5 Entdeckungen der Neurowissenschaften, die Montessori unterstützen

· 5. Juli 2017

„Das Leben anzuregen – und es sich dann frei entwickeln zu lassen – hierin liegt die erste Aufgabe des Lernens,“  sagte Maria Montessori vor über hundert Jahren. Heute wird das pädagogische Dreieck, auf dem ihr Bildungsansatz und ihr grundlegendes Prinzip aufbauen, von der Neurowissenschaft belegt. Nicht nur das, nach jahrelangen Experimenten ist Steve Hughes, Neuropsychologe, Kinderarzt und Montessori-Vater fest davon überzeugt, dass die Montessori-Methode bestimmte Gehirnfunktionen stärkt, die eine erweiterte kognitive Entwicklung unterstützen. Er hat der Methode sogar einen Spitznamen verpasst: „das ursprüngliche, auf dem Gehirn basierende Lernsystem“.

Die neurologische Entwicklung wird durch Lernen mit der Montessori-Methode stimuliert. Diese Behauptung kann nicht nur durch hunderte, seit ihrer Entstehung erfolgreich geschulte Menschen gestützt werden, sondern auch durch verschiedene Entdeckungen der modernen Neurowissenschaften. Im Folgenden werden wir fünf dieser Erkenntnisse genauer betrachten.

1. Die Hände sind die Instrumente der menschlichen Intelligenz

„Der Mensch nimmt seine Umgebung durch seine Hände wahr. Sie sind die Instrumente seiner Intelligenz. Seine Hände sind kreativ, sie können Dinge herstellen. Sinnesorgane und Koordination entwickeln sich durch manuelle Aktivitäten,“  nahm Maria Montessori an.

Heute wissen wir, dass die Ressourcen, die vom Gehirn genutzt werden, um die sensorischen Reize zu verarbeiten, die es durch die Hände wahrnimmt, die für andere Körperteile bereitgestellten deutlich überwiegen. Man könnte also sagen, die Welt durch unsere Hände wahrzunehmen bedeutet, durch das große Tor zu unserem Gehirn zu treten. Unsere Hände müssen deshalb beim Lernen eine zentrale Rolle spielen.

Wir können diesbezüglich von einem motorischen Homunkulus und einem sensorischen Homunkulus sprechen. Diese Begriffe bezeichnen eine verzerrte menschliche Figur, die gezeichnet wird, um den relativen sensorischen Raum darzustellen, der unsere Körperteile in der Großhirnrinde darstellt. Bei beiden Homunkuli sind die Hände überproportional groß.

2. Natürliches Experimentieren stärkt die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kindes

„Bildung ist ein natürlicher Prozess, den das Kind durchläuft, und wird nicht durch das Hören von Worten, sondern durch Erfahrungen in der Umgebung erworben,“  war sich Maria Montessori sicher.

Um freies und natürliches Experimentieren zu unterstützen, muss man Kinder und Babys dazu anhalten, sich in ihrer Umgebung zu bewegen und mit ihrer Umwelt zu kommunizieren und zu interagieren. Das heißt, es wird eine aktive Beziehung mit dem Medium gefordert, was dazu führt, dass motorische, sensorische, emotionale und kognitive Fähigkeiten besser ausgebildet werden. Und Kinder, die nach Montessori lernen, bewegen sich in der Tat mehr als Kontrollgruppen gleichen Alters.

Ein proaktives Verhalten zum Erkunden der Umgebung hat weiterhin den Vorteil, dass die Kinder kompetenter werden, wenn es darum geht, die Absichten anderer zu erkennen. Kurz gesagt ermöglicht es Kindern, schneller zu lernen, wenn man sie dazu anhält, etwas zu tun, als wenn sie etwas nur beobachten dürfen, wie es in einem Artikel von Kandel und Kollegen aus dem Jahr 1981 beschrieben wurde.

3. Exekutive Funktionen und Montessori

Bei exekutiven Funktionen handelt es sich um jene kognitiven Fähigkeiten, durch die wir Ideen verarbeiten können. Diese Fähigkeiten helfen uns dabei, die Probleme in unserem täglichen Leben auf eine gewissenhafte, aktive, vorsätzliche und effiziente Weise zu lösen.

Zu lernen, flexibel zu sein und Veränderungen in unserer Umwelt zu akzeptieren, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und sie zielstrebig zu verfolgen, unseren Impulsen zu widerstehen und Informationen im Kopf zu behalten, um mit ihnen zu arbeiten, sind Fähigkeiten, die für eine gesunde Entwicklung unverzichtbar sind.

Der Terminus exekutive Funktionen umfasst dabei drei Kategorien: Verhaltenshemmung, Arbeitsgedächtnis und kognitive Anpassungsfähigkeit. Wenn diese Funktionen nicht gut ausgebildet sind, kann es sogar zu Fehldiagnosen von Erkrankungen wie ADHS und anderen Lernschwächen kommen.

Beim Lernen nach der Montessori-Methode, die entwickelt wurde, bevor diese Tatsachen bekannt waren, wird die Entwicklung dieser Fähigkeiten durch verschiedene Aktivitäten unterstützt, zum Beispiel warten oder in einem Labyrinth, das von einem Partner erstellt wurde, der eine andere Aufgabe zu erfüllen hat, nach Material suchen. Forschungsarbeiten belegen, dass Kinder, die eine Montessorie-Vorschule besucht haben, diese Art mentaler Prozesse besser beherrschen.

4. Die sensiblen Phasen oder bessere Lernmöglichkeiten in der Kindheit

Maria Montessori beobachtete, dass es in der Kindheit sensible Phasen für spezifische Lerninhalte gibt. Diesen Momenten in der Entwicklung wohnt großes neuro-emotionales Potenzial inne und sie sollten deshalb unbedingt pädagogisch genutzt werden. Genauer gesagt ist es für Kinder im Alter zwischen 0 und 11 Jahren essenziell, dass sie ihre Welt so autonom wie möglich erkunden können.

Um es verständlicher zu machen, können wir davon sprechen, Montessori-Mikrokosmen oder Mikrowelten zu schaffen. Dabei handelt es sich um die Gestaltung einer Umgebung, die rein für Kinder gedacht ist: Möbel in Kindergröße, kleine Spielzeuge, welche Erforschung und kognitive Flexibilität fördern, usw. Die Neurowissenschaft konnte Zeitpunkte in der Kindheit identifizieren, zu denen das Gehirn ganz bestimmte Stimuli braucht, um sich optimal zu entwickeln.

5. Spiegelneurone als Grundlage des Lernens

In der Montessori-Schule ist es am wichtigsten, dass Kinder von klein auf die Welt um sich sehen und erkunden. Die Spiegelneurone, die sich im präfrontalen Kortex befinden, helfen bei der Informationsaufnahme durch die Sinnesorgane. Dies stellte Maria Montessori durch reine Beobachtung fest und später wurde es durch die Entdeckung dieser Neurone, die auf Verhaltensimitation spezialisiert sind, bestätigt.

Wir können also feststellen, dass es für die Wirksamkeit der Montessori-Methode jede Menge wissenschaftliche Belege gibt. Sie muss auch weiterhin ausführlich erforscht werden, da sie auf der Grundlage von Zuwendung und Respekt die Schaffung eines Universums für den jeweiligen individuellen Lernrhythmus und die Umgebung eines jeden Kindes garantiert.