Das Lebensalter ist auch nur eine Zahl

4. August 2017 en Emotionen 208 Geteilt

Es gibt viele Mythen über das Alter. Den ersten Mythos, den wir infrage stellen könnten, ist wahrscheinlich der Glaubenssatz, dass unser Alter die Möglichkeiten bestimmt, die uns offenstehen. Es ist jedoch die Wahrheit, dass heutzutage niemand zu jung oder zu alt ist, um die eigenen Träume zu verwirklichen. Wir haben dies jeden Tag vor Augen, aber wir glauben es immer noch nicht ganz.

Junge Menschen haben den Mythos entlarvt, dass man Jahrzehnte an Erfahrung bräuchte, um ein Ziel zu erreichen. Steve Jobs, Bill Gates oder Mark Zuckerberg sind der Beweis, dass das nicht stimmt. Aber genauso wie diese unerfahrenen Menschen Ziele erreichten, die ihnen niemand in diesem Alter zugetraut hätte, gibt es auch jede Menge Beispiele für Menschen in reiferen Jahren, die sich ihre Träume erfüllen.

„Alt zu werden ist wie einen großen Berg zu besteigen: während es bergauf geht, schwinden deine Kräfte nach, aber dein Blick wird freier, die Aussicht immer besser.“

Igmar Bergman

Doch die Ansammlung von Lebensjahren, grauen Haaren und allem, was mit den späteren Lebensphasen einhergeht, ist nicht „in“ oder „cool“. Darum vertreten viele Menschen, die mehr als vier Jahrzehnte gelebt haben, auch den Denkansatz, dass sie nicht mehr im geeigneten Alter seien, um sich neue Ziele zu setzen. Dass sie noch ihre heiß ersehnten Träume nicht mehr verfolgen könnten. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein. Ist man noch am Leben, ist es noch nicht zu spät.

Neue Gelegenheiten hängen nicht mit dem Alter zusammen, eher mit Durchhaltevermögen, Konzentration und Leidenschaft. Die ersten beiden Attribute sind fast immer das Ergebnis erlangter Reife; aber die Leidenschaft ist eine der Eigenschaften, die mit der Zeit oft aufgegeben wird.

Dies ist auch der Grund, warum viele ältere Menschen denken, sie hätten nicht das Recht, zu träumen oder sich entschlossen hinter das zu klemmen, was sie sich immer gewünscht hatten. Ungeachtet der Tatsache, dass sie sich in einer ausgezeichneten Lebensphase befinden, um genau das zu tun.

Charles Darwin wusste, das es nie zu spät ist

Das Erscheinen des Buches Die Entstehung der Arten  veränderte die Geschichte der Wissenschaft. Aber wusstest du, dass Charles Darwin bereits 50 Jahre alt war, als er das Buch zum Abschluss brachte? Obwohl er sein Abenteuer als Forscher bereits im Alter von 22 Jahren begonnen hatte, benötigte er fast 30 Jahre, um sein Werk zu vollenden. Seine Studien waren die innovativsten seiner Zeit, obwohl seine Schläfen bereits ergraut waren.

In seiner Autobiografie hinterlässt Charles Darwin einen Text, der seine Meinung zu diesem Thema meisterhaft zusammenfasst:

„Deshalb war mein Erfolg als ein Mann der Wissenschaften […], soweit ich das beurteilen kann, komplexen und vielfältigen geistigen Fähigkeiten und Bedingungen geschuldet. Unter diesen waren die wichtigsten: a) meine Leidenschaft für die Wissenschaft; b) unendliche Geduld für langes Durchdenken eines jeden Themas; c) harte Arbeit, was die Beobachtung und das Sammeln der Daten anging, und d) eine durchschnittliche Dosis an Einfallsreichtum als auch an gesundem Menschenverstand. Mit so gewöhnlichen Fähigkeiten wie jene, über die ich verfüge, ist es wahrhaft erstaunlich, dass meine Erkenntnisse zu einem so beträchtlichen Ausmaß die Glaubenssysteme der Wissenschaftler hinsichtlich einiger wichtiger Punkte beeinflusst haben.“

Späte Schriftsteller und Genies

José Saramago gehört zu den Schriftstellern von Weltformat. Was viele nicht über ihn wissen, ist, dass er seinen ersten großen literarischen Erfolg im Alter von 58 Jahren errang und zwar mit seinem Roman Hoffnung im Alentejo. An diesen Erfolg schlossen sich noch weitere Romane an und 1988 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen.

Die afroamerikanische Schriftstellerin Toni Morrison veröffentlichte ihr erstes Buch im Alter von 40 Jahren. Und 22 Jahre später gewann sie den Nobelpreis für Literatur. Auch die große britische Schriftstellerin Penelope Fitzgerald veröffentlichte ihr erstes Buch erst kurz vor ihrem sechzigsten Geburtstag. Nach vielen persönlichen und literarischen Abstürzen gelang es ihr schließlich, ihren Traum einer Veröffentlichung zu verwirklichen. Ein paar Jahre darauf gewann sie den Man Booker Prize, einen der renommiertesten Auszeichnungen in Großbritannien.

Ein weiterer interessanter Fall ist der Winston Churchills, der erst mit 66 Jahren an die Macht kam. Er war einer der wichtigsten politischen Leitfiguren in der Geschichte Großbritanniens. Er bestimmte auch den Verlauf des zweiten Weltkriegs. Er erhielt im Alter von 76 Jahren den Nobelpreis für Literatur.

Diese und weitere Geschichten wie die Alexander Flemmings, der das Penicillin entdeckte, Walt Disneys, Raymond Chandlers, Ang Lees und vieler anderer beweisen, dass das Erreichen der eigenen Träume nichts mit dem Lebensalter zu tun hat. Es ist nur dann zu spät, wenn du aufhörst, zu träumen, oder wenn der Tod an deine Tür klopft. Erst dann – soviel wie uns bisher bekannt ist – werden wir jeder Gelegenheit beraubt.

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