3 interessante neurologische Erkrankungen

27. Mai 2018 en Kuriositäten 0 Geteilt
Neurologische Erkrankungen - Abbildung eines Gehirns in einem menschlichen Kopf.

Das Gehirn ist ein hochkompliziertes Organ, das die meisten unserer Verhaltensweisen steuert. Darüber hinaus ist es auch die Heimat unserer Gedanken und Emotionen. Die Erforschung des Gehirns trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, die menschliche Kognition verstehen zu können. Dennoch erschwert seine Komplexität das methodische Vorgehen in der Erforschung des Nervensystems und oft wird uns erst bewusst, welche Relevanz eine bestimmte Hirnstruktur hat, wenn sie ausfällt. Ein Weg, der zum Verständnis dazu führt, wie unser Gehirn funktioniert, liegt daher in der Untersuchung neurologischer Erkrankungen.

In der Regel wirken sich Schäden des zentralen Nervensystems auf unser Gesamtverhalten aus, aber wenn die Folgen einer Verletzung mit definierten Regionen in Verbindung gebracht werden, können bestimmte Funktionen und Prozesse lokalisiert werden. Trotzdem muss man vorsichtig sein, denn bei Menschen mit neurologischen Defiziten gelten besondere Bedingungen: Das Hirn wird immer versuchen, den Schaden zu kompensieren und es werden Veränderungen in primär nicht geschädigten Bereichen eingeleitet.

Dieser Artikel stellt drei außergewöhnliche neurologische Erkrankungen vor, aus denen wichtige Erkenntnisse zur Funktion unserer Schaltzentrale gezogen werden konnten. Die folgenden Abschnitte handeln von der Rindenblindheit, vom visuellen Halbseitenneglect und vom Split-Brain-Syndrom.

Ein Gehirn schwebt vor einem blauen Hintergrund.

Rindenblindheit

Stelle dir vor, du befindest dich mit einer Person in einem Raum, die vor kurzem einen Unfall hatte und Hirnschäden davongetragen hat. Diese Person sagt dir, dass sie absolut nichts sehe. Sie sei völlig blind. Doch ihre Augen scheinen dir zu folgen. Du beginnst also, nachzuforschen, und bittest die Person, ein Objekt vom Tisch zu nehmen. Sie streckt ihre Hand aus und ergreift dieses Objekt, als ob sie genau gesehen hätte, wo es sich befand. Wenn du fragst, wie viele Finger du in die Höhe hältst, antwortet die Person richtig. Aber wie ist das möglich?

Tatsächlich kann die Person die Welt um sich herum sehen, doch sie behauptet weiterhin, blind zu sein. Lügt sie denn? Nein. Ihr Problem liegt darin, dass sie einfach nicht verstehen kann, was sie sieht. Visuelle Eindrücke werden von ihr zwar wahrgenommen, doch aufgrund einer Störung in übergeordneten Zentren kommen diese Information nicht im Bewusstsein an.

Menschen mit einer Rindenblindheit sind der lebende Beweis dafür, dass manche zerebrale Prozesse den Eingriff des Bewusstseins gar nicht benötigen.

Visueller Neglect oder visueller Halbseitenneglect

Der visuelle Halbseitenneglect ist eine weitere neurologische Erkrankung, der man Beachtung schenken sollte. Dieses Defizit steht in Verbindung mit einer Schädigung des präfrontalen Kortex. Zum besseren Verständnis sollte man wissen, dass der linke präfrontale Kortex die Kontrolle über die rechte Seite des Blickfeldes hat. Demnach kontrolliert der rechte präfrontale Kortex die linke Seite des Blickfeldes. Das bedeutet also, bei einer Schädigung des rechten präfrontalen Kortex zeigt der Betroffene mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber Eindrücken aus dem linken Blickfeld.

Aber welche Konsequenzen kann das haben? Der Betroffene schenkt nur noch der rechten Seite seiner Umwelt Aufmerksamkeit. Er würde dann nur noch die rechte Seite seines Tellers aufessen, nur noch die rechte Gesichtshälfte schminken und nur noch die rechte Seite von Gegenständen zeichnen. Das Unglaubliche an dieser Störung ist, dass der Betroffene sich gar nicht bewusst ist, dass es ein Problem gibt. Ihr Verhalten erscheint ihnen normal und stimmig.

Auch interessant ist, dass nicht nur die visuelle Wahrnehmung betroffen ist. Die Vorstellungskraft wird ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Wenn die betroffene Person sich vorstellen soll, im Kolosseum zu stehen, und nun die Umgebung beschreiben soll, würde sie ausschließlich Dinge nennen, die sich rechts von ihr befinden. Bittet man die Person dann, sich im Geiste umzudrehen, ist sie nicht mehr in der Lage, die Dinge, die sie gerade beschrieben hat, zu nennen, denn dieses rücken ja auf ihre linke Seite. Jetzt kann die Person nur die Dinge beschreiben, die sie vorher nicht gesehen hat.

Split-Brain-Syndrom

Das Syndrom des geteilten Gehirns. In einigen Fällen erfordert eine Erkrankung eine Operation, die sogenannte Callosotomie. Bei diesem Eingriff wird der Corpus callosum durchtrennt, die größte Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften. Mit anderen Worten trennt der Chirurg die beiden Gehirnhälften voneinander.

Die beiden Gehirnhälften farblich untermalt. Die linke Hälfte wird orange und die rechte Hälfte blau dargestellt.

Zu den interessantesten Varianten des Split-Brain-Syndroms zählt das sogenannte Alien-Hand-Syndrom. Dabei scheint die linke Hand der betroffenen Person ein Eigenleben zu besitzen. Der Besitzer der Hand kann nicht sagen, was diese Hand tut. Der Grund dafür liegt darin, dass sich der Bereich, der für die willkürlichen Handbewegungen verantwortlich ist, in der rechten Gehirnhälfte befindet. Aber das Sprachzentrum befindet sich in der linken Gehirnhälfte.

Am Alien-Hand-Syndrom wird deutlich, dass die beiden Gehirnhälften unabhängig voneinander agieren. Es gibt zahlreiche Geschichten von Patienten, die das bestätigen können. Ein Patient erzählte beispielsweise, dass seine linke Hand versuchte, ein Buch zu schließen, während er noch dabei war, es zu lesen. Da die rechte Gehirnhälfte nicht lesen kann, langweilte sie sich wohl. In einem anderen Fall wollte ein Mann seine Frau mit der linken Hand schlagen und sich gleichzeitig mit der rechten Hand daran hindern. Faszinierend!

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