Wenn Verpflichtungen deinem Glück im Wege stehen

Verpflichtungen können uns so sehr beanspruchen, dass wir keine Zeit mehr finden, glücklich zu sein und das Leben zu genießen.
Wenn Verpflichtungen deinem Glück im Wege stehen
Sergio De Dios González

Geprüft und freigegeben von dem Psychologen Sergio De Dios González.

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2023

Hektik, Stress und Verpflichtungen prägen unseren Alltag. Manchmal werden wir so sehr von dieser Routine mitgerissen, dass wir keine Zeit mehr finden, glücklich zu sein. Lust und Realität kommen aus dem Gleichgewicht: Die Vernunft redet uns ein, dass wir unseren Pflichten nachkommen müssen, während wir den Wunsch spüren, unsere Lust durch Vergnügen zu befriedigen.

Das Lustprinzip verlangt sofortige Befriedigung, es möchte Spaß, Freude und Freiheit. Im Gegensatz dazu wünscht sich das Realitätsprinzip Sicherheit und Produktivität, es fordert von dir, Befriedigungen aufzuschieben und auf Vergnügen zu verzichten. Die klassische Psychoanalyse beschreibt diese beiden Prinzipien als Triebkräfte, die unser psychisches Geschehen beherrschen. 

In manchen Situationen dominieren Verpflichtungen so sehr, dass sie unserem Glück im Wege stehen. Wir laden dich heute ein, mit uns über dieses Thema nachzudenken.

“Wenn man von den Leuten Pflichten fordert und ihnen keine Rechte zugestehen will, muss man sie gut bezahlen.”

Goethe

Wenn Verpflichtungen deinem Glück im Wege stehen
Wenn Verpflichtungen dominieren, entwickeln wir häufig hohe Selbstansprüche.

Verpflichtungen prägen das Verhalten

Unsere natürliche Tendenz ist, unser Verhalten an unserem Verlangen zu orientieren: Wir tun am liebsten, was wir wollen. Durch Erziehung, Erfahrungen und gesellschaftlichen Druck entwickeln wir Pflichtbewusstsein: Du hast keine Lust auf Hausaufgaben, aber du weißt, dass du sie machen musst. Wenn wir Teil einer Gemeinschaft sind, müssen wir Verpflichtungen nachkommen und lernen, unser Verlangen zu zügeln. Wir setzen uns zum Teil jedoch auch selbst unter Druck, um unsere Erwartungen oder die anderer Personen zu erfüllen.

Das kann dazu führen, dass wir so viele Pflichten und Aufgaben übernehmen, dass keine Zeit mehr für Lust und Vergnügen bleibt. Manche Menschen entwickeln sogar Schuldgefühle: Sie verzichten freiwillig auf den Urlaub, da sie diese Zeit als unproduktiv und sinnlos empfinden.

Wenn Verpflichtungen zu einem Hindernis werden

Menschen, deren Verhalten von Verpflichtungen geprägt ist, haben oft hohe Selbstansprüche. Es geht dabei weniger um Perfektion, sondern vielmehr um Gehorsam: Sie folgen den Anforderungen von Autoritäten oder etablierten Normen wortwörtlich, denn sie haben das tiefe Bedürfnis, diese Vorschriften zu erfüllen. Jede Abweichung führt zu Unbehagen oder Angst. Verpflichtungen stehen in diesem Fall dem Glück im Wege, denn die Person verleugnet sich selbst, um einer Autorität nicht zu widersprechen.

Anders sieht die Sache aus, wenn sich eine Person selbst ein Ziel setzt und keine Zeit und Mühen scheut, um es zu erreichen. Sie unterwirft sich damit keiner Autorität, sondern bestimmt ihren Weg selbst.

Mann mit vielen Verpflichtungen
Wer nur noch lebt, um Verpflichtungen zu erfüllen, verliert seine Identität.

Die Pflicht, glücklich zu sein

Geben uns Lust und Vergnügen das Recht, Verpflichtungen nicht zu erfüllen? Auch das gegenteilige Extrem macht dich nicht glücklich: Keine Aufgaben oder Pflichten zu haben, wirkt sich negativ auf unsere psychische Gesundheit aus. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden. Die Pflicht sollte auf keinen Fall zu einem Automatismus führen, der dich als Mensch konditioniert und deine Freiheit und Autonomie verhindert. Eine gesunde Balance zwischen Verpflichtungen und Vergnügen ist die beste Voraussetzung für Zufriedenheit.

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