10 Arten emotional gewalttätiger Menschen

15. Juni 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Emotional gewalttätige Menschen - Mann lässt verzweifelte Frau zurück

2002 veröffentlichte Lundy Bancroft eines der tiefgründigsten Bücher, das jemals über die Mentalität psychischer und emotionaler Missbrauchstäter verfasst wurde. Der Originaltitel des Buches lautet Why Does He Do That?: Inside the Minds of Angry and Controlling Men, auf Deutsch etwa Warum tut er das?: Im Geist böser und kontrollierender Menschen.  Seine Arbeit wird durch klinische Belege und Studien unterstützt. Im Buch definiert er verschiedene Typen emotional gewalttätiger Menschen. Er gibt detaillierte Beschreibungen dessen, was sich hinter jeder Form emotional aggressiven Verhaltens steckt. Bancroft zeigt die Besonderheiten des Verhaltens auf, mit dem die Täter ihre Opfer missbehandeln. Dabei stellt er die Fakten, die seiner Meinung nach die Basis des missbräuchlichen Verhaltens seien, so vor, als wären sie Teil des inneren Dialoges der jeweiligen Menschen.

Was macht emotional gewalttätige Menschen seiner Meinung nach aus?

Nehmen, ohne zu geben

Wer emotionalen Missbrauch begeht, glaubt, dass sein Partner dazu da sei, um ihn zufriedenzustellen. Seine Rolle sei es, sich um seine Bedürfnisse zu kümmern. Jedoch dürfe der Partner nichts von ihm verlangen, sondern müsse mit dem zufrieden sein, was er biete. Er hat das Gefühl, über jeden Tadel erhaben zu sein, weil er sich selbst als liebevoll und großzügig betrachtet.

Die Mehrheit seiner Gespräche dreht sich um seine Bedürfnisse und die Verpflichtungen des Partners. Jedoch wird er wütend, wenn dieser etwas von ihm verlangt. Wenn er sich nicht wohlfühlt, gibt er dem Partner daran die Schuld. Sobald seine Bedürfnisse gestillt werden, zeigt er sich weniger kontrollierend, aber dabei handelt es sich nur um einen vorübergehenden Zustand.

Frau, die ihrem Partner nicht in die Augen sieht

Mr. Perfect

Er glaubt von sich, dass er eine bewundernswerte Person sei. Er ist stolz auf seine Fähigkeiten, seine Intelligenz und auf seine Erfolge. Mr. Perfect weiß immer ganz genau, was zu tun ist, darunter auch, was für den Partner das Beste ist. Demnach muss er weder seine Meinung anhören, noch auf diese Rücksicht nehmen. Dies trifft vor allem dann zu, wenn sich dessen Meinung von seiner eigenen unterscheidet.

Er meint, dass jede Unstimmigkeit ein Abbild der Untauglichkeit seines Partners sei. Er nutzt sie als einen Vorwand, um ihn schlecht zu behandeln. Jedoch ist seine Ausdrucksweise respektvoll. Er ist überzeugt davon, dass sein Partner nur akzeptieren müsse, dass er recht habe, damit die Beziehung besser verlaufen könne.

Wenn er über seinen Partner spricht, tut er das auf eine herablassende Art und Weise. Wenn er nicht das Gefühl hat, ihm überlegen zu sein, wird er ihn lächerlich machen, beleidigen und seinen Standpunkt in Verruf bringen. Dies macht den Partner wiederum anfälliger dafür, sich kontrollieren zu lassen. Man könnte sagen, dass Mr. Perfect sich auf dessen Schwächen spezialisiert und kein Problem damit hat, vor anderen Menschen über diese zu sprechen.

Ein Experte, der wahnsinnig macht

Dieser Aggressor ist davon überzeugt, dass sein Partner derjenige sei, der alle Probleme in ihrer Beziehung verursache. Er verhält sich frei nach dieser Überzeugung. Derart emotional gewalttätige Menschen sind dazu in der Lage, den Partner zu missbrauchen, ohne den Tonfall zu verändern. Er ist sarkastisch, verharmlost und sagt Dinge wie „Du bist verrückt. Du machst aus einer Mücke einen Elefanten“,  wenn der Partner wirklich einmal aufbegehrt. Er nutzt sein vermeintlich ruhiges Auftreten, um jede Form der Grausamkeit zu rechtfertigen.

Es könnte schwer sein, seine Taktiken zu identifizieren. Von einem zufälligen Beobachter bleiben sie oft unbemerkt. Ebenso sind sie in einem Streit mit dem Partner leicht zu leugnen. Er könnte sogar gemeinsame Kinder davon überzeugen, dass die Mutter sich ohne Grund aufrege. Er kennt sich aus mit ausgeklügelten, fehlerfreien Manövern.

Der Ausbilder

Diese Person muss die Kontrolle über alle Bewegungen seines Partners haben. Er glaubt, dass er genau wisse, wie dieser handeln sollte. Er glaubt, dass er sein Partner es nicht verdiene, jemanden oder irgendwas, außer ihm, in seinem Leben zu haben. Als „Ausbilder“ überwacht er seinen Partner und schränkt ihn dermaßen ein, dass er weder unabhängig sein, noch individuelle Ressourcen nutzen kann. Er treibt die Kontrolle bis auf die Spitze.

Ebenso ist er extrem eifersüchtig. Seine Eifersucht führt ihn regelmäßig dazu, seinen Partner des Betruges zu beschuldigen.

Eifersüchtiger Mann

Derart emotional gewalttätige Menschen missbrauchen ihre Partner schließlich auch körperlich. Die Folgen dieses Missbrauchs ähneln denen einer Vergewaltigung. Er traumatisiert das Opfer und macht es ihm schwer, der Situation zu entkommen.

Der sensible Mann

Dieser Mann glaubt, dass er gegen Sexismus vorgehe. Demnach ist er davon überzeugt, niemals zum Missbrauchstäter werden zu können. Der sensible Typ denkt, dass sein Partner ihm dankbar sein sollte, weil er nicht so wie andere sei, die unterdrücken und misshandeln. Er liebt es, über Gefühle zu sprechen, und verhält sich, als stehe er auf der Seite seines Partners. Wenn sich sein Partner missbraucht fühlt, muss das demnach dessen eigene Schuld sein.

Er überwacht seinen Partner, weil er über dessen Probleme in der Kindheit Bescheid weiß. Er glaubt, dass er seine geistigen und emotionalen Reaktionen analysieren und sich in seinen Kopf versetzen könne, egal ob seiner Partner das will. Darüber hinaus ist ihm nichts wichtiger, als das, was er selbst fühlt. Er verlangt, dass sich sein Partner um ihn kümmere.

Er ist schnell verletzt und es ist sehr schwer, den Schaden zu beheben und seine Stimmung anzuheben. Wenn sein Partner jedoch behauptet, dass seine Gefühle verletzt seien, besteht er darauf, dass sie darüber hinwegkommen solle, und zwar möglichst bald.

Der Playboy

Andere Menschen seien auf dieser Welt, um ihn sexuell zu befriedigen. So lautet seine Prämisse. Und dass die, die Sex mit ihm haben wollen, „einfach“, und die, die das nicht wollen, „prüde“ seien. Er fühlt sich sexy und unwiderstehlich. Der Playboy glaubt, dass es keinen Grund dafür gebe, seiner Versuchung zu widerstehen, weshalb ihn andere oft verführen, wogegen er nichts tun könne.

Er nimmt seine Beziehungen nicht ernst, weil er keine Einschränkungen seiner Freiheit akzeptiert. Seine Untreue ist chronisch, zudem verhält er sich gegenüber seinem Partner oft grausam und rücksichtslos. Wenn dieser herausfindet, dass er betrügt und ihn damit konfrontiert, könnte der Missbrauch zur körperlichen Aggression eskalieren.

Seine Partner streiten sich nie mit ihm. Stattdessen streiten sie sich untereinander. Der Grund dafür ist, dass er weiß, wie er ihnen das Gefühl geben kann, besonders zu sein. Sie sind die Eifersüchtigen; sie sind diejenigen, die nicht akzeptieren können, dass die Beziehung beendet ist. Tatsächlich könnten sie sogar denken, dass seine Ex-Partner ihn missbraucht haben.

Rambo

Rambo denkt, dass die Flucht vor der Gewalt oder das Zeigen von Angst und Verlegenheit ein Äquivalent der Minderwertigkeit sei, und dieser Gruppe der „minderwertigen Menschen“ werden praktisch alle Andersdenkenden zugeordnet. Für ihn gehören sowohl Menschen anderer sexueller Orientierung als auch des anderen Geschlechts genau hierher. Dementsprechend fühlt er sich diesen in Stärke und Gewalt überlegen.

Er geht davon aus, dass sie nur deshalb existieren, um Menschen wie ihm zu dienen und von ihnen beschützt zu werden. Seine Vorstellungen zur Ausübung seiner Macht könnten lauten: Aufgrund ihrer Schwäche müssen die anderen verteidigt werden, was sie selbst ja nicht tun können. Man darf sie nicht schlagen, außer sie verdienen Schläge, weil sie gezügelt werden müssen. Minderwertige Menschen sind Trophäen und Eigentum höherwertiger Individuen, wie ihm.

Rambo ist sehr aggressiv. Er hat weder Geduld für Schwächen, noch für die Unsicherheit oder Unentschlossenheit. Zusätzlich fühlt er sich gut, wenn er andere einschüchtert. Er neigt dazu, eine kriminelle Vergangenheit zu haben, und vielleicht eine kriminelle Zukunft als Psychopath oder Soziopath.

Das Opfer

Das Opfer hat das Gefühl, dass das Leben schwer und unfair zu ihm gewesen sei. Die Partner, mit denen er zusammen war, verletzten ihn nur, wie alle anderen auch. Schließlich sei er deshalb nicht verantwortlich für seine Taten. Alle Fehler, die er in seinem Leben gemacht hat, seien eine direkte oder indirekte Konsequenz einer Misshandlung gewesen, die er erfahren hat.

Er baut Beziehungen auf, indem er seinen Partner davon überzeugt, dass er derjenige sein werde, der ihn endlich glücklich mache. Wenn ihn sein Partner verhört oder dafür beschuldigt, ihn zu missbrauchen, hat er eine Rechtfertigung parat. Das Opfer wird seinen Partner beschuldigen, auf der Seite derjenigen zu stehen, die grausam zu ihm waren. Er meint, dass diejenigen, die sich über Missbrauch durch ihn beschweren, tatsächlich eine feindselige Einstellung und Vorurteile ihm gegenüber haben.

Mann, der traurig aus einem Fenster schaut

Der Terrorist

Dieser denkt, dass alle Andersdenkenden – einschließlich seines Partners – böse seien. Er glaubt, dass der Terrorismus der einzige Weg sei, damit diese umdenken und sich endlich angemessen verhalten. Allgemein glaubt er nicht, dass sie unabhängige Entscheidungen treffen können. Sie haben kein Recht, ihn herauszufordern. Deshalb glaubt er, dass ihr Leben Teil seines eigenen sei. Er terrorisiert sie, um seine Überlegenheit zu verdeutlichen.

Der Terrorist macht seinem Partner Angst, damit er ihn „retten“ kann. Er wird alles unternehmen, um seinen Partner zu ängstigen. Er könnte sogar die Kinder missbrauchen, um seine Ziele zu erreichen, was sadistische Züge annimmt. Er genießt es, Schmerzen zu verursachen und grausam zu sein. Es ist möglich, dass ihn in seiner Kindheit jemand missbraucht hat und er deshalb diese kognitiven und emotionalen Verhaltensmuster erlernt hat.

Der Kranke

Alles, was er tut, ist das Ergebnis psychischer Erkrankungen oder einer Sucht. Wenn also sein Partner über seinen Missbrauch spricht, sei das einfach ein gemeiner Zug. Dieser sei eine rücksichtslose Person, der seine Probleme nicht verstehe.

Wenn der Partner ihn herausfordert, erleide er vielleicht einen Rückfall, für dieser dann verantwortlich wäre – so seine Argumentation. Selbst eine erfolgreiche Therapie und Heilung bedeuten deshalb kein Ende der Gewalt.

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