Bestimmtheit am Arbeitsplatz: Lernen, im Job nein zu sagen

· 5. August 2018

Am Arbeitsplatz nein sagen zu können ist eine wichtige soziale Fähigkeit, die Bestimmtheit erfordert. Selbstbestimmte Menschen haben ein gesundes Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen. Sie sind selbstsicher und wissen, wie sie anderen Grenzen setzen können. Im Gegensatz dazu kann es ein Zeichen von mangelndem Selbstbewusstsein sein, stets nur zu bejahen. Es kann auch auf das ungesunde Bedürfnis hindeuten, von allen gemocht zu werden.

Es hat langfristig positive Folgen, wenn wir lernen, am Arbeitsplatz nein zu sagen. Es kann natürlich bedeuten, dass du an manchen Projekten nicht beteiligt wirst oder dass deine Kollegen oder Vorgesetzten nicht immer zu 100 % zufrieden mit dir sind. Aber wenn du auch mal nein sagst, dann zeigst du, dass du die Umstände selbst beurteilen kannst. 

Menschen, die immer ja sagen, wollen meist von anderen angenommen und bestätigt werden. Sie brauchen das Lob ihrer Chefs und Kollegen, die umgekehrt meistens autoritär mit ihnen umgehen. Um solche Situationen zu vermeiden, haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, wie sich im Job „Nein“ sagen lässt.

Wie sich Bestimmtheit am Arbeitsplatz erlernen lässt

Wir leben in ständiger Angst vor Arbeitslosigkeit. Der Markt ist ergebnisorientiert und auf Produktivität ausgerichtet. Deshalb kann jemand, der Projekte ablehnt und nicht mitmacht, Schwierigkeiten bekommen.

Jedoch trägt die Angst davor, etwas abzulehnen, nur dazu bei, dass deine Vorgesetzten und Kollegen dich eher ausnutzen werden. Sie werden diesen wunden Punkt erkennen und dir Pflichten übertragen, die eigentlich nicht in deinem Aufgabenbereich liegen. Außerdem führt die Unfähigkeit, nein zu sagen, tendenziell dazu, dass du zu Arbeiten herangezogen wirst, an denen du gar kein Interesse hast. Vielleicht verfolgt gar niemand böse Absichten, aber im schlimmsten Fall wirst du zu Arbeiten gezwungen, für die du gar nicht verantwortlich bist. 

Eine Frau befindet sich in einem Meeting mit Männern.

Befolge diese Tipps, wenn du deine Bestimmtheit am Arbeitsplatz verbessern möchtest:

1. Erkenne das Problem

Es gibt mehrere Gründe, warum du am Arbeitsplatz vielleicht nur schwer nein sagen kannst: Vielleicht liegt es einfach an schlechter Kommunikation. Oder das Arbeitsumfeld ist zu chaotisch. Es gibt Chefs, die nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen unterscheiden können. All das schafft ein stressiges Arbeitsumfeld.

2. Ordne deine Gedanken

Wenn du am Arbeitsplatz nein sagen willst, musst du deinen Standpunkt klar und knapp zum Ausdruck bringen. Dafür brauchst du wiederum ein klares Verständnis deiner eigenen Meinung und deiner Gründe. Das klingt jetzt vielleicht offensichtlich, aber sehr viele von uns machen diesen Fehler und sprechen, bevor sie für sich geklärt haben, was sie erreichen wollen.

3. Kenne deinen Arbeitsplatz

Es ist außerdem wichtig, die interne Organisation des Unternehmens zu kennen, in dem du tätig bist. Denn wenn du Probleme mit einer Kollegin hast oder du zu viel Zeit in ein Projekt investieren musst, dann solltest du innehalten und Abstand gewinnen. Danach kannst du mit Bestimmtheit vernünftige Grenzen setzen.

Es ist außerdem wichtig, deine Leistungen am Arbeitsplatz im Auge zu behalten. Dadurch bringst du dich in eine bessere Position, angemessen zu reagieren, wenn es Beschwerden hagelt.

Eine Frau sitzt am Schreibtisch und denkt nach.

4. Sprich mit Bedacht

Zu lange Erklärungen oder Rechtfertigungen können wie Unterordnung wirken. Besonders, wenn du es mit einem autoritären Chef zu tun hast. Stattdessen solltest du deine Beweggründe genau kennen, wenn du etwas ablehnst. Überlege dir, welche Umstände deine Haltung rechtfertigen und sprich diese klar und bestimmt aus. Dadurch verringerst du auch die Möglichkeit, dass andere mit Unverständnis reagieren.

5. Denke an deine eigenen Interessen

Letztlich ist es eine Tatsache, dass Angestellte die Interessen ihrer Chefs oder des Unternehmens allzu oft über ihre eigenen stellen. Vergiss nie, dass du immer noch ein Individuum mit einzigartigen Bedürfnissen bist. Es ist egal, was dein Job ist oder in welcher Art von Arbeitsumfeld du dich bewegst.

Es ist wichtig, dass du dein eigenes Wohlergehen nicht immer hintanstellst. Natürlich verlangt jeder Job ein gewisses Maß an Opfern für das Wohl und den Erfolg des Teams, aber du solltest in der Lage sein, ein Gleichgewicht zwischen dem Geben und Nehmen herzustellen. Versuche, einen Mittelweg zu finden, der deinen Bedürfnissen entspricht und gleichzeitig den Anforderungen des Arbeitgebers entgegenkommt.

Wenn du dich nicht traust, Bestimmtheit am Arbeitsplatz zu zeigen, kann das Kollegen oder Vorgesetzte dazu verleiten, dich auszunutzen und mehr von dir zu verlangen, als sie sollten. 

Wenn du an deinem Arbeitsplatz bestimmt auftrittst, ist es wahrscheinlicher, dass deine Kollegen, Vorgesetzten und Untergebenen deine Rechte auch respektieren. Es ist besser, einen Vorgesetzten hin und wieder zu enttäuschen, als Aufgaben zu erledigen, die deine nicht sind und deshalb in ein Burn-out zu schlittern. Auf lange Sicht wird diese Einstellung positive Auswirkungen für dich und deinen Arbeitgeber haben.