21 Narben bis zur Resilienz

· 15. Juni 2017

Ich bin 21 Jahre alt. Es ist nicht so, dass ich sehr tollpatschig bin, auch wenn ich zugeben muss, dass ich in meinem Leben schon 21 Unfälle hatte, und sogar noch mehr. Wenn ich in diesem Fall über Narben spreche, beziehe ich mich auf die Narben in der Seele.

Ich spreche hier von Ereignissen oder Momenten im Leben, in denen wir uns so fühlen, als hätten wir verloren, in denen es um uns dunkel wird, weil wir in ein schwarzes Loch fallen. Wenn wir dort angekommen sind, sind wir nicht mehr dazu in der Lage, uns zu freuen oder Dinge zu genießen, die uns früher erfüllten.

Ging es dir auch schon einmal so? Machst du vielleicht gerade einen dieser schwierigen Momente im Leben durch? Wenn du die Frage bejahst, so möchte ich dir sagen, dass es mir auch so geht. Das ist absolut normal und es ist bewiesen, dass wir im Hinblick auf die Evolution Krisenmomente brauchen, um uns zu ordnen und uns zu verbessern.

Viele, die diesen Artikel lesen, werden sich denken, dass sich das in der Theorie sehr logisch anhört, aber sie fragen sich gleichzeitig, was sie tun sollen, wenn sie keine Kraft mehr haben, um sich aus dem Bett zu rollen. Aus diesem Grund möchte ich hier über einen Begriff reden, der in der Psychologie der heutigen Zeit sehr in Mode gekommen ist: die Resilienz.

Was ist die Resilienz?

Kennst du Scrat, das Eichhörnchen aus Ice Age? Viele Leser werden jetzt schmunzeln, weil sie ihn kennen. Scrat ist ein Paradebeispiel für die Resilienz. Die Resilienz definiert sich als die psychologische Widerstandsfähigkeit gegenüber zerstörerischen Schmerzen. Das bedeutet, dass resiliente Menschen Schmerz als einen Lernprozess, eine Möglichkeit der Veränderung und als nützliches Hilfsmittel anstatt als ein Laster ansehen. Diese Fähigkeit können wir erlernen, wenn wir selbst die Verantwortung übernehmen und uns bemühen.

Im Fernsehen oder in Zeichentrickserien für Kinder sehen wir viele Beispiele, wie Schmerz zu überwinden ist. Wenn wir diese Personen mit ihrer Einstellung zum Leben einmal genauer betrachten, fällt uns auf, dass sie aufgrund ihrer Kraft und Lebensfreude Erfolg haben. Aber dabei handelt es sich nicht um irgendeine magische Fähigkeit, von der manche denken könnten, dass sie ebenso durchs Leben gehen könnten, wenn sie sie besitzen würden: Die Resilienz beschreibt eine Reihe von Kommunikationsfähigkeiten, Strategien, wie wir etwas angehen, und einen gesunden Lebensstil.

Was können wir tun, damit die Resilienz auch Teil unseres Lebens wird?

Laut Angaben der American Psychological Association sollten wir folgende Schritte gehen:

  • Halte an dankbaren sozialen Beziehungen fest: Hilf und lass dir helfen.
  • Sieh Hürden nicht als unüberwindbar an: Das folgende Sprichwort kennst du ja: „Schenkt dir das Leben Zitronen, mach Limonade draus“ oder „Wenn dir das Leben Steine in den Weg legt, baue eine Treppe aus ihnen“. Schätze das Positive an einer schwierigen Situation, in der du dich befindest, und mache das Beste daraus.
  • Veränderungen sind notwendig und unvermeidbar: Akzeptiere die Umstände und finde heraus, was du tatsächlich ändern kannst und was nun nicht mehr in deiner Hand liegt.
  • Visualisierung und Optimismus kann man erlernen: Unsere Erfahrungen können beeinflussen, wie wir die Realität wahrnehmen. Das steht im Zusammenhang mit dem bekannten Placebo-Effekt, auf dem auch die Technik der Visualisierung beruht. Sie besteht darin, eine alternative Zukunft zu erschaffen, um diese Ziele zu erreichen, indem du sie dir mit all deinen Sinnen vorstellst, als würdest du tatsächlich das verbrannte Gummi deines neuen Autoreifens riechen oder deinen Sohn bei der Rede bei seiner Abschlussfeier zuhören. Diese Technik nennt sich „Brücke zur Zukunft“.
  • Du spielst in deinem Leben die Hauptrolle: Du nimmst die Zügel in die Hand und versuchst, schwierigen Situationen nicht aus dem Weg zu gehen.
  • Entdecke dich neu: Was hat sich in deinem Inneren verändert? Was sind deine Stärken in Bezug auf dieses Problem?
  • Glaube: Hier ist nicht unbedingt die Rede vom religiösen Glauben. Glaube an dich, an deinen Freund, an deine Tochter, etc. und an deine Möglichkeiten in der Zukunft.
  • Die Richtung ist wichtiger als die Schnelligkeit: Setze dir einfach zu erreichende, kurzfristige Ziele, die zu großartigen langfristigen Erfolgen führen.
  • Mens sana in corpore sano: Liebe dich. Niemand kennt dich besser als du selbst. Finde heraus, was deine Wünsche und Interessen sind und lebe nach ihnen. Atme tief durch, gehe an der frischen Luft laufen, nimm ein Schaumbad, mach dir einen Tee oder mach dir deinen Lieblingsfilm an.
  • Bringe deinen Schmerz zum Ausdruck: Schreibe auf, wie du dich fühlst, meditiere, male oder sprich mit einem Freund.

Techniken, um sich die Resilienz anzueignen

Aber es gibt noch andere Art und Weisen, um deinen Verstand zu entspannen und deinen Weg zu finden. Wir alle wissen, dass Musik sehr vorteilhaft ist und therapeutische Effekte hat, sowohl bei gesunden als auch bei erkrankten Menschen. Die Musiktherapie ist als Kommunikationsmittel für Gefühle sehr effektiv.

Hinsichtlich dieses Themas gibt es zahlreiche Studien, die belegen, dass Musik Kindern, die Schwierigkeiten in der Schule haben, Alzheimer-Patienten, Menschen mit Zwangsstörungen oder Autismus hilft. Musik ist besonders vorteilhaft im Hinblick auf Störungen, in denen ein Kommunikationsdefizit besteht oder bei Kindern, die Schwierigkeiten damit haben, ihr psychisches oder emotionales Unwohlsein verbal auszudrücken.

Auch lesen oder laufen außerhalb der Stadt kann hilfreich sein. Es wurde belegt, dass eine halbe Stunde Bewegung am Tag einen gesunden mentalen Zustand fördert. Wieso ist das so? Wenn wir Sport treiben, werden Neurotransmitter freigesetzt, das sogenannte Serotonin zum Beispiel, was bewirkt, dass wir uns glücklich und zufrieden fühlen. Depressionen können unter anderem auch durch einen Mangel an Serotonin entstehen.

Die Resilienz ist keine Hexerei

Mir persönlich hilft es, zu malen, zu schreiben, Gitarre zu spielen und mit meinen Liebsten daheim Zeit zu verbringen. Ich bin in der Lage, mit der Kunst auszudrücken und zu fühlen, was ich mit Worten nicht beschreiben kann. Da jeder von uns seine ganz eigene Welt ist, hilft es uns wirklich, wenn wir uns kleine Momente für uns selbst nehmen und in dieser Zeit das tun, was uns Spaß macht. Auch bei intensiveren Aktivitäten, wie bei einem Marathon oder beim Treppensteigen, kannst du abschalten.

Versuche, dich neu zu entdecken und kümmere dich gut um dich. In deinem Leben spielst du die Hauptrolle. Du entscheidest, ob du deine Narben überschminken willst oder sie zu einem Erkennungsmerkmal machst, auf das du so stolz sein kannst wie Harry Potter. Damit möchte ich dir viel Kraft und Glück wünschen. Entdecke die Resilienz für dich!

Als Beispiel für die Resilienz möchte ich dich dazu einladen, mehr über den Fall des Spaniers Pablo Raéz aus Marbella zu erfahren, der dem Unglück trotzte und sich ihm dennoch die ganze Zeit bewusst war. Er hat mithilfe seiner Kampagne „Reto un millón“ (auf deutsch: „Ich fordere 1 Millionen heraus“) tausende Menschen dazu animiert, Knochenmark zu spenden. Leider erlag der tapfere Kämpfer am 25.02.17 seinem Krebsleiden.

Das ist dir gewidmet, Bea, weil du an mich geglaubt und mir deine Narben gezeigt hast.

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