Emotionale Manipulation: Eine verbreitete Taktik, um innere Konflikte zu lösen

17. November 2017 en Psychologie 29 Geteilt
Emotionale Manipulation verändert das Opfer

Wahrscheinlich hast du schon einmal von der emotionalen Manipulation gehört. Du weißt, wie sie abläuft und wie sie ihre Opfer herunterzieht. Sie ist ohne Zweifel eine Verhaltensweise, die für die Opfer extrem gefährlich ist. Das gefährliche an ihr ist, dass sie nur schwer zu erkennen und kaum nachzuweisen ist.

Eine Person, die emotionale Manipulation nutzt, plant akribisch. Sie kennt die Schwächen ihrer Beute und weiß, wie sie jede Verteidigung umgehen und das bekommen kann, was sie will, z.B. dass sich ihr Gegenüber schuldig fühlt oder etwas für sie tut. Sie möchte, dass die andere Person ihr in allem zustimmt.

Emotionale Manipulatoren bekommen, was sie wollen, indem sie bestimmte Gefühle in der anderen Person erwecken, womit sie ihre eigenen Interessen voranbringen. Wie wir bereits erwähnt haben, wird das Vorgehen genau geplant. Wer emotional manipulieren will, wird keine Skrupel haben, alles Mögliche zu tun, um den Willen des Opfers so zu biegen, dass das eigene Bedürfnis gestillt wird.

Emotionale Manipulation entspringt häufig der kognitiven Dissonanz

Emotionale Erpresser nutzen, was Psychologen kognitive Dissonanz nennen. Kognitive Dissonanz beschreibt dabei einen inneren Konflikt, der sich ergibt, wenn wir zwei Gedanken fassen, die nicht miteinander harmonisieren. Oder wenn ein Gedanke nicht in unser Wertesystem passt.

Eine Puppe, die durch eine Hand manipuliert wird

Dieser innere Konflikt, die Anspannung, die an uns nagt, hat ein kurioses Ergebnis. Das Gehirn tut alles, was es kann, um diese kognitive Entfremdung zu verhindern, in die wir hineingeraten sind, ohne es zu merken. Dieses Gefühl der internen Unstimmigkeit stört uns so sehr, dass wir alles tun, was in unserer Macht steht, um es loszuwerden.

Wir müssen Kongruenz zwischen unseren Gedanken und Gefühlen, unseren Überzeugungen und Verhaltensweisen fühlen. Zwischen dem, was wir denken, und dem, wie wir handeln. Wenn wir uns an dieser Weggabelung stehen, müssen wir entscheiden, welchen Weg wir nehmen wollen. Und manchmal wählen wir den des Selbstbetrugs.

Emotionale Manipulation profitiert von kognitiver Dissonanz

Wir streben danach, die Zeit, die wir mit diesem Gefühl der Dissonanz verbringen müssen, so kurz wie möglich zu halten. Wir verhindern die Aufnahme von Informationen, die die Dissonanz nur steigern würden, und selektieren Reize nach unserer Erwartungshaltung. So werden wir allem, das uns noch mehr destabilisieren könnte, gegenüber taub:

Thomas möchte Maria verlassen, weil er gerade einer Frau begegnet ist, zu der er eine besondere Verbindung spürt. Maria, die nichts davon weiß, will ihn nicht verlassen, weil sie ihn liebt. Thomas ändert sein Verhalten nun derart, dass er Maria davon überzeugen kann, dass eine Trennung für sie die beste Option ist. Schließlich beendet sie die Beziehung. Später wird er ihr das Gefühl geben, dass sie die Einzige war, die für die Trennung verantwortlich war: „Nein nein, du warst diejenige, die mich verlassen hat. Ich habe nie etwas gesagt!“

Emotionale Manipulation - Puppenspieler im Kopf

Thomas befindet sich in einer unangenehmen Situation, weil das, was er sein will (treu), nicht mit dem, was er im Moment ist (untreu), übereinstimmt. Um dieses Problem zu lösen, entscheidet sich Thomas dazu, Maria emotional so zu manipulieren, dass sie glaubt, die Situation richten zu müssen, womit sie als alleine Schuldige aus ihr hervorgeht.

Maria hat wahrscheinlich keine Ahnung davon, was wirklich los war, denn nur wenige Opfer sind in der Lage, die Gründe für das Verhalten des Manipulators zu identifizieren. Vielleicht ist sich selbst Thomas nicht bewusst, was er da eigentlich tut. Um die Realität nicht akzeptieren, die Verantwortung nicht übernehmen zu müssen, bearbeitet er Maria so lange, bis er die Ergebnisse erhält, die er sich wünscht, ohne sich um ihr Leiden zu sorgen.

Seine Logik ist folgende: Wenn Maria diejenige ist, die ihn verlässt, muss er sich nicht dafür schuldig fühlen, dass er sie für eine andere verlassen wollte. Wenn Maria ihn verlässt, löst das seinen inneren Konflikt und er profitiert nur von der Situation.

Emotionale Manipulation entspringt aus einem kognitiven Chaos. Der Verstand wird alles tun, was er kann, um sich der kognitiven Dissonanz zu entledigen. Er wird einen Vollzieher finden, eine schuldige Partei, die den Manipulator wie ein Opfer aussehen lässt, oder ihn in eine Situation manövriert, die seine Gedanken und sein Verhalten rechtfertigten. Die andere Person wird immer die Schuldige sein. Letztendlich sind emotionale Manipulatoren in ihren Beziehungen immer die unglücklichen Opfer, und deshalb ist emotionale Manipulation von außen auch so schwer zu erkennen und nachzuweisen.

Auch interessant