Der Unterschied zwischen Stereotypen und Vorurteilen

6. Februar 2019

Bevor wir über den Unterschied zwischen Stereotypen und Vorurteilen sprechen, wollen wir diese beiden Termini definieren. Ein Stereotyp ist eine vereinfachte Überzeugung, die wir bezüglich bestimmter Merkmale einer Gruppe haben. Das Wort Vorurteil bezieht sich darauf, dass wir diese Gruppe negativ bewerten.

Stereotype beziehen sich eher auf unser kognitives Verständnis, während Vorurteile eher auf dem emotionalen Teil in uns basieren. Stereotype entstehen aus dem allgemeinen Wissen über eine Gruppe, während Vorurteile aufkommen, wenn wir diese allgemeinen Merkmale jedem Mitglied dieser Gruppe zuordnen. Wenn wir voreingenommen sind, ziehen wir Rückschlüsse, die uns die Annahme oder Ablehnung der Gruppe erleichtern sollen.

Stereotype helfen uns, die mentale Energie zu reduzieren, die wir benötigen, um unsere Umwelt zu ordnen. Dies liegt daran, dass das Gruppieren von Menschen und das Zuordnen ähnlicher Merkmale zu einer bestimmten Gruppe es uns leichter machen, diese Menschen zu „kennen“ und zu „verstehen“. Ein solches Klischee spart also Energie und muss auch nicht immer negativ sein. Wir sollten im Hinterkopf behalten, dass Stereotype Verallgemeinerungen sind und auf vagen Merkmale verweisen, die keinesfalls ein vollständiges Bild dieser Gruppe oder Person darstellen.

Ein Beispiel für ein Klischee könnte die Vorstellung sein, dass alle Südländer gut gelaunt seien. Wir neigen auch zu den Annahmen, dass die Menschen im Norden liberaler seie oder dass alle Bayern mit einem Akzent sprechen. Dies sind größere Gruppen, denen bestimmte Merkmale zugesprochen oder zugewiesen wurden. Ein Problem entsteht daraus erst, wenn wir denken, dass Stereotype immer der Realität entsprechen. 

Eine Gruppe von Männern, die auf einer Wiese stehen und Kartons mit Fragezeichen vor ihren Gesichtern halten

Stereotype kontra Vorurteile

Vorurteile dagegen sprechen uns an und sind Teil einer negativen Einstellung. Wir haben bereits angedeutet, dass Stereotype eine normale Reaktion sind, Vorurteile hingegen etwas Negatives implizieren. Greifen wir eines der vorgenannten Beispiele noch einmal auf: Wenn wir glauben, dass alle Bayern einen Akzent hätten, weil sie kein Hochdeutsch in der Schule gelernt habe, dann ist dies ein negatives Vorurteil.

Vorurteile beginnen oft mit einem Klischee. In unserem Gehirn wenden wir ein Stereotyp auf eine Gruppe an und geben ihm dann eine negative Konnotation. Das schafft Vorurteile gegen diese Gruppe. Wenn wir diesen Denkprozess fortführen, ist es nicht mehr weit bis zur Diskriminierung. Diskriminierung umfasst sowohl Stereotype als auch Vorurteile.

Welche Rolle spielen Stereotype?

Sozialpsychologen beschäftigen sich seit Langem mit Stereotypen. Sie haben untersucht, wie sie entstehen und welche Unterschiede es zwischen Vorurteilen und Diskriminierung gibt. Dies sind die kognitiven Funktionen, die Stereotype erfüllen:

  • Stereotype systematisieren und vereinfachen unsere Realität. Indem wir Gruppen bilden, die wir kategorisieren und klassifizieren können, können wir die Welt mental vereinfachen. So wird die Welt vorhersehbarer und verständlicher.
  • Werte anderer Menschen verteidigen. Gruppierungen erlauben uns, Gruppen,itgliedern umfassende Merkmale zuzuweisen. Wenn wir dies tun, wird es einfacher, die Gruppe zu „verstehen“ und uns mit ihr zu vergleichen.
  • Die soziale Kontrolle behalten. Es ist einfacher, eine Gruppe zu kontrollieren als viele Personen mit individuellen Eigenschaften.

Wie lassen sich Stereotype und Vorurteile abbauen?

Wenn wir verstehen, dass Stereotype eine kognitive Funktion haben, die uns Gruppierung und soziales Verständnis erleichtern, können wir davon profitieren. Was passiert aber, wenn Stereotype uns einschränken? Dies geschieht, wenn sie uns davon abhalten, zu sehen, dass unsere Projektionen über Menschen nicht immer wahr sind. Wenn wir aufhören, Gruppen und Einzelpersonen als identisch wahrzunehmen, werden wir viele Unterschiede feststellen.

Wir können Stereotype und Vorurteile einschränken, wenn wir nicht urteilen, sondern nur beobachten. 

Eine Gruppe von Studierenden sitzt zusammen und redet miteinander.

Stereotype existieren nicht, um uns zu beschränken. Vielmehr müssen wir sie einschränken und vorsichtig mit ihnen umgehen. Obwohl sie unserem Gehirn helfen, unsere Umwelt zu organisieren, sind sie nicht immer richtig. Klischees sind, wie wir gesehen haben, der Ausgangspunkt für Vorurteile. Wenn wir Stereotype begrenzen können, können wir daher auch Vorurteile abbauen.

Ein Stereotyp oder ein Vorurteil zu ändern ist nur möglich, wenn wir uns der Gruppe nähern. Wir sollten versuchen, die Gruppe zu beobachten, ohne einen Filter anzuwenden oder unsere früheren Ideen über diese Gruppe zu bestätigen zu versuchen. Vielmehr sollten wir uns anstrengen, unsere Ideen zu hinterfragen. Wir sollten uns bemühen, uns auf Ideen und Situationen zu konzentrieren, die unsere vorherigen Annahmen infrage stellen.

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