Wie kann die Versöhnung nach einem Streit funktionieren?

· 3. November 2018

Meinungsverschiedenheiten sind etwas völlig Normales. Einige lassen sich auf rationale Weise betrachten, andere führen zu hitzigen Diskussionen. Vielleicht erhebt man sogar die Stimme und macht dem anderen Vorwürfe. Häufig fragt man sich danach, wie die Versöhnung nach einem Streit funktionieren kann.

Die Angelegenheit kann komplizierter sein, als sie zunächst einmal erscheinen mag. Manchmal ist es schlichtweg nicht möglich, die Argumentation des anderen nachzuvollziehen. Bei allen Beteiligten bleibt in solchen Fällen ein gewisses Unbehagen. Liegt einem jedoch etwas an der Beziehung, ist es wichtig, nach einem Streit einen Weg zu finden, sich wieder zu versöhnen.

„Es gibt keine Versöhnung, bis du die Würde des anderen erkannt hast, bis du seinen Standpunkt akzeptierst. Du musst ein Bewusstsein für den Schmerz deiner Mitmenschen entwickeln und ihre Bedürfnisse spüren.“

John M. Perkins

Manchmal tritt ein Konflikt auf, weil etwas im falschen Moment angesprochen wurde. Es kann aber auch vorkommen, dass es grundlegende Probleme in einer Beziehung gibt und diese der Auslöser für Streits sind. Was auch immer der Grund sein mag – die nachfolgenden Tipps können vielleicht eine Versöhnung nach einem Streit herbeiführen.

Der erste Schritt zur Versöhnung nach einem Streit

Wenn man sich besonders heftig streitet, kann es vorkommen, dass man den anderen mit seinen Worten verletzt oder aber selbst verletzt wird. In einem solchen Fall sollte man nicht versuchen, diese Vorkommnisse so schnell wie möglich anzusprechen. Man sollte sich erst einmal bemühen, sich wieder zu beruhigen, um anschließend mit einem kühlen Kopf ein klärendes Gespräch zu führen.

Die Versöhnung nach einem Streit funktioniert nicht durch Ignorieren

Ein wenig Abstand gewinnen kann dabei helfen, die eigenen Gefühle zu stabilisieren und so die Versöhnung nach einem Streit zu erleichtern. Im jeweiligen Moment sieht man meist nur die Fehler des anderen, ohne die eigenen zu reflektieren. Nimmt man sich jedoch die Zeit, über die Auseinandersetzung nachzudenken, beginnt man, auch sein eigenes Fehlverhalten wahrzunehmen. Man kann also sagen, dass sich die Sichtweise auf das Problem mit ein wenig Zeit und Abstand möglicherweise verändern kann.

Die Analyse der Gefühle

Es ist wichtig, darüber nachzudenken, was eigentlich vor dem Streit passiert ist. Gab es bestimmte Signale, durch die sich die Stimmung veränderte? Denkt man über diese Aspekte nach, erhält man mögliche Hinweise auf externe Faktoren, die den Konflikt beeinflussten. Manchmal ist man einfach müde, hungrig oder aufgebracht und lässt sich davon zu einem Streit verleiten.

Auf der anderen Seite kann es auch sein, dass einem vorher alles völlig normal erschien und es dennoch zu einem Streit kam. In solchen Situationen fragt man sich, ob der Kern des Konfliktes vielleicht deutlich tiefer liegt, als man anfangs glaubte. Deshalb ist es gut, wenn man sich über seine eigene Gefühle im Klaren ist und diese als mögliche Angst, Schuld oder unterdrückte Wut identifizieren kann.

Der konstruktive Dialog

Ist man soweit, kann man das Gespräch mit der anderen Person suchen. Dabei ist der richtige Zeitpunkt wichtig. Es macht wenig Sinn, diesen Prozess zu beschleunigen, nur weil man sich möglichst schnell wieder versöhnen möchte. Vielmehr sollte man auf die Signale des anderen achten und erkennen, ob auch dieser für einen Dialog bereit ist oder noch immer verletzt oder wütend ist.

Zunächst einmal sollte man der anderen Person mitteilen, dass man mit ihr sprechen möchte, um zu klären, was passiert ist. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass sie sich nur widerwillig dazu bereit erklärt. Sollte dies der Fall sein, braucht sie vielleicht noch etwas mehr Zeit. Ist sie jedoch einverstanden, kann man sich an einem ruhigen Ort verabreden.

Das klärende Gespräch kann zu einer Versöhnung nach einem Streit führen

Grundsätzlich sollte man aussprechen, wie man sich fühlt und wie man die Worte des anderen aufgefasst hat. Dabei ist es wichtig, sich nur auf die eigenen Gefühle zu beziehen und nicht die Gedanken seines Gegenübers erraten zu wollen.

Schlussfolgerungen ziehen

Bemerkt man während des Gesprächs, dass der Streit lediglich aus impulsiven Reaktionen heraus entstanden ist, ist es durchaus angebracht, die Strukturen innerhalb einer Beziehung zu betrachten. Passieren solche Auseinandersetzungen häufiger? Warum reagiert man derart emotional und kann seine Gefühle nicht kontrollieren?

Schließlich gilt es, die Verantwortung für das eigene Handeln und seine Gefühle zu übernehmen. Hat man die andere Person beispielsweise zu Unrecht verurteilt, sollte man dies auch anerkennen und aussprechen.

Verzeihen

Beide Parteien sollten sich gegenseitig vergeben können. Auf diese Weise kann man versuchen, sich wiederholende Verhaltensmuster zu durchbrechen.

Tritt eine Situation, die zum Streit führt, erneut auf, müssen die Handlungsmuster innerhalb der Beziehung erneut überprüft werden. Häufig ist man in einer Routine gefangen, die nicht unbedingt gesund für beide Seiten ist.

Vögel fliegen aus einem Baum

Manchmal ist der Weg zur Versöhnung nach einem Streit relativ einfach zu begehen, manchmal aber auch nicht. In letzterem Fall reicht ein konstruktiver Dialog oftmals nicht aus und man muss der Ursache auf den Grund gehen, um die Beziehung nicht weiter zu gefährden.