabetes leiden, können sich besser auf Schwierigkeiten einstellen, wenn sie sich um ihre emotionalen, körperlichen und sozialen Bedürfnisse kümmern. Wenn sie sich für sich selbst engagieren, verbessert sich ihre Realität und sie finden die Kraft, die sie in dieser Situation benötigen.

Menschen mit Depressionen tun sich mit der Selbstpflege oft schwer. Wenn sie jedoch einfache Aktivitäten wie Spazierengehen, Zeit mit Freunden oder Techniken für ein besseres emotionales Management lernen, treten positive Veränderungen ein. 

Die Folgen der Selbstvernachlässigung

Am Anfang einer Psychotherapie erinnert die Fachkraft normalerweise an die Bedeutung der Selbstfürsorge und hilft der zu behandelnden Person, entsprechende Strategien zu entwickeln. Die Selbstvernachlässigung hat nämlich zum Teil ernste Folgen:

  • Erhöhtes Krankheitsrisiko
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Gefühl des Kontrollverlusts
  • Konzentrationsschwäche und verminderte Produktivität
  • Erhöhtes Risiko für Stress, Angst und Depression
  • Lebensunzufriedenheit
  • Körperliche und emotionale Erschöpfung
  • Schwierigkeiten mit der Problemlösung
  • Verschlechterung des emotionalen Wohlbefindens: erhöhte Reizbarkeit, schlechte Laune usw.
  • Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehungen

Mangelnde Selbstfürsorge kann in einen negativen Kreislauf führen, dem du nur schwer entkommen kannst. Je müder und gereizter du zum Beispiel bist, desto schwieriger fällt es dir, Sport zu treiben, dich besser zu ernähren oder deine Emotionen und deinen geistigen Fokus zu regulieren.

Praktische zur Selbstfürsorge

Die Zeitschrift BMC Public Health veröffentlichte eine Studie über ein neues Instrument zur Beurteilung der Selbstfürsorge in der erwachsenen Bevölkerung, was für psychologische Fachkräfte sehr wichtig ist. Es ist jedoch ebenfalls entscheidend, selbst Maßnahmen in den Alltag zu integrieren, um die negativen Folgen der Selbstvernachlässigung zu vermeiden und das psychologische Wohlbefinden zu fördern. Folgende praktische Tipps helfen dir dabei!

1. Dein Wohlbefinden ist Priorität

Du kümmerst dich vielleicht schon seit Jahren intensiv um andere, was wunderbar ist. Du solltest deshalb jedoch deine eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen. Dich um dich selbst zu kümmern ist nicht egoistisch, sondern eine Notwendigkeit, um deine physische und psychische Gesundheit zu schützen.

2. Kümmere dich um deinen inneren Dialog

Du musst in deinem Garten Unkraut jäten: Analysiere einschränkende Gedanken und Überzeugungen und ersetze sie durch einen positiven inneren Dialog. Sei einfühlsam mit dir selbst und mache dir nicht ständig Selbstvorwürfe, wenn es gerade nicht so läuft, wie du dir vorstellst.

 3. Schaffe dir Routinen

Regelmäßige Gewohnheiten geben dir Stabilität und Vorhersehbarkeit, was dir hilft, Stress und Ängste zurückzulassen. Halte dich an regelmäßige Tageszeiten und organisiere deine täglichen Aktivitäten optimal.

4. Bleibe aktiv

Du musst keinen Marathon laufen und auch nicht stundenlang im Fitnessstudio sitzen. Doch nimm dir regelmäßig Zeit für eine Spritztour mit dem Rad, einen Waldspaziergang, Schwimmen, Tanzen oder andere Bewegungsformen, die dir Spaß machen.

5. Setze Grenzen ohne Schuldgefühle

Selbstfürsorge erfordert es, Grenzen zu setzen. Wenn gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist, um anderen zu helfen oder jemandem einen Gefallen zu tun, solltest du das klar und offen zugeben. Nur wenn du Grenzen setzt, kannst du Überlastung und die damit einhergehenden Konsequenzen verhindern.

6. Meditiere, entspanne dich und sei achtsam

Nimm dir ein paar Minuten am Tag, um Entspannungstechniken, Meditation oder Achtsamkeit zu praktizieren und deinen Geist zu beruhigen. Du kannst damit Stress entgegenwirken und deine Konzentrationsfähigkeit verbessern.

7. Kümmere dich um deine Schlafhygiene

Ein in der Fachzeitschrift Sleep Medicine Reviews veröffentlichter Artikel bestätigt, dass eine gesunde Nachtruhe entscheidend ist, um die geistige Gesundheit zu verbessern. Gesunde Schlafgewohnheiten sind deshalb grundlegend. Hier findest du einige hilfreiche Tipps: Durchschlafstörungen: Tipps gegen nächtliches Aufwachen

8. Verbessere deine Ernährung

Eine bewusste Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil der Pflege deiner psychischen Gesundheit und deines Wohlbefindens. Entscheide dich für frische, unverarbeitete Lebensmittel, die du selbst zu Hause zubereitest. Deine Ernährung sollte reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und gesunden Fetten sein. Außerdem kannst du durch Probiotika, die in fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt, Sauerkraut und Kimchi enthalten sind, dein Mikrobiom verbessern und so dein psychisches Wohlbefinden fördern.

9. Lerne Techniken zur Stressbewältigung

Finde heraus, welche Situationen dir am meisten zu schaffen machen und dich überfordern. Lerne dann, durch Techniken zur Stressbewältigung besser zu reagieren und so deine Lebensqualität zu verbessern.

Selbstfürsorge für eine bessere Lebensqualität

Selbstfürsorge ist eine notwendige Praxis, die deine körperliche, emotionale und geistige Gesundheit stärkt. Nimm dir regelmäßig Zeit, um deine Bedürfnisse zu erkennen und praktiziere einen gesunden Lebensstil. Beginne heute damit, kleine Schritte zu unternehmen, um für dich selbst zu sorgen.


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