Der Herbst ist der Sonntag des Jahres

15. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Herbst genießen - Frau spaziert durch ein Feld im Herbst

Oft vergessen wir, dass eine saisonale Veränderung auch bedeutet, dass unser Körper wichtige Anpassungen vornehmen muss. Zum Beispiel hat weniger Sonnenlicht in der Herbst- und Wintersaison einen direkten Einfluss auf unseren Gefühlszustand. Fühlen wir uns nach einer Woche unter grauem Himmel und Regen nicht saft- und kraftlos?

Der Herbst weist einige Eigenschaften auf, die unseren Gemütszustand negativ beeinflussen können. Aber das Wichtigste ist definitiv unsere Einstellung, wenn es darum geht, mit dem Übergang in den Winter umzugehen. Die Frage ist nun, wie wir in unserem besten Zustand die kälteste Zeit des Jahres erfahren, ja genießen können.

Der Einfluss des Herbstes auf unser Wohlbefinden

Wenn der Herbst beginnt, egal ob in der nördlichen (Oktober) oder der südlichen Hemisphäre (März), erfahren wir viele Veränderungen unseres Gemütszustandes. Als Individuen empfinden wir diese wahrscheinlich in mehr oder weniger hoher Intensität und in unterschiedlicher Ausprägung. Allgemein bedeutet der Herbstbeginn jedoch für viele Apathie, Anhedonie, und/oder Erschöpfung.

Trauriger Mann schaut im Herbst aus dem Fenster

Während des Sommers sind die Tage länger und es scheint so, als ob wir unsere Zeit besser nutzen könnten. Auch sind wir ruhiger und entspannter, weil wir normalerweise einige Wochen freihaben, um in den Urlaub zu fahren, uns auszuruhen und Zeit mit der Familie zu verbringen. Wir rufen uns ins Gedächtnis, dass wir weniger Verantwortungen tragen müssen als im restlichen Jahr, wir uns nicht hetzen und nicht durch die ständige Monotonie und den Stress der Arbeitswoche gehen müssen.

Aber all dies verändert sich, wenn der Herbst beginnt. Die Tage werden kürzer und kürzer, die Nächte länger und der Regen und die Kälte ersetzen das sommerliche Wetter.

Herbst genießen oder verdrießen

Die niedrigeren Temperaturen sind wie eine Einladung, drinnen zu bleiben und weniger Zeit draußen zu verbringen. Diese Wetterveränderung kann auch dazu führen, dass wir uns erkälten und verletzlich fühlen. Die Blätter von den Bäumen fallen zu sehen und zu beobachten, wie sie sich auf dem Boden anhäufen, lässt uns nostalgisch und traurig werden.

Wir verwandeln unseren Kleiderschrank in eine Personifikation unserer Grimmigkeit. Wir hören auf, fröhlich-farbige, leuchtende Klamotten zu tragen und wechseln zu einem dunkleren, düsteren Farbspektrum.

Die hormonelle Umstellung

Diese externen Faktoren leiten eine Reihe hormoneller Veränderungen ein und lassen unser Energielevel über den Tag schwanken. Schauen wir uns das einmal genauer an:

  • Zunehmende Melatoninproduktion: Aufgrund einer erhöhten Melatoninkonzentration im Blut fühlen wir uns permanent müde und sehnen uns nach Schlaf.
  • Abnehmende Serotoninproduktion: Diese spielt Hand in Hand mit dem des Melatoninspiegels, da Serotonin den Schlaf, die Stimmung und den Gemütszustand reguliert.
  • Abnehmende Dopaminproduktion: Wenig Dopamin verursacht einen Mangel an Aufmerksamkeit und ein allgemeines Desinteresse.

Frau mit Schirm im Herbst

Herbstdepression

Wenn die Stimmungsschwankungen stark und lang anhaltend sind, durchleben wir womöglich eine sogenannte „Herbstdepression“ bzw. „Winterdepression„. Aber das ist nicht fatal! Es ist nur eine vorübergehende Situation, die wir vermeiden können, wenn wir die richtigen Schritte unternehmen.

Ihre Symptome sind ein beständiger Energiemangel, allgemeines Desinteresse, Apathie, Reizbarkeit und schlechte Laune, Probleme beim Einschlafen und Konzentrationsschwierigkeiten. In manchen Fällen erleben Menschen große Einsamkeit, obwohl sie nicht allein sind.

Wie wir sie bekämpfen

Einerseits sollten wir einen Spezialisten aufsuchen, der sich mit dieser Art von Problemen auskennt, wenn sie uns in unserem Alltag einschränken. Andererseits gibt es auch die Möglichkeit, dass wir selbst gegen diese Symptome angehen. Wenn wir Veränderungen in unserer Ernährung vornehmen und bestimmte Aktivitäten in unseren Tagesplan aufnehmen, kann dies eine große Hilfe sein.

Zunächst ist es wichtig, sicherzustellen, dass wir ausreichend B-Vitamine und Vitamin C sowie mit Mineralien wie Kalzium und Magnesium zu uns nehmen. Diese sind notwendig für die Neurotransmitterproduktion. Des Weiteren können wir Baldrianwurzel und Passionsblume verwenden, um zu entspannen und um die Qualität unseres Schlafes zu verbessern.

Manchmal hängen wir in dem Gedanken fest, dass, wenn der Urlaub vorbei ist, auch die Zeit vorbei sei, die wir uns selbst widmen. Aber das muss nicht so sein. Wir sollten weiterhin diese Momente für uns suchen, die nur aus Freizeit und Unterhaltung bestehen und unser Leben mit spaßigen Aktivitäten ausfüllen. Wir sollten Sport treiben. Wenn wir keine Zeit haben, diesen Aktivitäten an frischer Luft nachzugehen, ist Hallensport immer noch eine großartige Sache, um unsere positive Einstellung zurückzugewinnen und aufrechtzuerhalten.

Neben unserem Körper können wir auch unserem Geist auf die Sprünge helfen, zum Beispiel mit Lesen, Theater-, Kino- oder Museumsbesuchen. Wir können Musik hören, tolle Konversationen mit Freunden haben oder einen besonderen Moment mit unserem Partner oder unseren Kindern teilen.

Trauriges Mädchen im Herbst

Wenn wir all diese kleinen Aktivitäten, die uns glücklich machen, vergessen, kann dies dazu führen, dass wir uns kraftlos und apathisch fühlen. Letztendlich wird das unsere Laune herunterziehen und uns noch mehr Stress verursachen.

Herbstdepression ist nicht gleich Post-Urlaub-Syndrom

Das Post-Urlaub-Syndrom ist der Zustand, in den eine arbeitende Person abrutschen mag, wenn sie sich nicht wieder an ihr Arbeitsleben anpassen kann. Die Symptome dieses Syndroms sind ähnlich denen der Herbstdepression. Aber es gibt auch zusätzliche physische Aspekte, wie zum Beispiel Muskelschmerz, welcher zu einer verminderten Arbeitsleistung führen kann.

Dieses Syndrom kann jederzeit im Jahr auftreten, wann immer wir aus dem Urlaub zurückkommen. Also wenn wir, aus welchem Grund auch immer, unseren Urlaub bis November aufschieben, mag das Syndrom uns danach ereilen.

Die Herbstdepression hingegen kommt immer zu einer spezifischen Zeit des Jahres, nämlich zu Ende des Sommers und zu Beginn der folgenden Saison. Das Post-Urlaub-Syndrom betrifft meistens junge Menschen, speziell jene unter 45 Jahren. Unterdessen sind die Menschen, die am stärksten von der Herbstdepression betroffen sind, ältere Erwachsene.

Wie wir gesehen haben, gibt es viele herbstliche Einflüsse, welche möglicherweise unser physisches sowie psychisches Wohlbefinden gefährden können. Jedoch müssen diese nicht verhindern, dass der Herbst zur besten Saison des Jahres wird. Wir müssen nur lernen, wie man das Beste aus ihm macht!

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