Der Sprung vom Recht haben zum glücklich sein

27. September 2016 en Emotionen 3 Geteilt

„Zwei gute Freunde machten einen Ausflug. Als die Nacht hereinbrach, legten sie sich unter einen Baum in der Nähe schlafen. Einer von ihnen träumte, dass sie mit einem Boot auf einer einsamen Insel strandeten. Während er aufwachte, fragte er seinen Freund, ob er sich an die Reise auf die Insel erinnern könne. Als sein Freund erwiderte, er hätte nicht denselben Traum gehabt, konnte er es kaum glauben. Er wollte es nicht hinnehmen und ärgerte sich über seinen Freund. Er stritt einfach ab, nicht denselben Traum gehabt zu haben wie er.“ 

Intoleranz, Egoismus, Stolz, Missverständnis und ein Fehlen von Einfühlungsvermögen sind natürliche Hindernisse. Sie halten uns davon ab, uns auf die schönsten Momente von Glück, Entspannung und inneren Frieden einzulassen.

„Ein Sieg über einen Feind ist umso größer, wenn man sich dabei selbst besiegt.“

José de San Martín

Inwieweit sind wir bereit, unangenehme Situationen, die wir erleben, zu ertragen? Sind wir in der Lage, mit anderen zusammenzuleben und uns dabei in den Schatten zu stellen? Sind wir wirklich in der Lage, das Positive und Negative in Einklang zu bringen?

Fehler im Umgang mit problematischen persönlichen Situationen können uns Stunden, Wochen oder sogar Jahre unserer Lebenszeit berauben. Oft ist das Problem, dass wir immer Recht haben wollen.

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Bedeutet Recht zu haben Macht?

Das Siegesgefühl ist eine mächtige Droge, der wir verfallen können, wenn wir uns unserem Stolz und Egoismus hingeben. Aber was ist der Preis dafür, stur an unseren Positionen festzuhalten?

Ist es wirklich mehr wert, Recht zu haben, als einmal zurückzustecken? Die Befriedigung durch die Rechthaberei beraubt uns gleichzeitig unserer inneren Gelassenheit. Auch unsere Beziehungen zur Familie, zu Freunden, zur Gemeinschaft, unsere Fähigkeit, Verbindungen einzugehen, und die gegenseitige Hilfe leiden darunter.

Film und Literatur sind voll von den Geschichten, in denen Festhalten und Sturheit zu Unglück und Traurigkeit führen. Trotzdem lernen nur die Wenigsten daraus.
„Es gibt eine Reihe von sozialen Fähigkeiten, die Paaren helfen, ihre Probleme effektiver zu lösen. Dazu gehören zum Beispiel die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen, wie auch Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, zuzuhören. Diese Fähigkeiten zu entwickeln ermöglicht fruchtbare Diskussionen, wertvolle Kämpfe, die zur Vertiefung der Beziehung beitragen und negative Kommunikationsweisen radikal ausschließen. Diese führen sonst oftmals zum Ende der Partnerschaft.“
Daniel Goleman

Und die Motive?

Es gibt drei Gründe, wegen derer eine Person zur Rechthaberei neigt:

  • Sein Ego zu befriedigen.
  • Das Bedürfnis, seinen Selbstwert zu bestätigen.
  • Die Angst davor, Macht und Kontrolle zu verlieren, oder das Ansehen anderer.

Niemand ist der Herr der letzten Wahrheit. Diese Idee scheint manchmal in uns zu reifen, wenn wir besonders von uns überzeugt sind. Sie gerät aber um so schneller wieder ins Wanken, sobald wir von anderen konfrontiert werden.

Was erzeugt Sturheit?

Zorn, Angst, Frustration und Ärger. Sobald wir bemerken, dass etwas nicht unseren Anforderungen entspricht, treten eine Reihe von Mechanismen in Kraft, die in uns negative Emotionen freisetzen. Diese jedoch behindern unsere Argumentation und entziehen uns Energie.

Sind wir in einer Position festgefahren, verlieren wir Energie und Zeit. 

„Wahrhaft starke, glückliche Menschen kämpfen so gut wie nie. Sie verschwenden dafür keine wertvolle Zeit und Energie. Sie konzentrieren sich auf ihre Projekte und genießen ihr Leben. Und das Beste ist, dass Kraftausdrücke und Wutausbrüche sie nicht provozieren können!“

Rafael Santandreu

Streitsucht, manipulatives Verhalten, Forderungen und Hänseleien sind Verhaltensweisen einer Person, die in ihrer Sturheit gefangen ist. Und für gewöhnlich ist niemand stolz, sich auf diese Weise zu zeigen, und bevorzugt ein ruhiges und ausgeglichenes Verhalten.

Wege aus dem Dilemma

Einige Fragen helfen uns dabei, eine gute Lösung für das Problem zu finden:

  • Wie empfinde ich die Situation? Die richtigen Worte für unsere Gefühle zu finden schafft eine neue Perspektive und hilft uns dabei den „Müll“ zu trennen, der von den wesentlichen Aspekten der Situation ablenkt.
  • Weiß die andere Person, wie ich mich fühle? Dies führt über die rationale Debatte von Beschuldigungen hinaus in die emotionale Ebene.
  • Weiß ich, wie sich die andere Person fühlt? Manchmal neigen wir zur Interpretation unserer Gedanken. Dies ist nicht mehr als eine mögliche Annahme in der Weise von: „Er denkt wahrscheinlich, dass …“
  • Wie hat der Konflikt begonnen?
  • Was möchte ich erreichen?
  • Und was ist es, das mein Gegenüber erreichen möchte?

selbstliebe

Der nächste Schritt wäre, die möglichen Alternativen im Konflikt zu betrachten und festzulegen, bis zu welchem Grad man gewillt ist, einzulenken.

Natürlich ist es wichtig, all dem mit der größtmöglichen Aufrichtigkeit zu begegnen. Es macht keinen Sinn, dies vorzutäuschen. Früher oder später wird sich der Schein auflösen und aus dem scheinbar gelösten Konflikt wird ein neuer entstehen. Vielleicht in anderer Form und in einer anderen Sprache, aber im Grunde mit demselben Hintergrund.

Lasst uns an die Zeit denken, die wir gemeinsam mit anderen verbringen können. Geben wir ihr den Wert, den sie verdient.

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