Das Gaslighting: eine versteckte Form des emotionalen Missbrauchs

· 31. Dezember 2017

„Was ist Gaslighting?“, fragst du vielleicht. Um zu verstehen, worum es sich dabei handelt, hier ein Beispiel: Vielleicht hast du schon einmal eine Situation erlebt, in der dir jemand versichert hat, dass du etwas gesagt hättest, du dich aber nicht daran erinnern konntest, es gesagt zu haben. Du hast in deinem Gedächtnis gekramt und bist letztendlich zu dem Entschluss gekommen, dass du das definitiv niemals gesagt hast. Du hast dich davon überzeugt, dass du recht hast. Dennoch blieb dein Gegenüber bei seiner Meinung, dass du jenes sehr wohl gesagt hättest, und er vermittelte dir das mit solch einer Sicherheit, dass du anfingst, zu zweifeln, und ihm schließlich geglaubt hast. Du dachtest dann, dass das vielleicht doch deine Worte waren, obwohl du dich nicht an sie erinnern konntest. Vielleicht warst auch du in jener Situation ein Opfer des Gaslighting.

„Wenn einer Kommunikation eine Lüge oder eine böse Absicht hinzugefügt wird, handelt es sich um Manipulation, die auf Gegenseitigkeit beruhen kann.“

Albert Jacquard

Dieses Phänomen wurde erstmals in den 1960er Jahren beschrieben. Und obwohl es oft am Arbeitsplatz oder im familiären Umfeld zu beobachten ist, ist es noch häufiger in Partnerschaften anzutreffen, als Form der Partnergewalt. Der Terminus „Gaslighting“ beschreibt eine sich wiederholende Manipulation, die eine Person auf eine andere ausübt. Ihr Hauptziel ist es, die Sicherheit des Opfers zu untergraben, sodass es die Realität schließlich auf verzerrte Weise wahrnimmt.

Durch Gaslighting soll das Opfer verwirrt werden

Das Gaslighting ist eine absichtliche Form des Lügens, mithilfe dessen das Opfer verwirrt werden soll, um davon zu profitieren. Es ist eine Form des psychischen Missbrauchs und zeichnet sich durch eine sehr subtile, und nur selten gewalttätige Manipulation aus, aber dennoch kommt es oft zu einer gewissen Einschüchterung. Daher ist das Gaslighting nur schwer zu erkennen. Darüber hinaus ist der manipulierende Part normalerweise jemand „Vertrauenswürdiges“, ist freundlich und wir haben oftmals eine enge Verbindung zu ihm.

Frau umgeben von Quallen

Typisches Gaslighting ereignet sich beispielsweise, wenn einer der beiden Partner versucht, seine Untreue zu verheimlichen. Das Opfer könnte behaupten, dass er den anderen mit jemandem am Telefon habe flirten hören. Der manipulierende Partner weiß, dass das wahr ist, aber er verteidigt sich, indem er mit absoluter Gewissheit sagt, dass es nicht so sei. Sein Partner verwechsle Freundlichkeit mit Flirten. Der manipulierende Partner könnte sogar noch hinzufügen, dass er seinen Partner in letzter Zeit sehr gestresst erlebt habe. Ein vermeintlicher Stress, der ihm nicht das Recht gäbe, ihm zu misstrauen. An diesem Punkt wird er es bereits geschafft haben, die Saat des Zweifels in seinem Opfer zu säen.

Das kommt häufiger vor, als wir glauben. In sich wiederholenden und extremen Fällen kann das Opfer sogar glauben, dass es seinen Verstand verliere. Wir könnten nun in die Falle tappen und denken, dass dies eine komische Situation sei und dass wir nie auf solch eine lächerliche Form der Manipulation hereinfallen würden. Allerdings übersehen wir, dass sich diese Situation in Beziehungen ereignet, in denen unsere Gefühle eine Rolle spielen. In dieser Art von Beziehungen sind in der Tat komplexe Mechanismen der Projektion und Introjektion im Spiel.

Merkmale des Gaslighting

Im Allgemeinen ist das Opfer des Gaslighting eine misstrauische Person, die wohl aber jemand Vertrauenswürdigen gefunden hat. Der manipulierende Part ist selbst unsicher, aber besessen davon, andere zu kontrollieren. Er scheint freundlich zu sein und sagt, dass er auf das Wohl des anderen bedacht sei. Doch das ist nur eine Maskerade. Das Opfer idealisiert diesen Menschen irgendwann. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf und der Boden des Gaslighting ist bereit, zu erblühen.

Manipulativer Mensch

Wenn diese Form der emotionalen Manipulation über einen langen Zeitraum hinweg stattfindet, hat sie extrem negative Folgen für das Opfer. Die Beunruhigendste ist zweifellos, dass sich das Opfer der von dem manipulativen Part erfundenen Realität fügt. Die Gaslighting hat sogar zur Folge, dass sich das Missbrauchsopfer dafür entscheidet, die Konflikte des manipulativen Menschen zu seinen eigenen zu machen.

Das Gaslighting folgt einem Muster, das in drei Stufen unterteilt ist.

  • Während der ersten Stufe wehrt sich das Opfer mit Argumenten und widerlegt die Angaben des manipulierenden Parts. Währenddessen versucht der Belästigende, es davon zu überzeugen, wie es denken und fühlen soll. In manchen Fällen werden daraus stundenlange Diskussionen. Nichts als verlorene Zeit.
  • In der zweiten Phase bemüht sich das Opfer, offen zu sein, um die andere Sichtweise besser verstehen zu können. Da es jedoch keine Gegenseitigkeit gibt, beginnt das Missbrauchsopfer, an seiner Überzeugung zu zweifeln.
  • Die dritte Stufe ist ein Zustand der Verwirrung, in dem das Urteilsvermögen des Opfers schwindet und es das glaubt, was der andere ihm auftischt, was richtig und normal sei und daher real sein muss.

Was es zu beachten gilt

Es gibt Persönlichkeitsmerkmale, die Menschen zu potenziellen Opfern des Gaslighting machen. Fehlende Liebe ist eines davon. Das potenzielle Opfer sieht in seinem Manipulator seinen Retter und idealisiert ihn deshalb. Diese Reaktion ist darauf zurückzuführen, dass das Opfer die Vorgehensweise des Manipulators als Zeichen der echten Zuneigung interpretiert. Das Opfer hat das Gefühl, dass der manipulierende Part zumindest anfänglich mit ihm diskutiert und ihm Beachtung schenkt.

Manipulativer Mann

Eine Person, die immer recht haben muss, ist ebenfalls ein klassisches Opfer dieser Art von Missbrauch. Eine gefährliche Situation entsteht, wenn subjektive Aspekte diskutiert werden und in dieser Konfrontation die Argumente des zukünftigen Opfers aufgrund der endlosen Diskussion an Kraft verlieren. Schließlich spielt die Notwendigkeit, von anderen Bestätigung zu erhalten, eine entscheidende Rolle. In diesem Fall wird dem Manipulator, der keine Zeit verliert und diese Schwäche ausnutzt, alles auf einem Silbertablett serviert.

Um nicht dieser Art der toxischen Beziehung zu verfallen, ist es wichtig, einige Prämissen im Hinterkopf zu behalten. Erstens solltest du wachsam bleiben, was jegliche Anzeichen auf eine Hinterfragung deiner Überzeugungen anbelangt, z.B. wenn jemand an deinem Selbstvertrauen rütteln will. Halte dich nicht mit überflüssigen Diskussionen auf, tausche nicht irgendwelche subjektiven Standpunkte aus, die zu nichts führen.

Schließlich solltest du versuchen, deine Haltung dem Leben gegenüber mit handfesten Argumenten zu stärken, damit sie zu einer Überzeugung wird. Darüber hinaus darfst du nicht zulassen, dass andere deine Denkweise oder Gefühle infrage stellen. Denke daran, dass das der ideale Nährboden für diejenigen ist, die dich manipulieren wollen.