Abweisungsempfindliche Dysphorie: Was ist das?

Niemand hat es gern, sich abgelehnt zu fühlen. Aber nicht alle Menschen finden aus dieser Situation einen Ausweg. Erfahre heute mehr zu diesem Thema.
Abweisungsempfindliche Dysphorie: Was ist das?

Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2021

Als abweisungsempfindliche Dysphorie bezeichnen Experten eine extrem starke Reaktion auf die reale oder irreale Wahrnehmung von Ablehnung. Die betroffene Person fühlt sich überfordert, wenn sie beurteilt, ausgegrenzt oder kritisiert wird.

Sie kann sich angesichts des Urteils anderer wie ein Versager fühlen, das Gefühl haben, dass alle gegen sie sind, oder einen Wirbelsturm unverhältnismäßiger Emotionen erleben. Das Gefühl ist so intensiv, dass die Person in dem Ereignis feststeckt und nicht in der Lage ist, mit den restlichen Aufgaben normal weiterzumachen. Das Grübeln nimmt überhand und es ist extrem schwierig, die negativen Gedanken loszulassen.

Die ablehnungsempfindliche Dysphorie ist keine Störung, die im Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM-5) aufgeführt ist, aber sie ist deshalb nicht weniger real. Experten betrachten dieses Phänomen als eine Störung, die aus einer Reihe von Symptomen besteht, die oft mit anderen Krankheiten verbunden sind, wie wir weiter unten sehen werden.

Im Allgemeinen gehen Wissenschaftler davon aus, dass es keinen einzelnen Grund gibt, sondern eher eine Kombination von Faktoren, die zu dieser Reaktion führen. Wir analysieren die Eigenschaften nachfolgend etwas genauer.

Warum ist es so schwierig, Ablehnung zu verkraften?

Es ist normal, dass wir unangenehme Gefühle wie Traurigkeit oder Wut empfinden, wenn wir uns zurückgewiesen fühlen. Dies ist Teil der menschlichen Natur und trägt zu unserer Anpassungsfähigkeit bei.

Wenn wir Tausende von Jahren zurückreisen, als unsere Vorfahren in Nomadenstämmen lebten und sich dem Jagen und Sammeln widmeten, war das Leben in Gruppen grundlegend für das Überleben. Dies führte zur Entwicklung verschiedener Strategien, um Einzelpersonen in der Gruppe zu halten. Das stammeskonforme Verhalten reduzierte die Gefahren, wer sich nicht daran hielt, wurde allerdings von der Gruppe ausgestoßen.

Heute ist das ganz anders, und unser Überleben hängt nicht von der Zugehörigkeit zu einem Stamm ab. Wir sind jedoch immer noch soziale Wesen und können daher emotionalen Schmerz empfinden, wenn unser Verhalten von anderen nicht gebilligt oder gutgeheißen wird.

Abweisungsempfindliche Dysphorie: Was ist das?

Wie sich abweisungsempfindliche Dysphorie äußert

Jede Person, die Ablehnung erfährt, reagiert darauf unterschiedlich. Zu den häufigsten Verhaltensweisen zählen in diesem Zusammenhang folgende:

  • zustimmungsbedürftiges Verhalten
  • hohe Selbstansprüche
  • extreme Schamgefühle
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Wut
  • Gereiztheit
  • Aggressivität
  • Angst
  • Angst vor Ablehnung
  • Traurigkeit
  • Verzweiflung
  • Kontrolle gefürchteter Situationen
  • Vermeiden von sozialen Kontakten
  • Somatische Erscheinungen wie Verdauungsbeschwerden oder Kopfschmerzen

Diese Symptome können zum Zeitpunkt der Interaktion oder auch erst danach auftreten. Außerdem müssen sie nicht alle gleichzeitig auftreten, da dies von der Person und der Situation abhängt.

Wer ist besonders gefährdet?

Es gibt verschiedene Profile, die anfällig für ablehnungsempfindliche Dysphorie sind. Dazu gehören unter anderem Menschen, die in jungen Jahren starke Ablehnung erfahren haben, vorwiegend von ihren Eltern. Eine andere Gruppe sind Menschen mit sozialen Ängsten, da sie dazu neigen, sich schlecht zu fühlen, wenn sie das Gefühl haben, bewertet zu werden.

Auch überempfindliche Menschen sind gefährdeter. Personen, die schwierige Zeiten erleben, fühlen sich emotional verletzlich und können oft nur schwer mit Ablehnung umgehen. Diese Überempfindlichkeit kann das Leben einer Person stark einschränken, vor allem, wenn sie nicht lernt, ihre Emotionen richtig zu steuern.

Ferner steht die abweisungsempfindliche Dysphorie auch im Zusammenhang mit der Autismus-Spektrum-Störung, weil sie Betroffene oft sehr emotional sind. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie abgelehnt oder kritisiert werden, können sie sich daher viel mehr aufregen als die meisten anderen.

Des Weiteren sind auch Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gefährdeter. Der Grund dafür ist die Schwierigkeit, exekutive Fähigkeiten wie Selbstkontrolle oder kognitive Flexibilität angemessen zu steuern. In gewisser Weise fällt es Menschen mit ADHS schwerer, zu relativieren, sich zu distanzieren und eine flexible Denkweise zu zeigen.

Abweisungsempfindliche Dysphorie: Was ist das?

Abweisungsempfindliche Dysphorie: Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt keine spezifische Behandlung für die abweisungsempfindliche Dysphorie. Verschiedene Werkzeuge können jedoch helfen, die Gefühle weniger intensiv zu erleben. Einige davon sind folgende:

  • Kognitive Umstrukturierung. Im Rahmen einer Therapie lernst du dabei, deine Gedanken bewusster zu gestalten, irrationale Denkmuster zu erkennen und zu ersetzen.
  • Relativieren. Wenn du alles ins rechte Licht rückst, wirst du die Ablehnung weniger intensiv erleben. Versuche diese Situationen zu relativieren.
  • Die Resilienz stärken. Du kannst Resilienz praktizieren, anstatt dich selbst zum Opfer zu machen.
  • Geschichten der Überwindung. Wenn du weißt, dass auch andere Menschen ähnliche Situationen meistern konnten, wird dich das motivieren, dies auch selbst zu erreichen.
  • Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten. Wenn du deine Emotionen besser ausdrücken kannst, gibt dir das Sicherheit und nimmt dir die Angst. Du wirst so dein Verhalten besser regulieren können.
  • Das Selbstwertgefühl stärken. Selbstvertrauen hilft dir, weniger auf die Meinung anderer zu hören und dich selbst besser zu behaupten.
  • Gesunder Lebensstil. Genügend Schlaf, richtige Ernährung und regelmäßiger Sport helfen dir, dich besser zu fühlen und deine Emotionen besser zu steuern.
  • Weniger Stress. Stress und Hektik können die ablehnungsempfindliche Dysphorie verschlimmern, daher empfehlen sich entspannende Aktivitäten wie Meditation oder Achtsamkeit.

Es ist ganz normal, sich bei Kritik oder Ablehnung zu ärgern, schließlich bevorzugen wir alle Lob und schöne Worte. Doch in der Regel vergehen die negativen Emotionen wieder nach kurzer Zeit. Wenn sie tagelang anhalten oder sehr stark ausgeprägt sind, solltest du dich von einem Therapeuten beraten lassen. Auch wenn es keine spezifische Behandlung gibt, um die abweisungsempfindliche Dysphorie zu behandeln, so gibt es doch verschiedene Strategien, die dir helfen werden.

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