Aufgepasst, Lehrer! Es geht nicht nur um den Lehrplan!

· 5. August 2018

Sicherlich hatten wir alle Lehrer, die es geschafft haben, sich mit uns Schülern zu streiten. Dieses Verhalten offenbart eine Einstellung, die viel zu wünschen übrig und eine Reife vermuten lässt, die eher der derjenigen gleicht, die sie unterrichten sollen. Auf der anderen Seite gibt solche Lehrer, die das Klassenzimmer betreten und einfach aus einem Buch lesen, ohne etwas zu erklären. Wieder andere scheinen es immer eilig zu haben, weil sie sagen, dass es keine Zeit gäbe, Zusammenhänge wiederholt zu erklären.

Die Dynamik ist stets die gleiche. Manche verstehen sich besser mit den Schülern, andere schlechter. Aber das einzige Ziel vieler Lehrer scheint es zu sein, dem Lehrplan zu folgen, den Noten eine übertriebene Bedeutung beizumessen und reichlich Hausaufgaben aufzugeben, in der Hoffnung, dass die Schüler zu Hause lernen, was sie in der Schule nicht begriffen haben. Fehlt da nicht etwas?

Wenn du es mir sagst, vergesse ich es, wenn du es mir zeigst, werde ich es mir merken, und wenn du mich etwas tun lässt, werde ich es lernen.

Der Lehrplan ist nicht das Nonplusultra

Der einzige Wunsch vieler Lehrer ist es, den Lehrplan zu unterrichten und abzuhaken, was es zu lehren gilt. Alles, was sie damit erreichen, ist, die Kreativität der Jugendlichen zu zerstören. Weit davon entfernt, zu begreifen, versuchen die Schüler, sich so viele Informationen wie möglich zu merken. Und was normalerweise passiert, ist, dass sie im nächsten Monat oder in der nächsten Woche schon wieder alles vergessen haben.

Das wiederum ist etwas, worüber sich auch Lehrer beschweren. Allerdings machen sich nur wenige von ihnen die Mühe, zu analysieren, ob ihre Art, zu unterrichten, die bestgeeignete ist. Sie legen zu viel Wert auf Noten und sprechen ihren Schülern, besonders den Teenagern, wenig Einfühlungsvermögen zu. Über die Bedeutung des positiven Einflusses, den der Lehrer auf die Gesamtentwicklung seiner Schüler haben sollte, wird kaum nachgedacht.

Mädchen wird gemobbt

Es scheint, dass einige Lehrer den menschlichsten Teil ihrer Arbeit vergessen. Dies gilt insbesondere, wenn dann Berichte über Mobbing oder Missbrauch auftauchen, von denen sie auf wunderliche Weise niemals etwas mitbekommen haben. Das ist kein Wunder bei der Gleichgültigkeit, die zuweilen an den Tag gelegt wird.

Der beste Lehrer aller Zeiten

Aber auch wenn viele Lehrer den Schülern weder Leidenschaft noch Inspiration vermitteln, gibt es zum Glück auch andere, die genau das tun. So mögen sie beschrieben werden:

„Der beste Lehrer meines Lebens war mein Deutschlehrer in der Oberstufe. Er brachte mich zum Lesen und Lernen. In einer beinahe erstickenden Umgebung mit wenig Zeit für kreativen Unterricht, wie es eben immer noch an vielen Schulen aussieht, an denen Menschen tätig sind, die Lehrer sein wollen, es aber nicht sind … Dieser Lehrer konnte mich auf erstaunlich natürliche Weise motivieren, und dazu bedurfte es weder schlechter Noten noch Drohungen. Er inspirierte durch seine Präsenz.“

Ein Schüler kann Mathe zunächst lieben und später hassen, je nachdem, welchen Lehrer er hat. Ein anderer kann nie seine Leidenschaft für Literatur entdecken und sein Schicksal, Schriftsteller zu werden, weil ihm im Deutschunterricht so viel Negativität entgegenweht. Es ist klar, dass Lehrer das Selbstwertgefühl ihrer Schüler beeinflussen – vor- oder nachteilig.

So wie das Anbringen konstruktiver oder destruktiver Kritik das Verhalten der Kinder zu Hause beeinflusst, so geschieht dies auch im Klassenzimmer. Wenn ein Lehrer nicht an seine Schüler glaubt, wenn er sie nicht motivieren kann, dann muss ihm klar sein, dass sich die Situation wohl nicht verbessern wird. Es hat keinen Sinn, sich zu beschweren. Der Lehrer hat eine Kraft, die er in solchen Fällen entweder nicht nutzen will oder von der er gar nichts weiß.

Lehrer erklärt Schülern eine Aufgabe

Viele Lehrer sehen nur rebellische Kinder, einige besser als andere, aber die überwiegende Mehrheit freche Gören und Raufbolde. Diese Vision stimmt nur teilweise mit der Realität überein. Ja, gerade Teenager befinden sich auf einer anstrengenden Suche nach ihrem Platz in der Welt. Tatsächlich verhalten sich die meisten von ihnen aber unsicher, weil es ihnen an Selbstwertgefühl mangelt. „Der beste Lehrer aller Zeiten“ wäre in der Lage, dieses Selbstwertgefühl zu stärken und es seinen Schülern damit zu ermöglichen, ihre eigens definierten Grenzen zu überschreiten.

„Der mittelmäßige Lehrer redet. Der gute Lehrer erklärt. Ein exzellenter Lehrer demonstriert. Der wirklich große Lehrer inspiriert.“

William A. Ward

Motivierte Schüler

In diesem Artikel haben wir uns auf die Lehrer als wichtige Faktoren im Bildungsbereich konzentriert. Uns ist bewusst, dass auch strukturelle Defizite dazu beitragen, dass so mancher Lehrbeauftragte seine Motivation verliert bzw. nicht umsetzen kann, was er sich für seine Klasse überlegt hat. Das sollte ihn jedoch nicht davon abhalten, an sich selbst zu arbeiten – und vielleicht gemeinsam mit seinen Kollegen Veränderungen einzuleiten.

Wir brauchen große Veränderungen im Klassenzimmer. Es gibt bereits einige Schulen, die die Montessori-Methode anwenden oder andere, die auf individuelle Schreibtische verzichtet und auf emotionale, soziale und philosophische Bildung setzt. Die meisten Schulen werden jedoch noch immer nach dem traditionellen Modell geführt. Ein Modell, das nicht für jeden funktioniert. Denn obwohl der Lehrplan wichtig ist, ist er sicher nicht alles.