8 psychologische Denkweisen – Kannst du dich in einigen wiederfinden?

25. April 2016 en Psychologie 4 Geteilt

Wieso traut sich jemand nicht, im gleichen Spiel auf Schwarz zu setzen, anstatt immer nur auf Rot? Warum stürzen wir uns manchmal in berufliche und persönliche Projekte, obwohl wir doch wissen, dass diese unmöglich in die Tat umzusetzen sind? Und wie kann es sein, dass unser Horoskop tatsächlich auf uns zutrifft?

Unser Gehirn lässt Reize, Erfahrungen, Gefühle und Gedanken entstehen und empfängt sie, woraus später psychologische Denkweisen werden.

Im Laufe der Zeit sammelt unser Gehirn immer mehr Informationen darüber, wie unser Alltag abläuft. Und im Allgemeinen gehen wir davon aus, dass es dazu in der Lage ist, uns an unserem Arbeitsplatz, innerhalb der Familie, im Freundeskreis und in unserer Freizeit zu unterstützen und zu leiten.

„Für unser Gehirn ist es besser, wenn man uns eine angepasste und keine wahre Geschichte erzählt.“

Eduardo Punset

Mentales Puzzle

Dennoch weist diese perfekte Denkmaschine, die unser Gehirn für gewöhnlich ist, Mängel auf und auch sie begeht Fehler. Manchmal weil wir zu sehr und andere Male weil wir zu wenig auf es vertrauen.

Im Gegensatz zu uns bewussten Irrtümern, wie im Bezug auf die menschliche Wahrnehmung (das Verwechseln und falsch Einschätzen von Farben, Entfernungen, Geschwindigkeiten oder Tiefen), gibt es da auch andere, derer wir uns nicht bewusst sind und die wir weder sehen noch fühlen können.

Wer sind die Schuldigen? Das kognitive und heuristische Vorgehen unseres Gehirns

Manche Denkweisen sind nichts weiter als Vorurteile. Eine Fehlinterpretation der Realität, die für uns logisch erscheint, weil wir einen Teil der Informationen behalten oder einen anderen Teil missachten wollen.

Heuristische Gedankengänge (oder „mentale Abkürzungen“) sind notwendig, um sich zu irren. Wenn das der Wahrheit entspricht, inwiefern haben wir dann einen Nutzen davon?

Die Grundidee dahinter, ist, dass wir nicht darauf vorbereitet sind, all die Informationen aufzunehmen, an die wir durch unsere fünf Sinne gelangen.

Wir verarbeiten, ordnen, analysieren und integrieren die Informationen in unseren Schemata, um später eine Antwort zu geben. Das ist ein langsamer und auch anstrengender Prozess, der unsere mentalen Ressourcen erschöpfen lässt.

„Ein komplexer Gedanke erfordert Anstrengungen, und wenn es dann darum geht, sich zwischen zwei Wegen zu entscheiden, entscheidet sich unser Gehirn normalerweise für den einfacheren. Die mentale Anstrengung bedeutet einen Aufwand, und das Gehirn neigt dazu, diesen Aufwand so gering wie möglich zu halten.“

Daniel Kahneman

Mann steht vor Labyrinth

Unser Verstand benutzt diese „Abkürzungen“, um sich von Arbeit zu befreien. Das ist eine der Strategien, die wir verwenden, so real wie die logische Überlegung oder der bloße Versuch – das Resultat: das Gehirn macht einen Fehler.

Einige der bekannten und unbekannten psychologischen Denkweisen

In der Welt der Psychologie wurden verschiedene Experimente gemacht, um herauszufinden, ob diese Denkweisen tatsächlich existieren.

In den letzten Jahren wurden einige frühere Forschungen erneut durchgeführt, deren Ergebnisse ihre Existenz tatsächlich bewiesen haben.

  • Bestätigungs-Neigung: Wir wählen und verarbeiten die Information, die unsere Grundeinstellung, Vorstellungen und Vorurteile bestätigt, und machen uns dabei so gut wie keine Gedanken darüber, ob das wirklich zutrifft. Diese Denkweise begegnet uns hauptsächlich bei emotionalen Fragen und um unsere Grundeinstellung noch zu bestärken.
  • Bestätigungsfehler: Hin und wieder treffen wir Entscheidungen, die schwierig zu erklären sind. Diese „Falle“, die uns unser Gehirn stellt, hilft uns dabei, uns nicht selbst zu belasten oder uns selbst die Schuld für etwas zu geben, von dem wir bereits ahnen, dass es falsch war. Wir können immer Gründe finden, um uns zu rechtfertigen, so fragwürdig sie auch sein mögen.
  • Retrospektion: Wie oft haben wir uns schon gedacht: Das hätte ich doch besser wissen müssen? Das passiert, wenn in der Vergangenheit etwas geschehen ist, wir auf dieses Ereignis zurückblicken und all die Zeichen erkennen, die uns hätten sagen müssen, dass es passieren wird. Es erscheint uns allerdings ungerecht, die Vergangenheit zu betrachten und den Vorteil zu haben, und erst dann zu wissen, wie die Geschichte ausgehen wird.
  • Umgekehrte Resilienz: Das trifft zu, wenn wir es ablehnen, uns von etwas zu verabschieden, in das wird Zeit, Geld, Anstrengungen und Hoffnungen gesteckt haben, auch wenn wir ganz genau wissen, dass das Projekt nicht zu realisieren ist.
  • Irrglaube des Spielers: Hierbei sind wir davon überzeugt, dass die Chance auf einen Sieg zunimmt, wenn wir bei Glücksspielen vermehrt auf eine Farbe oder Zahl setzen. Doch in Wahrheit sagt uns das Wahrscheinlichkeitsprinzip, das genau dieselbe Wahrscheinlichkeit wie bei den fünf zuvor gespielten Malen besteht.
  • Gegenseitigkeitsnorm: Wir haben bessere Meinungen über die Verhaltensweisen von Mitgliedern unserer sozialen Gruppen als über die der Mitglieder anderer Gruppen.
  • Eingebildete Übertragung: Man weiß, dass die Vorstellung von einem Kontakt oder einer Beziehung mit Mitgliedern anderer ethnischer Gruppen ausreicht, um nach und nach Vorurteile darüber, dass sie anders sind, zu reduzieren.
  • Forer-Effekt oder Barnum-Effekt: Diese Denkweise ist ganz typisch für Horoskope. Wir befinden allgemeine Persönlichkeitsbeschreibungen für wichtig und finden uns in ihnen wieder. Wir denken, dass diese vagen und ungenauen Sätze, die auf Millionen von Menschen zutreffen könnten, bei uns selbst wie die Faust aufs Auge passen.

Wenn du dich in keiner dieser psychologischen Denkweisen wiederfinden kannst, hast du sicherlich unterbewusst auf eine dieser Art und Weisen gedacht. Das heißt, dass du die Schuld lieber bei jemand oder etwas anderem suchst als bei dir.

Diese bittersüßen kognitiven und heuristischen Vorgehensweisen unseres Gehirns sind notwendig und nützlich, obwohl sie für uns oft bitterer als süß sind.

„Wenn unser Gehirn so einfach wäre, dass wir es verstehen würden, wären wir so dumm, dass wir es auf jeden Fall nicht mehr verstehen könnten.“

Jostein Gaarder

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