Die Angst vor der Angst – Komm Angst, ich warte schon auf dich!

10. November 2016 en Psychologie 4 Geteilt

Oftmals glauben wir, dass Ängstlichkeit ein Zustand ist, in dem wir uns niemals befinden dürften und das unterstützen wir mit Sätzen, wie: „Nur wer schwach ist, hat Angst.“ – „Du kannst verrückt werden, wenn du ängstlich bist.“ – „Wenn ich Angst habe, werden das die anderen bemerken und etwas Schlechtes von mir denken.“  Aus diesem Grund tun wir alles in unserer Macht Stehende, um dieses Gefühl zu vermeiden und wie bei jeder anderen Vermeidungstaktik auch, provozieren wir letztendlich den sogenannten „Absetzeffekt“. Das heißt, dass wir noch ängstlicher als zuvor werden.

Alles beginnt immer mit einer problematischen Situation in unserem Leben, die wir als Bedrohung auffassen. Wenn wir sie auf diese Weise interpretieren, werden eine Reihe von physiologischen Mechanismen in Gang gesetzt, um gegen die Bedrohung anzukämpfen oder vor ihr zu fliehen. Das ist der berühmte Fight-or-flight-Effekt. Das Problem ist, dass neben diesem anfänglichen Problem ein weiteres entsteht: Wir verspüren Angst, weil wir ängstlich sind. Es ist gerade so, als würde uns unsere eigene Angst Angst machen. Und an diesem Punkt entsteht eine Blockade und wir versinken in einem Teufelskreis, aus dem wir nur schwer wieder einen Ausweg finden.

Wieso haben wir Angst vor der Angst?

Jede unbegründete Angst beruht auf bereits bekannten irrationalen Vorstellungen. Es handelt sich hierbei um diese absolutistischen und übertriebenen „Wahrheiten“, die uns unser ganzes Leben lang begleitet haben und die mittlerweile zu uns gehören.

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Deshalb wird die Angst vor der Angst auch nicht weniger. Uns wurden Dinge gesagt, wie: „Du musst stark sein.“ – „Die Angst bringt dich noch irgendwann um.“ – „Intelligente und starke Menschen fürchten sich nicht.“ – „Wenn du ängstlich bist, entfernt dich das von deinen Mitmenschen.“  Wie wir uns bereits denken können, ist die Angst als etwas „Gefährliches“ eingestuft worden und aus diesem Grund macht es uns Angst, Angst zu haben. Wir könnten ja durchdrehen oder sterben, unsere Freunde verlieren, nicht mehr perfekt erscheinen… Was für eine grauenvolle Vorstellung!

Glücklicherweise sind diese Vorstellungen nicht real. Angst ist eines der Grundgefühle, die wir verspüren. Angst hilft uns, uns selbst vor realen Gefahren zu retten, die unser Leben bedrohen könnten. Dank ihr konnten wir als Spezies und Individuen überleben.

Daher ist die Angst an sich und nichts Schlechtes und nur die Angst vor der Angst macht aus ihr ein unkontrollierbares Monster. Sie bringt uns nicht um, sie rettet Leben und wir sind auch nicht weniger stark oder verletzlicher, ganz im Gegenteil, sie macht uns menschlich.

Die Angst umarmen

Wenn wir weniger ängstlich sein wollen, ist der erste Schritt, das krampfhafte Verlangen danach, weniger Angst zu haben, zu lösen. Das mag sich widersprüchlich anhören, bedeutet aber Folgendes: Wenn wir von uns verlangen, keine ängstlichen Menschen mehr zu sein – was heißt, dass wir von uns erwarten, kein bisschen Angst mehr zu verspüren -, werden wir am Ende nur noch mehr Angst haben. Wir werden das Gefühl haben, dass wir unseren Erwartungen nicht gerecht werden, obwohl diese wenig realistisch sind.

Das mentale Training, dem wir nachgehen müssen, beinhaltet, die Erwartungshaltung anzupassen. Damit ist gemeint, dass wir tolerieren müssen, dass wir als Menschen, die wir nun mal sind, in unserem Leben oft ängstlich sind und dass das weder schlecht, noch gut, sondern einfach normal ist.

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Wir dürfen auch nicht länger davon überzeugt sein, dass Angst ein grauenvolles und unüberwindbares Gefühl ist. Natürlich können die physiologischen Symptome der Angst sehr lästig und unangenehm sein, aber ein heißer Tag, Fieber oder Kopfschmerzen können ebenfalls lästig und unangenehm sein.

Niemandem ist gern übel, niemand schwitzt gern oder mag Herzrasen, doch all das ist in Wahrheit auszuhalten und es ist auch nicht so schlimm. Versuche nicht, dich vom Gegenteil zu überzeugen, denn dann werden diese Symptome nur noch schlimmer.

Der letzte Punkt betrifft die bedingungslose Akzeptanz seiner eigenen Person als jemand, der eben nicht perfekt ist. Ängstlichkeit bedeutet nichts weiter als Angst zu verspüren und das war’s auch schon. Es bedeutet nicht, dass wir schwach, krank oder minderwertig sind.

Menschen, die dich umgeben und dir emotional so unheimlich stark erscheinen, haben in ihrem Leben auch schon Angst gehabt.

Deshalb solltest du der Angst in die Augen sehen, solltest ihr erlauben, dass du sie verspürst, fühle sie, umarme sie und sage ihr, dass sie zwar ein wenig unangenehm ist, aber du dich von ihr nicht unterkriegen lässt. Nur wenn du all diese Schritte gehst und es auch wirklich willst, kannst du dich von ihr befreien.

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