Carl Rogers, Biografie eines Humanisten

Erfahre Interessantes über das Leben und die Beiträge von Carl Rogers zur Psychologie. Es handelt sich um einen der herausragendsten Psychotherapeuten des 20. Jahrhunderts.
Carl Rogers, Biografie eines Humanisten
Sergio De Dios González

Geprüft und freigegeben von dem Psychologen Sergio De Dios González.

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 03. Mai 2023

Carl Rogers (1902-1987) gilt als einer der herausragendsten Psychotherapeuten des 20. Jahrhunderts. Er steht in seiner Bedeutung Figuren wie Sigmund Freud in nichts nach. Obwohl er seine Gegner hat, wagen es nur wenige, den Einfluss seiner Arbeit auf die Geschichte der Psychologie infrage zu stellen.

Dieser Psychotherapeut entwickelte seine Arbeit zu einer Zeit, als es praktisch nur die Wahl zwischen Behaviorismus und Psychoanalyse gab. In der Praxis stellten viele Psychotherapeuten jedoch fest, dass die beiden Paradigmen nicht immer effektiv waren. Rogers öffnete die Tür für einen neuen Weg, der bis heute gültig ist.

Zusammen mit Abraham Maslow gilt Rogers als Begründer der humanistischen Psychologie, einem Ansatz, der auf Empathie und Respekt gegenüber den Personen basiert, die zur Therapie kommen. Sein Modell ist als “personenzentrierte Therapie” bekannt.

Ich fühle mich bewegt und erfüllt, wenn ich die Tatsache wahrnehme oder mir das Gefühl erlaube, dass sich jemand um mich sorgt, mich akzeptiert, mich bewundert oder mich lobt.”

Carl Rogers

Kindheit und Jugend von Carl Rogers

Carl Rogers kam am 8. Januar 1902 in Oak Park (Illinois, USA), einem Vorort von Chicago, zur Welt. Er war das vierte von sechs Kindern. Sein Vater war ein angesehener Bauingenieur und seine Mutter eine traditionelle Hausfrau. In seiner Familie herrschte eine starke religiöse Tendenz , die Rogers als “sehr streng und kompromisslos” beschrieb.

Er lernte sehr früh lesen und begann seine Grundschulausbildung in der zweiten Klasse. Als er 12 Jahre alt war, zog die Familie auf eine Farm, ca. 48 km von Chicago entfernt. Seine Eltern wollten ihn und seine Geschwister von den “Versuchungen des Vorstadtlebens” fernhalten.

Carl verbrachte dort seine gesamte Jugend und entdeckte zwei große Leidenschaften, die ihn das ganze Leben lang faszinierten: Schmetterlinge und Landwirtschaft. Es heißt, dass dies sein erster Zugang zur Wissenschaft war. Ansonsten war er ein eher eigenbrötlerischer junger Mann, ziemlich unabhängig und sehr diszipliniert.

Carlo Rogers liebte Schmetterlinge

Von der Landwirtschaft zur Psychologie

1919 begann er ein Studium der Agrarwissenschaften an der Universität von Wisconsin. Nach zwei Jahren begann er jedoch, Geschichte zu studieren. Schließlich absolvierte er eine theologische Ausbildung an einem Priesterseminar, da er sich zum Priester berufen fühlte. 1922 wurde er ausgewählt, um an einer internationalen Konferenz des Christlichen Studentenweltbundes in China teilzunehmen.

Die Veranstaltung dauerte sechs Monate – in dieser Zeit veränderte sich Rogers. Der Kontakt mit der östlichen Kultur brachte ihn dazu, verschiedene grundlegende Aspekte seiner Religion anzuzweifeln. Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten nahm er sein Geschichtsstudium wieder auf und machte seinen Abschluss.

Kurz darauf heiratete er Hellen Eliot, die er seit seiner Kindheit kannte. Er besuchte ein neues theologisches Seminar in New York und nahm später sein Studium der Psychopädagogik an der Columbia University auf. 1931 promovierte er in Psychologie und begann seine glänzende Karriere.

Carl Rogers liebte die Lektüre und die Landwirtschaft

Carl Rogers Beiträge zur Psychologie

Rogers wurde stark von den großen Denkern seiner Zeit beeinflusst. Er begann seine klinische Praxis in der Abteilung für Kinderstudien der Society for the Prevention of Cruelty to Children. Dort wurde er sich bewusst, dass die theoretischen Paradigmen nicht immer effektiv waren.

Nach 12 Jahren Arbeit mit jugendlichen Straftätern unterrichtete er mehrere Kurse an der Universität von Rochester. Im Jahr 1940 wurde er Professor an der Universität von Ohio. Zu diesem Zeitpunkt war ihm bereits bewusst, dass er ein neues Modell der psychotherapeutischen Betreuung entwickelt hatte. Dann erschienen seine ersten Veröffentlichungen, die Kritik, aber auch viel Interesse hervorriefen.

Dr. Rogers beschrieb drei Schlüssel für eine erfolgreiche Psychotherapie, die Kernvariablen der personenzentrierten Gesprächstherapie: Empathie (einfühlendes, nicht wertendes Verständnis), Akzeptanz (unbedingte Wertschätzung) sowie Kongruenz (Echtheit). Die Kongruenz ist ein komplexes Konzept, das voraussetzt, mit sich selbst, mit seinem eigenen Erleben übereinzustimmen. Dies bedeutet, dass jemand alles, was für ihn gut ist, in sein Selbstkonzept integrieren und positive sowie negative Erfahrungen unverzerrt wahrnehmen und annehmen kann.

Rogers stellte die Psychologie nicht nur mit seinem personenzentrierten Modell auf den Kopf. Er entwickelte auch eine Persönlichkeitstherapie, die von der Tendenz des Menschen ausgeht, sich konstruktiv in Richtung Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung zu bewegen. In diesem Rahmen entstand auch die nichtdirektive Gesprächsführung, mit der er den Klienten Sicherheit und Geborgenheit vermitteln wollte.

Sein herausragendstes Werk trägt den Titel Die klientzentrierte Gesprächspsychotherapie¹Carl Rogers erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wird heute als einer der wichtigsten Psychologen  gefeiert.

▶ Lese-Tipp

  1. Die klientzentrierte Gesprächspsychotherapie, Carl R. Rogers, Fischer 1983

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  • Brazier, D. (1997). Más allá de Carl Rogers (pp. 67-83). Desclée de Brouwer.
  • Villegas i Besora, M. (1986). Psicologia humanística. Universitat de Barcelona. Anuario de Psicología, (1)34, p. 7-45. https://diposit.ub.edu/dspace/handle/2445/96920

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