Wenn du den Grund erreichst, kann es nur noch aufwärts gehen

6. Oktober 2016 en Psychologie 1 Geteilt

Manchmal stürzt unser Leben geradewegs eine Klippe hinunter. Wir erreichen dann emotional, physisch, sozial und beruflich den absoluten Grund. Wir verbleiben dort zusammengekauert, voller Angst und Trauer.

Jeder hat ernsthafte Probleme und durchlebte Dramen und Tragödien in seinem Leben. Jeder ist stark und zielgerichtet, bis er Schmerzen erleidet. Wenn du den Grund erreichst, kommst du dir sehr verloren vor. An diesem Punkt bist du wahrscheinlich davon überzeugt, dass es nie wieder aufwärts gehen wird.

Aaron Beck beschreibt in seiner Erklärung von Depression, dass wir unsere irrationalen Gedanken mithilfe der „Down Arrow“ und „Paradoxical Magnification“-Technik infrage stellen können. Anhand des Beispiels dieser beiden Techniken und deiner eigenen Erfahrungen wirst du erkennen, dass es nur noch aufwärts gehen kann, sobald du den Grund erreicht hast.

„Der wahre Schmerz, der uns zutiefst leiden lässt, macht manchmal selbst den unbekümmerten Menschen ernsthaft und stetig; selbst die seelisch Verkümmerten wachsen an Intelligenz nach einem großen Schmerz.“

Fyodor Dostoyevsky

Erkenne, dass dein Fehler die Angst ist

Jeder hat Angst vor nachteiligen Geschehnissen, die sich ereignen könnten. Wenn du bereits tiefen Schmerz erlebt hast und dich fühlst, als hättest du den Grund erreicht, hast du zwei Optionen: weiterhin in diesem nahezu vegetativen, schmerzhaften Zustand zu bleiben oder ihn überwinden. Es ist wirklich deine Entscheidung, ob du es forcierst, dass die Dinge in deinem Leben wieder aufwärts gehen.

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„Down Arrow“ (zu Deutsch: Pfeil, der nach unten zielt) ist eine Technik der kognitiven Verhaltenstherapie, die dir dabei hilft, deine negativen Gedanken zu hinterfragen. Um diese zu praktizieren, wählst du einen negativen Gedanken aus und fragst dich selbst: Wenn dieser Gedanke wahr wäre, was würde das für mich bedeuten?  Normalerweise ist die Antwort ein neuer, damit verbundener, aber immer noch negativer Gedanke. Du kannst dann nachfolgende Fragen stellen, literarisch „dem Pfeil folgen“ und wirst schließlich kontraproduktive Glaubensgrundsätze enthüllen, z.B. Perfektionismus, Bestätigungssucht, Ängste.

Trotz der Schwierigkeit dieser Aufgabe zur Enthüllung deiner wahren Gedanken wird dich diese Technik dazu bringen, zu erkennen, dass wir selbst das schlimmstmögliche Szenario überstehen können. Sie hilft uns, zu erkennen, dass unsere Gedanken unseren Schmerz noch verstärken.

Du könntest immer leiden, da dir nichts im Leben sicher ist. Sobald du an die Wurzel all dessen kommst, ist das schlimmstmögliche Szenario, dass du vollkommen entmutigt am Boden liegst. Aber an diesem Punkt erkennst du, dass deine einzig mögliche Wahl die ist, die Situation zu überstehen und weiterzumachen. Du hast wenig zu verlieren, nur die Angst.

Wir verstärken unseren Kummer und sehen die Absurdität unserer momentanen Einstellung

„Paradoxical Magnification“ (zu Deutsch: Paradoxe Vergrößerung) ist ebenso eine Technik der kognitiven Verhaltenstherapie, in welcher der Klient dazu angeleitet wird, negative Gedanken zu übertreiben, anstatt zu versuchen, sie anzuhalten oder zu kontrollieren. Paradoxerweise scheinen diese Gedanken absurd oder bedeutungslos. Offensichtlich sollte diese Technik für negative Gedanken genutzt werden, die nicht mit emotionalen Katastrophen verknüpft sind (beispielsweise ein Kindestod).

„Paradoxical Magnification“ hilft den Patienten, zu erkennen, dass sie nicht in der schlimmstmöglichen Lage sind. Sie fühlen sich möglicherweise allein, da sie eine Trennung hinter sich haben, aber sie sind weit entfernt vom schlimmsten Level der Einsamkeit, in der sie weder Verwandte noch Freunde hätten.

Leiden macht uns weise und Widerstandsfähigkeit macht uns stark

Es gibt nichts im Leben eines Menschen, dass ihn herunterziehen kann, wenn er es nicht selbst erlaubt. Wir selbst ziehen die Grenzen. Wir sind diejenigen, die entscheiden, ob wir schädlichen Kommentaren von negativen Leuten zuhören oder nicht.

Es gibt Menschen, die bittere Momente erleben und am Ende selbst ganz verbittert sind und das auch an andere weitergeben. Und dann gibt es andere, die diese Bitterkeit in etwas, das sie sich vom Leben wünschen, verwandeln: Sie wissen, was es ist, und auch, was sie nicht für sich selbst und für andere wollen. Diese sind Menschen des Lichts, die aus dem Grau ihrer Existenz ausgebrochen sind.

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Wenn wir die Grenzen von Hohn, Schmerz, Demütigung, Verurteilung, Unglück übertragen, und sehen, dass wir bereits gelitten haben, dann haben wir die wahre Bedeutung unserer Existenz verstanden. Denn nur, wenn du den Grund erreicht und diesen Prozess nachvollzogen hast, erkennst du auch, dass deine einzige Option ist, wieder nach oben zu steigen.

Wir fallen mit der Gewissheit, dass wir nun nicht mehr länger nach unserem Ego handeln, sondern nach unseren authentischen, persönlichen Werten. Wir werden uns vor dem Wettbewerb mit anderen zurückziehen, schlichtweg um für unsere eigenen Träume zu kämpfen. Bei solch schlechten Erfahrungen und Leiden liegt das Beste noch vor dir – du musst nichts dafür tun. Schreite voran, mache dich bereit, zu leben, und lass die Dinge einfach auf dich zukommen. Du bist so tief gefallen, dass es nur noch aufwärts gehen kann.

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