Die Ära des „Ich Liebe Dich“ ohne Verbindlichkeit

6. Juli 2017 en Emotionen 503 Geteilt

Und eines Tages hast du diesen Menschen an deiner Seite und du realisierst, dass ihr mehr Stunden zusammen verbracht habt, als du eigentlich geplant hattest. Dass es genug Nachmittage gab, an denen ihr Filme in Decken eingemummelt geschaut habt. Genug von „Das habe ich noch nie so mit jemandem erlebt“, oder, „ich liebe dich, aber lass uns das mal nicht komplizierter machen.“

Du realisierst, dass er zu mehr geworden ist, als nur zu dem Menschen, der dich unterhält und begeistert. Du fühlst dich diesbezüglich verletzlich. Du hast bemerkt, dass die entstandene Verbindlichkeit dazu verwendet werden kann, dein Herz zu zerbrechen, auf deinen Gefühlen herumzutrampeln und dich zu zerstören. Dein Herz, das schon von Narben vergangener Kämpfe gezeichnet ist… und das bringt dich dazu, dass du davonläufst und verschwindest, bevor es zu spät ist.

Ich will keine Verbindlichkeit, aber…

Ich kann nicht sagen, dass ich dich liebe, Schatz, auch wenn ich es fühle, denn das würde mich zu etwas Deinem machen und ich gehöre niemanden.“  Genau um dieses Thema formen sich viele Gedanken verliebter Menschen. Sie wollen jemanden, der sie vervollständigt, aber nicht so sehr, dass sie sich selbst einem Risiko aussetzen müssen. Viele dieser Personen denken, dass Beziehungen dazu führen, dass man nicht länger man selbst bleiben kann. Dass sie einem etwas von der eigenen Freiheit nehmen. Und in ihrem Leben gibt es immer noch eine Menge Dinge zu tun – tatsächlich müssen aber nicht alle mit jemand anderem getan werden und auch nicht immer in der gleichen Begleitung.

Neben den Menschen, die nicht nur mit einer anderen Person leben können, gibt es noch andere, die schlichtweg Angst haben. Angst davor, dass sich vergangene Erfahrungen wiederholen. Sie fürchten sich davor, sich jemand anderem gegenüber zu verpflichten. Davor, zu sehr zu lieben oder von ihren Mitmenschen verurteilt zu werden.

Frage dich, was für eine Art Mensch du bist

Es ist gut, das zu genießen, was du willst, ohne dich dabei an jemanden oder etwas zu binden. Wenn du dir sicher bist, dass es das ist, was du willst, dann ist das perfekt. So kannst du deinen Weg gehen. Und wenn dich das glücklich macht, dann ist das die beste Wahl, die du treffen kannst. Es ist deine Entscheidung, bei dem zu bleiben, was dir am besten gefällt, aber habe keine Angst vor Verbindlichkeit.

Und wenn du Angst hast, dann führe dich nicht selbst hinters Licht und auch niemand anderen. Halte inne, lerne, wie du allein sein kannst und dann beobachte deine Umgebung. Nicht jeder, den du triffst, wird die Liebe deines Lebens sein. Sei dir dessen bewusst… Dein Traumpartner wird weder auf einem Pferd angeritten kommen, noch wird sie in einem Turm auf dich warten. Du wirst diesen besonderen Menschen einfach eines Tages auf der Arbeit treffen. Oder beim Sport. Oder beim Einkaufen. Oder… Und einen Monat später werdet ihr ausgehen. Du wirst beginnen, diese Person zu mögen und das Gefühl haben, dass ihr euch gut ergänzt. Und ich muss dir sagen, dass das erst der Anfang ist.

Dann werdet ihr einen Ausflug planen, einen Trip, eine Reise. Und du wirst merken, dass dieser Mensch dich nicht nur ergänzt, sondern jemand ist, mit dem du Erfahrungen austauschst. Und später werdet ihr vielleicht Partner – auf dieser Reise, die man Leben nennt, und gemeinsame Erfahrungen machen. Du schaust ihn an und dir gehen bestimmte Sätze durch den Kopf: „Du bist es“, „ich mag dich“, „ich bin dabei, mich zu verlieben“,  und auch, „Wie ist das passiert?“ 

Vielleicht denkst du, dass es zu früh sei, um so zu fühlen, und entscheidest dich dafür, diese Gefühle für dich zu behalten. Mit einer Portion positivem Egoismus entscheidest du dich dafür, sie allein zu genießen. Es ist gut, dass du das Konzept von Verbindlichkeit auf eine rationale Art und Weise definiert hast. Vielleicht realisierst du ja irgendwann, dass diese Person nicht das ist, was du gern als Partner möchtest. Dass ihr zusammen nicht das seid, was du erwartet hast. Aber dass sie auf dem gemeinsam begangenen Stück des Weges ein guter Partner war und dass du die gelernten Lektionen nie vergessen wirst – ohne Feindseligkeit oder Schlechtes im Sinn.

Und wenn es weitergeht, dann mach dir keine Sorgen. Die Liebe wird ihre Arbeit tun und du wirst dort ankommen, wo du bereit bist, den nächsten Teil der Reise zu planen. Das kann sehr viel später sein, als du dir ausgemalt hast. Oder sehr viel früher.

Wähle deinen Weg furchtlos und ohne dass die Schatten deiner Vergangenheit auf ihn fallen

Die Schlussfolgerung ist, dass Liebe nicht von der Mode abhängig ist. Sie wird nicht von Trends, deinen Freunden oder Meinungen anderer bezeichnet. Du bist derjenige, der sie mit seinen Interessen definiert. Und du solltest lernen, wie du das ohne soziale Netzwerke und Hashtags für dich allein tust.

Sei glücklich, womit auch immer du glücklich sein willst. Aber lass dir deine Gefühle nicht von der Angst nehmen. Von der Angst davor, emotionale Desaster zu wiederholen. Von der Angst davor, nicht mehr du selbst sein zu können, oder Bedenken darum, was die Leute sagen werden, wenn sie von deiner Beziehung erfahren. Lass dich nicht davon abhalten, eine Verbindung mit jemandem zu schaffen oder Verbindlichkeit aufzubauen.

Fühle, lebe und lass dich davontragen… Und so weißt du schließlich, ob du besser allein schläfst oder mit jemand anderem oder jede Nacht mit einer anderen Person, weil du es so willst…

Ich sollte es nicht erzählen, aber trotzdem.
Wenn ich nach den Schlüsseln für ein Hotelzimmer frage,
wenn ich zu Mitternacht einen guten Champagner bestelle
und ein Candle-Light-Dinner für zwei…
Es ist immer mit jemand anderem, Schatz, niemals mit dir.
Du weißt genau, wovon ich rede.

Denn ein Haus ohne dich ist ein Büro.
Ein Telefon, das in einer Zelle brennt.
Eine Palme in einem Wachsmuseum.
Ein Exodus von dunklen Schwalben.
Und die Küsse, die ich gebe, vergiften mich.
Und trotzdem, wenn ich ohne dich schlafe,
träume ich von dir.

– Aus: „Und trotzdem“ von Joaquín Sabina

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