Coronavirus-Leugner: Menschen, die die Realität nicht akzeptieren

Die Realität der Corona-Pandemie zu verleugnen kostet Menschenleben. Noch immer gibt es Menschen (darunter auch Politiker), die noch nicht entsprechend handeln und dies hat seinen Preis. Doch warum leugnen manche noch immer diese offensichtliche Realität? Was versteckt sich hinter diesem verantwortungslosen Verhalten? 
 

Inmitten der weltweiten Corona-Krise können wir ein Phänomen beobachten, das unsere Aufmerksamkeit weckt. Wir sprechen von Menschen, die die Realität abstreiten: Coronavirus-Leugner verweigern sich, die Ausmaße der derzeitigen Situation zu sehen. Natürlich hat es diese Verhaltensweisen schon immer gegeben, doch in Notsituationen wie diesen wundern wir uns ganz besonders darüber.

Vor wenigen Wochen war Boris Johnson, der Premierminister von Großbritannien, noch für die Strategie der Herdenimmunität. So bezeichnet man den indirekten Schutz vor einer Infektion durch einen hohen Prozentsatz einer immunen Bevölkerung. Er wollte keine Bewegungseinschränkungen, um durch die Erkrankung eines Großteils der Bevölkerung die natürliche Immunität zu begünstigen. Doch dann wurde er sich darüber bewusst, dass diese Strategie eine halbe Million britische Opfer fordern hätte können.

Inzwischen wurde auch in Großbritannien die Ausgangssperre verhängt. Wir können andere auffällige Beispiele nennen. Andrés Manuel López Obrador, Präsident von Mexiko, forderte seine Bevölkerung auf, auswärts essen zu gehen, das normale Leben weiterzuführen und an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen, um die Wirtschaft in Schwung zu halten. Die Verantwortungslosigkeit dieser Politiker kann kurz- und langfristig verheerende Folgen haben.

Wir wissen, dass früher oder später auch sie restriktive Maßnahmen treffen werden oder dies bereits getan haben. Doch die Ausbreitung der Krankheit und die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem sind weitaus schlimmer, wenn diese Maßnahmen erst zu spät umgesetzt werden. 

 

Das Leugnen der Pandemie fordert Menschenleben, doch leider ist dieses Phänomen immer wieder zu beobachten.

Coronavirus-Leugner

Coronavirus-Leugner: Wie kommt es dazu?

Das Abstreiten der Pandemie ist nicht nur in politischen Kreisen zu beobachten. Besorgniserregend ist auch zu sehen, dass viele Personen die Bewegungseinschränkungen oder die Ausgangssperre nicht einhalten und sich zum Teil sogar herausfordernd verhalten.

Viele Menschen mussten bereits aufgrund von Verstößen gegen die Ausgangssperre gestraft werden, was fast grotesk anmutet.

Wir könnten sie einfach als unverantwortlich bezeichnen. Doch aus psychologischer Perspektive ist dieses Verhalten wegen verschiedener Tatsachen sehr interessant. 

Während ein Großteil der Bevölkerung Angst und Nervosität experimentiert, da wir uns einem noch relativ unbekannten Virus stellen müssen, messen andere dieser Tatsache keine Wichtigkeit bei. Trotz der dramatischen Bilder aus den Krankenhäusern, die wir jeden Tag sehen, und trotz der hohen Anzahl an Todesfällen, die täglich zunimmt, reagieren manche Menschen noch immer mit Gleichgültigkeit.

Wie können wir dieses Phänomen der Coronavirus-Leugner erklären? Wir sehen uns anschließend verschiedene Faktoren an.

Coronavirus-Leugner: Zuordnungsfehler und Theory of Mind (ToM)

Die Theory of Mind erklärt, dass ein Mensch fähig ist, sich in die Gedanken und Absichten anderer Personen hineinzuversetzen und diese auch in sich selbst zu erkennen. Es geht also darum, zu verstehen und vorauszusehen, was andere denken und wie sie unter bestimmten Umständen reagieren werden. Doch in diesem Rahmen gibt es eine Besonderheit: den Zuordnungsfehler.

 

Dazu kommt es, wenn wir denken, dass andere falsch oder übertrieben reagieren. Experten erklären dies damit, dass unser Gehirn manchmal Fehler begeht, wenn es den wichtigsten Instinkt des Menschen verwendet: den Überlebensinstinkt. Um dies besser zu verstehen, verwenden wir ein Beispiel:

Es ist so, als ob wir hundert rennende Gazellen sehen und dabei denken würden, dass dieses Verhalten übertrieben und absurd ist. Doch wir sind in diesem Augenblick nicht fähig, zu sehen, warum alle Gazellen rennen, nämlich weil sie von einem Feind verfolgt werden. 

Was ist wichtiger? Das individuelle Wohlergehen oder die Gemeinschaft, die Wirtschaft oder die Menschen?

Eine Erklärung für die Leugnung der Pandemie ist auch in dem Wunsch zu finden, die Normalsituation aufrechtzuerhalten. Hier müssen wir zwischen Individuum und Staat differenzieren.

Einerseits gibt es Menschen, die ihr eigenes Wohlbefinden priorisieren und nicht dazu bereit sind, ihren Lebensstil zu verändern. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass immer noch viele Menschen glauben, dass Covid-19 eine normale Grippe ist, die ihnen selbst nicht schaden wird. Sie minimalisieren die Gefahr, andere zu infizieren und damit ihr Leben aufs Spiel zu setzen, und auch ihr eigenes Risiko für ernste gesundheitliche Folgen.

 

Andererseits können wir verschiedene Politiker beobachten, die nicht dazu bereit sind, die Wirtschaft zu stoppen. Sie gehen davon aus, dass der Stillstand eines Landes für die Wirtschaft schlimmer als für die Menschen ist.

Coronavirus-Leugner

Coronavirus-Leugner: Die Auswirkung des Irrealen als Erklärung

Die Leugnung der Corona-Pandemie kann auch durch eine kuriose, doch sehr überzeugende Tatsache erklärt werden: Wir sprechen von der Auswirkung des irrealen Empfindens.

Wir können etwas nicht abstreiten: Jeden Tag, wenn wir aufstehen, erhellt die Sonne unseren Planeten, wir haben Internet, Essen im Kühlschrank und die von uns geliebten Menschen an unserer Seite. Warum also glauben, dass ein hoch ansteckendes Virus zahlreiche Menschen in den Tod reißt?

Das Wort Pandemie ist für viele ein Begriff aus einer anderen Epoche. Man ist fast überzeugt davon, dass in einer so fortschrittlichen Welt auch auf dieses Problem eine rasche Antwort gefunden werden kann. Der naive Glaube, dass es eine schnelle Lösung gibt, entspricht jedoch nicht der Wahrheit.

Zu diesen irrealen Gedanken kommt noch die Tatsache, dass ein Großteil der Bevölkerung daran gewohnt ist, die Welt durch das Fenster der sozialen Netzwerke zu sehen. Alles scheint deshalb so weit entfernt zu sein. Man kann nichts berühren, nichts riechen und nichts fühlen, es ist also ungefährlich. Es ist fast so, als ob wir einen Film auf Netflix sehen würden.

 

Verluste und Krankheit scheinen weit weg vom eigenen Haus zu sein, weit weg von unserem Alltag. Die Auswirkung des irrealen Empfindens macht es vielen Menschen unmöglich, den wirklichen Ernst der Lage abzuschätzen; und noch schlimmer: entsprechend verantwortlich zu handeln. Doch wir müssen uns darüber bewusst sein, dass jene, die noch nicht reagiert haben, bereits zu spät kommen.

Die Verleugnung der Corona-Pandemie kostet Menschenleben und bewirkt zweifellos, dass wir länger brauchen werden, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Wir dürfen dies nicht vergessen und sollten deshalb zu Hause bleiben!