Darum ist meine Großmutter keine Psychologin

06 Juni, 2020
Jeder denkt, er sei ein Psychologe, oder er habe einige psychologische Fähigkeiten aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung. Dieser Beruf geht jedoch weit über das Allgemeinwissen hinaus und ein Eingriff durch Pseudo-Psychologen ist äußerst schädlich.
 

Meine Großmutter ist fast neunzig Jahre alt und sitzt auf ihrem Lieblingsstuhl. Ihr Blick inspiriert den Frieden derer, die wissen, dass alles in Ordnung sein wird. Sie inspiriert die Familie auch, jede Zusammekunft zu genießen, sich an jedem gemeinsamen Essen zu erfreuen. Sie ist meine Großmutter und behauptet, auch eine Psychologin zu sein.

Die Wände des Hauses, auf die sie so stolz ist, haben keine hängenden Diplome. Stattdessen sind dort gerahmte Bilder ihrer Kinder und auch einige Gemälde ungewisser Herkunft zu finden. Ganz zu schweigen von einer Luftaufnahme der Stadt, in der sie aufgewachsen ist.

Während ihre Aufmerksamkeit auf dem Roman liegt, den sie liest, denke ich über den Begriff Psychologie nach. Ich frage mich, was ihre Gründe sind, zu denken, dass sie das Wissen aus diesem Bereich hat und anwenden kann. Ich stelle sie mir als junge Frau an der Universität vor und lächle. Meine Großmutter, die Psychologin.

Meine Großmutter, die Psychologin

Viele Menschen glauben, über Psychologie Bescheid zu wissen, ohne eine Universität besucht zu haben. Sie können gut zuhören oder denken dies zumindest. Darüber hinaus sind sie auch sehr hilfsbereit und großartig darin, Ratschläge zu geben. Sie können keine Depression behandeln. Aber sie können eine Person nach einem starken emotionalen Schock oder eine trauernde Person, ermutigen. Ja, sie sind in der Lage, eine Person zu beruhigen, die sich Sorgen macht.

Sie besitzen einen großen Schatz an Erfahrungen. Außerdem standen sie bereits vor einem Scheideweg und lösten diesen erfolgreich. Somit haben sie viele Tipps zur Hand, die mindestens einmal funktioniert haben. Darüber hinaus glauben sie, alles über Emotionen zu wissen, weil sie sie irgendwann erlebt haben.

 

Sie mussten schon oft mit ihnen verhandeln und haben dies auch erfolgreich getan. Aber irgendwie denken sie, sie können alles in einem Rezept zusammenfassen. Eine Lösung, die auf den Schlussfolgerungen basiert, die sie aufgrund ihrer Sammlung individueller Erfahrungen gezogen haben. Sie sehen andere und erkennen in deren Situationen ein vertrautes Gebiet.

Anders gesagt, geht es in unserem heutigen Artikel um Menschen, die vielleicht das Zeug dazu haben, ein guter Psychologe zu sein. Aber sie können das professionelle Puzzle, aufgrund der fehlenden Teile, nicht fertigstellen.

Dies ist ein wichtiges Konzept, da diese Art des Denkens nicht harmlos ist. Bei meiner Großmutter ist dies womöglich der Fall, da sie nicht versucht, davon zu profitieren. Aber bei anderen ist es definitiv schädlich.

Wenn du deinen Blick auf die Berufswelt richtest, wirst du dort bald die vielen verschiedenen Pseudo-Profis entdecken. Denn einige Menschen ohne Ausbildung verstecken sich dort wie auf einem Kostümball. Sie zeigen sich jedoch als eine gültige Alternative zu professionellen Psychologen. Diese Menschen sind Liebes- und Lebensberater. Ich könnte einen weiteren Artikel verfassen, nur um alle pseudo-psychologischen Formen zu benennen.

Die Ausbildung zum Berufsweg

Was fehlt also? Warum sind diese Menschen keine Psychologen? Es liegt daran, dass sie nicht über die erforderliche Ausbildung verfügen. Ihnen fehlen Studien, die nach der wissenschaftlichen Methode durchgeführt wurden.

 

Mit anderen Worten: Ein Psychologe sollte eine Art von Intervention vorschlagen, die den spezifischen Umständen eines Patienten am besten entspricht. Er muss seine Erfolgswahrscheinlichkeit maximieren und die Beziehung zwischen der Investition von Ressourcen und den Ergebnissen berücksichtigen.

Um dies zu tun, muss ein Therapeut über entsprechende Kenntnisse und Ressourcen verfügen und immer up-to-date sein. Die Forschung wäre daher nutzlos, wenn die Fachleute, die Interventionen projizieren und entwerfen müssen, nicht sensibel wären. Wenn sie nicht in der Lage wären, ihre Schlussfolgerungen in ihrer täglichen beruflichen Praxis zu erschließen.

Ja, die Erfahrung ist notwendig. Das heißt, ein Psychologe wird geboren, aber er wird auch gemacht. Es ist die Praxis, die die Intuition schärft und diese unbewusste klinische Praxis umreißt. Darin nimmt das Potenzial dessen, was ich erwähnt habe, Gestalt an: die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, zuzuhören, sich an die Stelle der anderen zu setzen usw.

Fazit zum Thema „Meine Großmutter, die Psychologin“

Zu sagen, dass jede Person ein Psychologe außerhalb dieses Rahmens sein kann, ist mit dem gleichzusetzen, zu denken, dass jemand ein bisschen wie ein Arzt ist, weil er einmal eine Erkältung hatte und sie geheilt hat. Die Psychologie geht, wie die Medizin auch, über einfache Probleme mit einer schnellen Lösung, die die Zeit selbst heilen kann, hinaus.

Daher ist meine liebe Großmutter keine Psychologin. Sie ist zwar erfahren und mit Weisheit ausgestattet, die mich an ihre vielen erfolgreichen Lösungen und Vorschläge erinnert. Allerdings fehlt ihr das Wissen darüber, was die Forschung über Störungen, wie beispielsweise allgemeinen Stress und Depressionen, zu sagen hat. Ein echter Psychologe ist sensibler gegenüber der Tatsache, dass ein Fachmann keine Intervention in Form von Beratung vorschlagen sollte.

 

Vera, Isabel (2001). El perfil del psicólogo en la intervención inmediata. Revista de Protección Civil. 8.