Berlin und Terrorismus

· 24. Juni 2018

Es ist schwer, in die Fußstapfen derjenigen zu treten, die unter den jüngsten Terroranschlägen in Berlin gelitten haben. Unabhängig davon, ob das direkt oder indirekt geschah. Aber es ist noch schwieriger, dass Leben der Menschen zu verstehen, die ständig Angst vor dem Terrorismus haben. Ob es an der Entfernung liegt oder daran, wie wenig wir über sie wissen: Die Wahrheit ist, dass Abertausende von Menschen im Irak und in Syrien täglich in dieser Situation leben. Sie leben ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Es ist absurd, eine ganze Religion für die Taten einer kleinen Minderheit verantwortlich zu machen. Doch in den Kommentaren vieler, die sich durch die sozialen Netzwerke bewegen, wird diese Absurdität Wirklichkeit.

Die Hasstiraden multiplizieren sich jedes Mal, wenn ein Terroranschlag stattfindet. Um jedoch zu begreifen, was in Berlin geschehen ist, müssen wir verstehen, was Terrorismus ist und was ihn nährt. So wie wirkungsvolle Botschaften in diesen Fällen notwendig und nützlich sind, ist es auch wichtig, gut informiert zu sein. Außerdem sollten wir keinen Hass auf diejenigen empfinden, die nichts mit dem zu tun haben, was passiert ist.

Der Terrorismus ist eine große Bedrohung, die Verbündete und keine Feinde erfordert, um besiegt zu werden.

Was ist Terrorismus?

Das erste Problem, auf das wir stoßen, ist die Definition des Begriffs Terrorismus selbst. Derzeit verwendet jedes Land und jede Organisation eine eigene Definition von „Terrorismus“. Diese Definitionen haben zwar viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber auch in entscheidenden Punkten. Man könnte sagen, dass die Definition des Terrorismus eine politische Angelegenheit sei, weil sie die Interessen desjenigen verteidigt, der sie angibt.

Eines der Ziele der Politik sollte deshalb die Vereinheitlichung der Definition von „Terrorismus“ sein. Eine internationale Konzeptualisierung ist notwendig, die sowohl von den Sicherheitskräften als auch von denjenigen, die das Gesetz anwenden und auf der Straße durchsetzen, genutzt werden kann.

Eine Blume wächst durch Zement

Basierend auf diesen Richtlinien greifen wir auf die Definition von Boaz-Ganor zurück, dem ehemaligen Chef des israelischen Mossad. Darin heißt es: „Terrorismus ist eine Form des gewaltsamen Kampfes, in dem Gewalt gegen Zivilisten gezielt eingesetzt wird, um politische Ziele zu erreichen (nationalistisch, sozioökonomisch, ideologisch, religiös, etc.).“ Nach dieser Definition wäre jeder Angriff auf die Zivilbevölkerung, der mit politischen Zielen verbunden ist, Terrorismus. Jeder Angriff, bei dem die Opfer Angehörige der Sicherheitskräfte sind, sollte dagegen nicht als Terrorismus, sondern als Guerillakrieg betrachtet werden.

Die Interessen des Terrorismus

Wenn es um die Interessen des Terrorismus geht, sollten wir zwischen zwei Motiven unterscheiden. Auf der einen Seite stehen die individuellen Motive eines jeden Menschen oder Terroristen. Auf der anderen Seite stehen die Interessen der terroristischen Vereinigung.

Das Ziel der Terrororganisation ist es, Angst zu säen, die uns Bürger dazu bringt, uns unsicher zu fühlen. Ein Angriff wie in Berlin, London oder Paris kann völlig willkürlich und unausweichlich passieren. Das vermittelt die Idee, dass niemand nirgends sicher sein könne. Daher ist es natürlich, dass Menschen, die von den Angriffen betroffen waren, Angst haben. Aber diese Angst kann zu einer chronischen Angelegenheit, ja sogar irrational werden.

Eine der unmittelbaren Folgen ist, dass die Bevölkerung eine Einschränkung ihrer Rechte und Freiheiten akzeptiert. Eine weitere wahrscheinliche Folge eines Anschlags ist, dass sich unsere Aufmerksamkeit auf eine ganz bestimmte  Eigenschaft der Verantwortlichen konzentriert, wie die Religion der Terroristen. Die Ablehnung gegenüber denen, die Leben genommen haben, erstreckt sich dann aber auch auf diejenigen, die diese Eigenschaft ebenfalls aufweisen, obwohl es sich dabei um eine unzulässige Verallgemeinerung handelt.

Die Folge ist, dass die Menschen ihre Regierungen unter Druck setzen, strengere Maßnahmen zu ergreifen, die die Freiheiten insbesondere dieser Menschen zugunsten unseres Sicherheitsgefühls einschränken.

Eine terroristische Organisation wird versuchen, ihre Handlungen als edle Verteidigung derjenigen zu legitimieren, die ihren Behauptungen nach diskriminiert, unterdrückt und ausgegrenzt würden. Der Unterschied zwischen „uns“ und „ihnen“ wird dabei immer größer. Hassreden zielen darauf ab, die Gesellschaft zu polarisieren – und sie unterstützen damit die Arbeit derjenigen, die neue Terroristen rekrutieren.

Die Interessen der Terroristen

Andererseits können die persönlichen Interessen variieren. Jede Person hat andere Prioritäten. Wenn man bedenkt, dass der dschihadistische Terrorismus aus einer Perversion des Islam hervorgegangen ist, sind die Interessen mit den Überzeugungen dieser Religion verbunden. Das bedeutet nicht, dass alle Terroristen Muslime wären, aber ihre Beweggründe sind in irgendeiner Weise in jener Religion verankert.

Einige der individuellen „Vorteile“ für Terroristen sind: der Gewinn des Eintritts in den Himmel, wo unzählige Jungfrauen auf sie warten; das Recht, geliebte Menschen direkt in den Himmel zu wählen, unabhängig von ihren Handlungen im Leben; Prestige für ihre Familienmitglieder durch die Idealisierung eines verstorbenen Terroristen, der mit seinem Tod zum Märtyrer wird.

Konsequenz des Terrorismus - Menschen, die nach einem Anschlag den Opfern gedenken

Doch wie gesagt, nicht alle ihre Interessen sind religiös. Die Familien der Terroristen erhalten in der Regel große Summen, die sie sonst nie bekommen würden. Die Terroristen, die an den Anschlägen beteiligt waren und nicht festgenommen wurden, erhalten ebenfalls eine gewisse Anerkennung und sogar eine größere Verantwortung innerhalb der Organisation. Ein weiteres gemeinsames Interesse ist das Streben nach Rache gegen diejenigen, die sie für ihre unglückliche Situation verantwortlich machen.

 

Eine Mischung aus diesen und einigen anderen Interessen wird die individuelle Motivation der Terroristen bestimmen, die, wie wir sehen können, nicht unbedingt mit den Interessen der gesamten Organisation übereinstimmen müssen.

Empfehlungen im Falle eines Angriffs

Für Laien ist es wichtig, zu wissen, welche Richtlinien bei einem Anschlag zu befolgen sind. Zu wissen, wie man im Falle eines Terroranschlags reagiert, auch wenn er nicht innerhalb unserer Grenzen stattfindet, ist das Erste, was wir lernen sollten.

Dabei ist es essenziell, auf die Experten, die Sicherheitskräfte, zu hören. Ihre Anweisungen sind die ersten, denen man folgen sollte, wenn man direkt involviert ist. Und wenn nicht? Dann können wir in unserem Umfeld und auch in den sozialen Netzwerken dafür sorgen, dass der Abgrund zwischen „uns“ und „ihnen“, wie wir ihn oben beschrieben haben, nicht noch tiefer wird. Wie wir gesehen haben, ist es das Ziel von Terroristen, Hass zu säen, ganze Gemeinschaften zu kriminalisieren und rassistische und intolerante Politik zu fördern. Wenn wir das unterstützen, tun wir nichts anderes, als uns für die Terroristen einzusetzen. Egal in welche Richtung wir Rassismus und Intoleranz betreiben.

In gleicher Weise ist die Verteilung von morbiden Bildern eine unangebrachte Praxis. Diese Bilder können nicht nur irrationale Angst erzeugen, sondern auch die Sensibilität der Betroffenen verletzen. Im Gegenteil, der Austausch von Informationen und Bildern, die Einigkeit und Verständnis mit den Betroffenen zeigen, sowohl direkt als auch indirekt, wäre eine große Hilfe. Es empfiehlt sich auch, unangemessene Praktiken abzulehnen, indem man sie anprangert und meldet.

Rechtfertigen wir, wenn wir vergeben? - Frau weint in den Armen einer anderen Person

Jetzt sind wir alle Berlin. Morgen sind wir Syrer, und übermorgen sind wir Afghanen. Es spielt keine Rolle, welche Nationalität, Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit oder Religion wir haben. Wir sollten uns alle gemeinsam gegen den Terrorismus stellen. So und nur so werden wir Verbündete gewinnen und Feinde verlieren.