Das Geheimnis der Goldenen Blüte: das taoistische Buch über Meditation

· 14. November 2018

Das Geheimnis der Goldenen Blüte  ist ein Buch über Meditation und chinesische Alchemie, übersetzt von Richard Wilhelm und kommentiert von Carl Gustav Jung. Es spielt auf eine Metapher an, durch die jeder von uns gezwungen ist, zu erwachen, sein Bewusstsein für das Licht zu öffnen, was durch die goldene Blüte symbolisiert wird, ein Zentrum der Macht, in dem alles zirkuliert und transzendiert.

Von dieser Arbeit zu sprechen heißt, uns auf einen der wichtigsten, aber auch kontroversesten Texte über die taoistische Religion zu beziehen. Es ist bekannt, dass das älteste bekannte Zeugnis dieses Textes von Holztafeln aus dem siebten Jahrhundert stammt. Es handelte sich ursprünglich um eine Abhandlung über Esoterik, die mündlich übertragen wurde. Ihre Prinzipien und Weisheiten wurden von einem Mitglied der sogenannten Religion des Lichts gesammelt, deren Leiter Lü Yen (auch Lu Yan genannt) war. Es wird angenommen, dass alle diese beschriebenen Methoden auf Ideen zurückgehen, die bereits in Persien entstanden waren und ihre Wurzeln gar in der hermetischen Tradition Ägyptens haben. Welch Reise durch Zeit und Kulturen!

Nun, das Buch Das Geheimnis der Goldenen Blüte  ist eine „verwestlichte“ Übersetzung eines der wichtigsten spirituellen Vermächtnisse Asiens. So wurden, wie beim Tibetischen Totenbuch,  viele Konzepte vereinfacht dargestellt, damit es die westliche Welt besser verstehen konnte. An Transzendenz hat es dabei nicht verloren.

Obwohl Details ausgelassen wurden, ist es gelungen, ein Werk zu schaffen, in dem wir zu diesen Ideen, zu dieser Philosophie des Taoismus inspiriert werden können. Wir lassen uns ein auf diesen Prozess, durch den wir den Aufenthaltsort des Bewusstseins erhellen können. Um dies zu tun, müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf unser Inneres richten, auf jene goldene Blüte, die sowohl unser Ursprung als auch unser Ziel ist.

„Die goldene Blüte ist das Licht, und das Licht des Himmels ist das Tao. Da ist der Keim, in dem Essenz und Leben noch immer eine Einheit sind. Die Geburt des alchemistischen Prozesses findet statt, wenn die Dunkelheit das Licht hervorbringt.“

Das Geheimnis der Goldenen Blüte

Mandala

Das Geheimnis der Goldenen Blüte, eine innere Suche

Carl Gustav Jung schrieb in seinen Memoiren, dass er sich schon immer für die östliche Philosophie interessiert habe. Es sei um 1920 gewesen, als er angefangen habe, mit dem I Ging zu experimentieren, wobei er sich fast ohne zu merken in dieser uralten Weisheit, in dieser figurativen Sprache und in jenen orientalischen Traditionen, die ihn so sehr gefesselt haben, verloren habe. In diesen Jahren traf er auf Richard Wilhelm, einen bedeutenden deutschen Sinologen, Theologen und Missionar, der sich auf die Übersetzung von Werken aus dem Chinesischen ins Deutsche spezialisiert hatte.

Aus dieser Begegnung entstand die Idee, das Buch der Goldenen Blüte  zu übersetzen. Im Jahr 1923 wurde das Werk mit Jungs Prolog und Kommentaren veröffentlicht. 1931 übersetzte Carl Baynes es ins Englische und es dauerte nicht lange, bis es um die Welt reiste, um schließlich zu einem Buch zu werden, das viele Menschen lasen, um vom chinesischen Yoga zu lernen. Aber handelt Das Geheimnis der Goldenen Blüte  wirklich nur von Yoga und Meditation? Absolut nicht.

Die Bedeutung der Entwicklung unserer besonderen goldenen Blüte

Der ursprüngliche Titel des Buches lautete in etwa Anweisungen zur Entwicklung der Goldenen Blüte.  Um den Zweck dieses Buches zu verstehen, müssen wir daher wissen, was die goldene Blüte ist.

  • Die goldene Blüte ist eine Metapher, die sich auf eine Art Alchemie, auf eine innere Transformation bezieht.
  • Die taoistische Philosophie behauptet, dass es eine spirituelle Energie gebe, die uns alle übersteige. Ein Licht, das unser Bewusstsein symbolisiere. Um dieses Licht oder unsere goldene Blüte zu erwecken, müssen wir eine Reihe von Meditationen und Übungen durchführen, die im Originaltext als Energiealchemie bezeichnet werden.
  • Diese Übungen werden es uns nach und nach ermöglichen, unser Licht zu konzentrieren und die goldene Blüte zu formen, sie keimen zu lassen.
Carl Gustav Jung

Es ist durchaus möglich, dass uns all diese Prinzipien, die in Das Geheimnis der Goldenen Blüte  verkündet werden, aus westlicher Sicht etwas fern und sogar fremd erscheinen. Nehmen wir uns jedoch einen Moment Zeit, um uns anzusehen, was Jungs Aufmerksamkeit erregte. In jener Nuance, die ihn als Psychiater und Pionier der analytischen Psychologie einen Großteil seines Lebens faszinierte: Die goldene Blüte zwingt uns, unseren von der Gesellschaft besetzten und konditionierten Geist beiseitezulegen, um einen höheren, freien, kreativen und sogar himmlischen Geist zu erreichen.

„Das Licht filtert immer wieder in unsere Wirbel. Unser Bewusstsein strömt um uns herum, in allem, was wir uns wünschen, in dem, was wir träumen und was uns umgibt. Wir müssen unseren Geist nach innen richten, damit die goldene Blüte keimen und das Bewusstsein wecken kann.“

Das Geheimnis der Goldenen Blüte

Beruhige den Geist, um das Herz zu öffnen

An dieser Stelle werden sich viele unserer Leser eine mehr als naheliegende Frage stellen: Welche Art von Alchemie/Meditation muss praktiziert werden, um zu dem Licht zu gelangen, das in Das Geheimnis der Goldenen Blüte  beschrieben ist?

Die Antwort liegt in einer Formel, die einfach erscheinen mag, aber großes Engagement, Übung und Willen erfordert: Wir müssen lernen, den Geist zu beruhigen, um das Herz zu öffnen.

  • Wir können damit beginnen, uns zu fragen, wer wir sind. Wahrscheinlich werden wir auf diese Frage hin unser Gesicht visualisieren. Was jedoch definiert, was wir sind? Es ist nicht unser Körper, es sind unsere Gedanken. Und höchstwahrscheinlich lärmen diese zu sehr. Deshalb ist es ratsam, sie zum Schweigen zu bringen.
  • Um diesen Gedankenlärm zu beruhigen, werden wir die tiefe Atmung praktizieren, sodass nach und nach Ruhe in unser Inneres einkehrt. Das ist etwas, was wir weder an einem Tag noch in einer Woche erreichen werden. Die Beruhigung des Geistes braucht Zeit.
  • Wenn wir schließlich innere Stille erreicht haben, wird die Reflexion kommen. Und in diesem Moment werden wir Kontakt mit dem Geist unseres Herzens aufnehmen, das Licht sehen, in dem das Bewusstsein besteht, mit dem wir regelmäßig kommunizieren sollten.
Meditierende Person am Meer

Das Geheimnis der Goldenen Blüte  basiert auf der regelmäßigen Ausübung der Meditation. Irgendwann, wenn diese sorgfältige Arbeit all jene Schichten, die unseren Geist gefangen und konditioniert haben, nacheinander entfernt hat, werden wir uns ein Mandala vorstellen. Eine Figur, die dieses prächtige alchemistische Symbol enthält, das uns vollständig befreien wird: die Goldene Blüte.