Das Leben nimmt dir keine Last ab, damit du hochfliegen kannst, du befreist dich davon

· 3. Dezember 2017

Wie kann ich mich von einer Last befreien? Warum macht es mir das Schicksal so schwer? – Das sind Gedanken, die wir in schweren Zeiten häufig fassen. Damit wir hochfliegen und tatsächlich glücklich sein können, gibt uns das Leben immer wieder die Chance, uns von unserer Last zu befreien – loslassen müssen wir aber selbst. Etwas loslassen ist nichts Traumatisches, sondern eine Form der konstanten Befreiung, die wir akzeptieren müssen. Wir müssen verstehen, dass es Faktoren gibt, die unser persönliches Wachstum, unsere Möglichkeit, frei und wir selbst zu sein, einschränken.

Vor einigen Jahren führte der bekannte Sozialpsychologe Robert Levine ein sehr interessantes Experiment durch, mit dem er einen hypothetischen Zusammenhang zwischen dem Rhythmus des Lebens und der individuellen Leichtigkeit, glücklich zu sein, nachweisen wollte. Die Studie wurde in verschiedenen Kulturen der ganzen Welt durchgeführt, und es wurde verschiedene Variablen beurteilt.

Die erste Variable war, wie schnell Menschen während der morgendlichen Rush Hour gehen. Die zweite war die Anzahl der Male, die sie auf ihre Uhren sahen, die dritte die Anzahl der Kontakte im Telefonbuch des Handys und die vierte und letzte war die Art und Weise, auf die sich diese Menschen in ihrer Freizeit entspannten.

Die Ergebnisse waren zweifellos aufschlussreich: Je komplexer ihr Leben, desto unglücklicher waren die Probanden. Dr. Robert Levine äußerte sich dazu und meinte, wir seien Menschen, die in einer modernen Gesellschaften leben, zu schnelllebig, wir wären besessen von der Zeit und würden Gegenstände und Kontakte anhäufen, so als wollten wir einen Lagerraum mit ihnen füllen, um so einen bestimmten Status und ein genormtes Wohlbefinden zu erreichen.

So können wir nicht glücklich werden. Um hochzufliegen, müssen wir unser Leben vereinfachen und vor allem von Lasten loslassen. Wir möchten dich dazu einladen, mit uns zusammen darüber nachzudenken.

Fliegendes Zirkuszelt

Wenn du wachsen willst, musst du lernen, zu fliegen

Das Wachstum ist ein natürlicher Prozess, den wir alle durchlaufen. Aber die Tatsache, dass wir die Treppe des Lebens immer weiter hinaufsteigen, führt oft dazu, dass wir uns der Realität auf falsche Weise nähern. Wenn wir noch sehr jung sind, bringen uns unser Umfeld, unsere Familie und Lehrer bei, dass „wachsen“ ein Synonym für die Anhäufung von Dingen, in gewisser Weise ein Synonym für „gewinnen“ sei: Wir gewinnen an Unabhängigkeit, Freiheit, Erfahrungen, Beziehungen, materiellen Gütern usw.

Wir idealisieren die Reife auf eine sehr voreingenommene Art und Weise, weil man uns die Vorstellung verkauft hat, dass uns die Welt zu Füßen läge, wenn wir älter sind. Vielleicht entsteht in uns deshalb das Gefühl der Unzufriedenheit, wenn wir wachsen – weil dieses Versprechen nicht eingehalten wird, wir erkennen müssen, dass Glück keiner Norm entspricht und dass es keine psychologischen oder wirtschaftlichen Belohnungen für das bloße Älterwerden gibt.

Wir verstehen, dass das Leben hart ist und deswegen wenden wir spezielle Filter an: Wir wollen, dass alles, was kommt, bleibt, um als Ersatz für das Glück zu dienen. Wir brauchen es, viele Freunde zu haben, auch wenn sie uns missfallen und uns sogar von Zeit zu Zeit in den Rücken fallen. Einen Partner zu haben, ist ein Muss, denn es gibt nichts Schrecklicheres als die Einsamkeit.

Wir erfüllen eine nach der anderen die Erwartungen unseres Umfelds, weil wir glauben, dass Wachstum bedeute, Teil einer Gruppe gleicher, grauer und gut strukturierter Gestalten zu werden.

Igel als Pusteblumen

Das ist nicht richtig, wir müssen das ändern. Wir müssen das GPS unseres Lebens neu programmieren, um uns in eine einzige Richtung zu entwickeln: nach oben. Wir müssen hochfliegen, sehr hoch, müssen uns von den Konventionen und Menschen befreien, die uns nichts bringen, von Routinen, die unsere Kreativität zunichtemachen, von Umfeldern und Dynamiken, die die Flügel unseres persönlichen Wachstums stutzen, und im Grunde genommen müssen wir uns von dieser klassischen Vorstellung, die etwas kindisch ist, befreien, dass wir, je mehr wir hätten, umso glücklicher wären.

Das ist nicht der richtige Weg. Wie Robert Levine, der eingangs zitierte Psychologe, erklärte, ginge es im Leben nicht darum, Dinge in einem Abstellraum oder Kontakte in unserem Telefonbuch anzuhäufen. Zu leben bedeutet, zu fliegen, und um das zu erreichen, ist es notwendig, einen Gang zurückzuschalten und uns von einem Teil unserer Lasten zu befreien.

Wie wir in 4 Schritten lernen können, zu fliegen

Wenn es jemanden gab, der nicht erwachsen werden wollte, dann war es Peter Pan. Es ist schon eigenartig, wie es James Matthew Barrie gelang, dieser uns allen bekannten Figur verschiedene Charakterzüge zu verleihen, die wie diese angeborenen Flügel scheinen, mit denen Kinder auf die Welt kommen.

„Zu leben, das ist mein größtes Abenteuer.“

Peter Pan

In einem Teil des Buches sagen Peter und die verlorenen Jungen, dass sie nicht wachsen wollten, weil sie nicht in die Schule gehen, alles wie ein Papagei nachsagen und dumme Regeln lernen wollten. Die Schule, unser Bildungswesen und sogar unsere Gesellschaft sind diese entscheidenden Bereiche in unserem Leben, die uns im Laufe unserer Geschichte unserer Spontanität und unserer Fähigkeit, kreativer, freier und anders als alle anderen zu sein, berauben.

Um zu lernen, zu fliegen, müssen wir diese Sichtweise wiederherstellen, mit der wir auf die Welt blickten, als wir noch Kinder waren. Diese Sichtweise, aus der alles möglich war und mit der das Glück gleich an der nächsten Ecke zu finden war und uns unvermittelt überkam. Damit uns das gelingt, müssen wir aber gleichzeitig auch wie ein weiser und mutiger Erwachsener denken, der dazu in der Lage ist, angemessene Strategien anzuwenden.

Dabei handelt es sich um die folgenden Strategien.

Seiten eines Buches werden zu Vögeln

Lerne, alles zu vereinfachen, um den Flug aufzunehmen

Wir müssen lernen, unser Leben zu vereinfachen, es zu „entschleunigen“ und Prioritäten zu setzen, um wieder die Kontrolle über unser eigenes Leben zu bekommen. Dafür solltest du am besten über folgende Ansätze nachdenken:

  • Situationen und Personen: Zuerst sollten wir ganz ehrlich und objektiv all jenes bewerten, womit wir in unserem Alltag interagieren. Bewährte von 1 bis 10 wie zufrieden dich diese Situationen und Menschen machen, mit denen du täglich konfrontiert ist.
  • Zeit: Wir alle haben am Tag die gleiche Menge an Zeit. Wie viele deiner 24 Stunden am Tag würdest du als qualitativ hochwertige Zeit betrachten? Was könntest du tun, um mehr „Quality Time“ zu haben?
  • Prioritäten: Um hochzufliegen, ist es nicht notwendig, uns von allem und jedem zu trennen. Wir müssen Prioritäten setzen und uns darüber klar werden, was wir für uns Wichtiges in unserem Leben erhalten und was wir hinter uns lassen müssen.

Setze diese drei Schritte gleich jetzt in die Tat um. Der letzte Schritt, der aber keinesfalls weniger bedeutend ist, ist der, uns unserem persönlichen Abstellraum zu nähern und die Tür zu öffnen, um darin aufzuräumen. Das hat nichts mit Egoismus zu tun und du solltest dich keinesfalls deswegen schlecht fühlen oder zulassen, dass dir andere deshalb ein schlechtes Gewissen einreden. Es ist wichtig für unsere mentale und emotionale Gesundheit, und nicht jeder wagt diesen Schritt. Denn du solltest nicht vergessen, dass nur mutige Menschen, Kinder und freie Menschen wissen, dass es nichts Schöneres gibt, als ohne Ballast hochzufliegen und dort oben glücklich zu sein.

„Ich kann vieles verzeihen, aber was ich nicht verzeihen kann, ist, wenn jemand mich nicht wertschätzt. Dann verschwendet er nur seine Zeit mit mir.“

Oliverio Girondo