Wie man aufhört, zwanghaft zu sein

25. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Wie man aufhört, zwanghaft zu sein - Frau hält besorgt ihren Kopf.

Wir alle kennen Menschen, die zu viel denken. Sie tun das bis zu einem Punkt, an dem sie dadurch Probleme in ihrem Alltag bekommen. Primär geht es um Menschen, die immer an dasselbe denken. Dadurch können sie Angst, extreme Sorgen und Stress fühlen. Passiert das ständig, weist es auf eine Zwangsstörung hin.

Im heutigen Artikel geht es um Faktoren, die zwanghaftes Verhalten bei Menschen auslösen. Außerdem werden ein paar der aktuellsten Theorien zu diesem Thema angeschnitten und dazu, wie man aufhört, zwanghaft zu sein.

Wie entsteht zwanghaftes Verhalten?

Die kognitiven Theorien im Bezug auf Angststörungen beschreiben selbige als Defizit in der Datenverarbeitung. Diese spielen eine große Rolle bei der Entstehung von Obsessionen. Auch nehmen sie Einfluss auf das Andauern einer solchen Störung. Obwohl das belegt ist, ist das Interesse an den kognitiven Eigenschaften von Personen mit einer Zwangsstörung ein eher jüngeres Phänomen. Bislang wurden nur wenige Studien zur Verarbeitung emotionaler Informationen durch Betroffene angestellt.

Frau verarbeitet Gedanken.

Aktuelle Studien zur Verarbeitung von relevanten, emotionalen Informationen zeigen auf, dass zwanghafte Personen Probleme damit haben, die richtige Dosis von Verhaltensweisen zu bestimmen, die ihre Bedürfnisse erfüllen. Weiterhin besagen sie, dass zwanghafte Personen ein höheres Maß an Sensibilität gegenüber Reizen, die deren Angst betreffen, aufweisen.

Betroffene betreten einen Teufelskreis, wenn emotionale Reaktion echten Stimuli zu ähneln beginnen. Das ist der Fall, wenn diese Reaktionen als Resultat von Gedanken über die eigenen Ängste auftreten. Obsessionen sind dabei als wiederkehrende, hartnäckige Gedanken, Bilder oder Impulse definiert. Diese fühlen sich aufdringlich und unangebracht an. Sie verursachen jene Angst und jenes Leid, das in die zuvor beschriebenen Emotionen mündet.

Ihre Besessenheit kann sich nicht nur auf extreme Sorgen über reale Probleme beziehen. Sie gehen viel tiefer. Betroffene versuchen, diese Wahrnehmungen zu unterdrücken. Alternativ hoffen sie, besagte Eindrücke mithilfe von anderen Gedanken oder Taten zu neutralisieren. Der Anlass für charakteristisches Handeln ist also die Vermeidung oder Reduzierung von Unwohlsein. Dennoch können solche Verhaltensmuster oder mentalen Aktivitäten nicht realistisch mit dem in Verbindung gebracht werden, das sie zu bekämpfen versuchen. Gleichzeitig neigen Betroffene dazu, zu übertreiben.

Leidenschaft ist positive Besessenheit. Besessenheit ist negative Leidenschaft.

Obsessionen, die Angst des 21. Jahrhunderts

Zwangsstörungen wurden inzwischen in das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders  aufgenommen, und zwar aufgrund ihrer hindernden, Lebensqualität mindernden Eigenschaften. Dazu kommt mittlerweile die Häufigkeit des Auftretens in der westlichen Gesellschaft.

Die, die von Zwangsstörungen betroffen sind, empfinden sich selbst als Geisel jenes Zwangs. In den extremsten Fällen wiederholen sie stundenlang  eine bestimmte Aktion, ohne Kontrolle über das eigene Verhalten zu haben. Auch zeigen diese Menschen eine höhere Anfälligkeit gegenüber Depressionen oder anderen psychologischen Leiden. Diese können zum Beispiel Hypochondrie oder Phobien sein. All das kann durch die von der Zwangsstörung ausgelöste Angst entstehen.

Experten zufolge kann eine Zwangsstörung in mehrere Kategorien klassifiziert werden. Diese sind die wichtigsten:

  • Kontrolle – Ungewissheit und permanentes Überprüfen im Bezug auf heimische Situationen
  • Sauberkeit oder den Zwang zur Hygiene
  • Ordnung – das Streben nach Symmetrie und Präzision

Neben diesen gibt es viele weitere Arten der Zwanghaftigkeit. Typisch für die moderne Gesellschaft ist die Sucht nach sozialen Medien. Deren Wachstum hat sie zu einer weiteren Art von Obsession gemacht. Betroffene Menschen wiederholen dieselben Muster und Zwänge wie sie bei traditioneller Obsession ausgeführt werden.

Frau beschäftigt sich mit Spartphone

Auch im Bezug auf Obsessionen im Liebesleben wiederholen sich dasselbe Denken, dasselbe Verhalten und dieselben kognitiven Muster. Der Unterschied besteht darin, dass Betroffene in diesem Fall versuchen, Personen statt Dinge zu kontrollieren. In manchen Fällen wird das unkontrollierbare Verlangen, mit jemandem zusammen zu sein, zum Zwang. Es ist so stark, dass es sogar mit Liebe verwechselt werden kann.

Diese Art der Störung verursacht zwanghaftes Verhalten, um zu erreichen, was der Betroffene sich wünscht. In diesem Fall eben eine Person. Paradoxerweise wird der geliebte Mensch durch solch obsessives Verhalten für immer vertrieben.

Behandlungsmöglichkeiten

„Zwang impliziert unersättliche Liebe in einer Beziehung. Ein Teil des Paares ist nie zufrieden mit seiner Beziehung. Er kann nichts ohne den anderen tun. Er zeigt starke Abhängigkeit.“

Walter Riso

Die Behandlung zur Behebung solcher Zwänge basiert auf der Modifizierung falscher Überzeugungen, die die betroffene Person über die eigenen Ängste hat. Es soll also die Angst reduziert werden, die durch Gedanken verursacht wird.

Gleichzeitig soll diese Art der Behandlung auch die Zwänge selbst beheben. Diese sind beteiligt an der Erhaltung von Überzeugungen über Verantwortung. Die Kernidee kognitiver Behandlung ist, dass das typische Verhalten in emotionalen Reaktionen begründet liegt. Weiterhin wird es stark durch Erkenntnisse und Wahrnehmungen beeinflusst und kann von dort aus verändert werden.

Person sitzt beim Psychologen.

Das prinzipielle Bestreben besteht also darin, die Entwicklung spezieller, adaptiver Verhaltensmuster in zwanghaften Personen anzuregen. Sie sollten Änderungen dahingehend bewirken, wie sich der Patient selbst und die Welt um ihn herum sieht. Dafür ist es notwendig, die Änderung mentaler Prozesse hervorzuheben, und auch die Gedanken und Verhaltensweisen, die Betroffene vorweisen.

„Obsessive Gedanken sind das Feuerholz, das das Feuer der Angst nährt. Wir können dieses Feuer nur löschen, indem wir Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten.“ 

Daniel Goleman

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