Der Wortassoziationstest von Carl Gustav Jung

20. März 2019

Carl Gustav Jungs Wortassoziationstest ist eines der faszinierendsten Mittel, die uns zur Verfügung stehen, um deine Psyche zu beurteilen. Er basiert auf der Idee, dass dein Unterbewusstsein manchmal in der Lage ist, den bewussten Willen zu kontrollieren. So kann ein einziges Wort ein Trauma aus der Vergangenheit an die Oberfläche bringen oder ungelöste innere Konflikte aufdecken.

Dieses Instrument ist seit Jahrzehnten in der Wissenschaft akzeptiert. Experten verwendeten es in einer Vielzahl von Zusammenhängen. Trotzdem wollen wir erwähnen, dass dies ein projektiver Test ist. Das bedeutet, dass Experten das Wortassoziationsexperiment zusammen mit anderen Quellen und Untersuchungsmethoden wie dem Gespräch einsetzen müssen, um präzise Schlussfolgerungen ziehen zu können.

Jung entwickelte den Wortassoziationstest Mitte des 20. Jahrhunderts, um mehr über das Unterbewusstsein herauszufinden. Er wollte besser verstehen, wie es sich ausdrückt, und geeignete Kanäle finden, um es zu analysieren. Er wollte es auch seinen Zeitgenossen ermöglichen, mehr über das Unterbewusstsein zu erfahren und letztendlich diejenigen Probleme anzugehen, welche die Freiheit und das Wohlbefinden ihrer Patienten einschränkten.

Dabei könnte die Technik nicht einfacher anzuwenden sein. Der Testleiter nennt dem Patienten ein Wort. Darauf soll dieser mit dem ersten Wort antworten, welches ihm dazu einfällt. Experten behaupten, dass die Antworten des Patienten fast immer emotionale Belastungen mit sich führen.

Darüber hinaus muss der Therapeut die körperlichen und emotionalen Reaktionen des Patienten verfolgen. Sobald der Test abgeschlossen ist, interpretiert er diese zusammen mit 100 abgefragten Wörtern. Obwohl dieser Test bereits über ein Jahrhundert alt ist, ist er nach wie vor gültig.

Eine Psychologin spricht mit einem Patienten.

Der Wortassoziationstest von Carl Gustav Jung: Ziele, Merkmale und Anwendungen

Zu Beginn seiner Karriere arbeitete Carl Gustav Jung in der psychiatrischen Klinik Burghölzli an der Universität Zürich (Schweiz). Dort war er unter Paul Eugen Bleuler tätig. Du erinnerst dich vielleicht daran, dass Bleuler viele der heute in den Bereichen Psychologie und Psychiatrie verwendeten Konzepte etabliert hat.

Jung begann hier, Traumata und Komplexe zu studieren. Seiner Meinung nach bestand eine Möglichkeit, sie zu verstehen und ans Licht zu bringen, in der Analyse der Träume der Patienten. Sie könnten auch durch aktive Imagination oder Fantasie hervorgebracht werden. In seiner täglichen Arbeit mit Patienten entdeckte er, dass bestimmte Wörter und Ausdrücke als Anregung für das Unterbewusstsein fungierten.

Eine Methode, um diese Aktivierung über das psychologische Universum von Traumata, Ängsten und Konflikten herbeizuführen und mit ihm in Kontakt zu treten, bestand für ihn darin, eine Gruppe von Schlüsselwörtern zu erzeugen und als Stimulus einzusetzen. Um diese Theorie zu testen, entwickelte er das hier beschriebene Wortassoziationsexperiment.

Auf den ersten Blick scheint das den meisten Menschen nur ein Spiel zu sein. Der Test besteht darin, dass jemand ein Wort sagt und der andere mit dem ersten, das ihm in den Sinn kommt, antwortet. Was er damit vermittelt, geht jedoch weit über ein kindliches Wortspiel hinaus. Der Therapeut achtet auch auf die physiologische Reaktion auf das von ihm genannte Wort und interpretiert sie im Zusammenhang mit der Antwort des Patienten.

Wie wenden Therapeuten diese Methode an?

Carl Gustav Jung machte erstens klar, dass dieser Test nicht für alle Patienten von Nutzen sei. Er sei zum Beispiel für jene Fälle geeignet, in denen sich der Patient übermäßig gegen eine Zusammenarbeit mit dem Therapeuten wehrt, und auch nicht für diejenigen Klienten, die den Test nicht ernst nehmen. Patienten, die keine ausreichende Kontrolle über ihre Sprachfähigkeiten haben, profitieren ebenfalls nicht davon. Diese letzte Kategorie umfasst Personen, die aufgrund ihres Alters, aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten, neurologischen Problemen, Entwicklungsstörungen oder anderen Konditionen mit Sprachprobleme zu kämpfen haben.

Frau, deren Kopf durch eine Wolke ersetzt wurde

Der Test besteht darin, dem Patienten 100 Stimuli zu präsentieren. Zu jedem Wort muss der Patient das Erste, was ihm in den Sinn kommt, laut aussprechen. Er sollte das unmittelbar tun.

Der Therapeut schreibt die Antwort auf und notiert zudem weitere Hinweise wie die Zeit, die der Patient brauchte, um die Reaktion zu geben, den Grad der Unannehmlichkeit, welche beim Patienten erzeugt wurde, und seinen Gesichtsausdruck. Körperhaltung, Nicht-Antworten und die Wiederholung des vorgegebenen Wortes können ebenfalls von Bedeutung sein.

Die Zuverlässigkeit der Wortassoziation von Carl Gustav Jung

Carl Gustav Jung stellte fest, dass dieses Instrument hervorragend für die Familientherapie geeignet ist. Wenn er es in den entsprechenden Situationen einsetzte, beobachtete er immer wieder ähnliche Reaktionsmuster. Dies ermöglichte es ihm, den Ursprung gleich mehrerer Probleme zu identifizieren.

Jung selbst gab diesen Test auf, als er kurze Zeit später sein Interesse an der experimentellen Psychiatrie entdeckte. Dennoch haben Fachleute diesen Test lange Zeit eingesetzt, bis etwa 2005. Jetzt wird er nur noch in Jung’schen Therapieprogrammen oder als ergänzende Projektionstechnik verwendet.

Ein Mann steht und starrt sein riesiges Gehirn an.

Im Jahr 2013 führte Dr. Leon Petchkovsky eine interessante Studie zu diesem Thema durch. Mithilfe der Magnetresonanz zeigte er, dass die Wörter aus Jungs Wortassoziationstest sehr auffällige neurologische Reaktionen hervorriefen. Die Spiegelneuronen wurden aktiviert, wenn Patienten Wörter wie Vater, Kind, Familie, Missbrauch und Angst hörten. Er beobachtete auch eine gesteigerte Aktivität in Bereichen wie der Amygdala, dem Hippocampus und der Inselrinde. Diese Ergebnisse waren bei Menschen mit posttraumatischem Stress besonders deutlich.

Diese Erkenntnisse belegen einmal mehr, dass Wörter Emotionen, Erinnerungen und Gedanken hervorzurufen vermögen, die wir sonst ignorieren. Trotz der Tatsache, dass das Wortassoziationsexperiment von Jung oft kritisiert wurde, ist es immer noch eine relevante Ressource, die von mehreren Studien unterstützt wird.

  • Hill, John. (1975). Individuation and the association experiment. Annual of Archetypal Psychology, 145-151.
  • Jung, Carl Gustav. (1917/1926/1943). The psychology of the unconscious processes. In Coll. Works, Vol.7: Two essays on analytical psychology (R. F. Hull, Trans.). London: Routledge and Kegan Paul, 1953.
  • Jung, Carl Gustav (2016). Obra completa de Carl Gustav Jung. Volumen 2: Investigaciones experimentales. Estudios acerca de la asociación de palabras. Traducción Carlos Martín Ramírez. Madrid: Editorial Trotta.
  • Petchkovsky, Leon (2013) “Las respuestas de la IRMf a la prueba de asociación de palabras de Jung: implicaciones para la teoría, el tratamiento y la investigación”.  The Journal of Analytical Psychology,  2013,  58 (3) , 409-431.