Was ist klassische Konditionierung in der Psychologie?

Die klassische Konditionierung ist ein Lernprozess, der durch Assoziationen zwischen einem Umweltreiz und einem natürlichen Reiz entsteht.
Was ist klassische Konditionierung in der Psychologie?

Letzte Aktualisierung: 27. November 2021

Die klassische Konditionierung ist eine Art des Lernens, die einen großen Einfluss auf den Behaviorismus hatte, einen systematischen Ansatz in der Psychologie, der im 19. Jahrhundert aufkam und davon ausgeht, dass viele Verhaltensweisen das Ergebnis einer Assoziation sind: Reflexe, die durch eine konditionierte Reaktion auf bestimmte Reize hervorgerufen werden. Diese Assoziation ist auch eine Folge der Geschichte dieser Person.

Der russische Physiologe Iwan Pawlow ist neben John B. Watson der führende Vertreter der klassischen Konditionierung, die zusammen mit der operanten oder instrumentellen Konditionierung zu den Schlüsselprozessen des Behaviorismus gehört.

“Konditioniere die Leute so, dass sie nichts erwarten, und du wirst alle für das Mindeste begeistern, was du ihnen bieten kannst.”

Ivan Pavlov

die klassische Konditionierung von Pavlov

Was ist die klassische Konditionierung?

Der Behaviourismus geht davon aus, dass jedes Lernen durch Interaktionen mit der Umwelt erfolgt, die das Verhalten prägt. Bei der klassischen Konditionierung erfolgt der Lernprozess durch die Assoziation eines Anfangsreizes (z. B. der Geruch von Lebensmitteln), der eine regelmäßige und messbare unkonditionierte Reaktion (z.B. Speichelfluss) im Organismus hervorruft, mit einem neutralen Ereignis (z. B. einem Geräusch), das vor der Konditionierung keine Reaktion (Speichelfluss) hervorgerufen hat.

Nach mehreren aufeinanderfolgenden räumlich-zeitlichen Darbietungen übernimmt das neutrale Ereignis die Funktionen des Anfangsreizes und löst die gleiche Reaktion aus wie der Anfangsreiz. So kann ein Geräusch den Speichelfluss auslösen.

Es ist wichtig zu wissen, dass bei der klassischen Konditionierung ein neutraler Reiz vor einem natürlichen Reflex gesetzt wird. In Pawlows klassischem Experiment mit Hunden war der neutrale Hinweis ein Ton und der natürliche Reflex war Speichelfluss als Reaktion auf Futter. Durch die Assoziation des neutralen Reizes mit dem Umweltreiz (Präsentation des Futters) konnte der Ton (konditionierter Reiz) die Speichelreaktion auslösen.

Wie die klassische Konditionierung funktioniert: Grundprinzipien

Bei der klassischen Konditionierung wird eine Assoziation zwischen zwei Reizen hergestellt, die zu einer erlernten Reaktion führt. Für sie gibt es drei grundlegende Phasen in diesem Prozess:

Phase 1. Vor der Konditionierung

Der erste Teil des klassischen Konditionierungsprozesses erfordert einen Reiz (wir nennen ihn unkonditioniert), der automatisch eine Reaktion hervorruft. Im obigen Beispiel ist der Speichelfluss als Reaktion auf den Geruch von Essen ein natürlicher Reiz.

In dieser Phase des Prozesses führt der unkonditionierte Reiz zu einer unkonditionierten Reaktion. Zum Beispiel löst die Darbietung von Essen (unkonditionierter Stimulus) ganz natürlich und automatisch eine Speichelreaktion (unkonditionierte Reaktion) aus.

Es gibt auch einen neutralen Stimulus, der noch keine Wirkung zeigt. Erst wenn dieser neutrale Reiz mit dem unkonditionierten Reiz gepaart wird, kommt es zur Auslösung einer Reaktion.

Der unkonditionierte Reiz löst also eine unkonditionierte, natürliche und automatische Reaktion aus. Wenn man zum Beispiel den Geruch eines Lebensmittels wahrnimmt, das man sehr mag, kann das Hunger auslösen. In diesem Fall ist der Geruch des Essens der unkonditionierte Reiz.

Die unkonditionierte Reaktion ist die ungelernte Reaktion, die als Reaktion auf den unkonditionierten Reiz natürlich auftritt. Das heißt, das Hungergefühl als Reaktion auf den Geruch von Essen ist die unkonditionierte Reaktion.

Was ist die klassische Konditionierung zum Training von Hunden

Phase 2. Während der Konditionierung

In der zweiten Phase des klassischen Konditionierungsprozesses wird der zuvor neutrale Reiz wiederholt mit dem unkonditionierten Reiz gepaart. Als Ergebnis dieser Paarung entsteht eine Assoziation zwischen dem zuvor neutralen Reiz und dem unkonditionierten Reiz. Der ehemals neutrale Reiz wird also als konditionierter Reiz bezeichnet. Die Versuchsperson wurde nun darauf konditioniert, auf diesen Reiz zu reagieren.

Der konditionierte Reiz ist ein zuvor neutraler Reiz, der nach der Assoziation mit dem unkonditionierten Reiz eine konditionierte Reaktion auslöst. Wenn wir also gleichzeitig mit dem Geruch eines Lebensmittels, das wir mögen, einen Pfiff hören, und das passiert viele Male, wird der Pfiff schließlich die konditionierte Reaktion von selbst auslösen. In diesem Fall ist der Pfiff der konditionierte Reiz.

Phase 3. Nach der Konditionierung

Sobald die Assoziation zwischen dem unkonditionierten Reiz und dem konditionierten Reiz hergestellt ist, löst die Darbietung des konditionierten Reizes allein eine Reaktion aus (auch ohne die Darbietung des unkonditionierten Reizes).

Die resultierende Reaktion wird als konditionierte Reaktion bezeichnet. Die konditionierte Reaktion ist die erlernte Reaktion auf den zuvor neutralen Reiz. Im obigen Beispiel würde die konditionierte Reaktion darin bestehen, beim Hören des Pfeifens Hunger zu verspüren.

Die wichtigsten Prinzipien der klassischen Konditionierung

Verhaltensforscher haben eine Reihe verschiedener Phänomene im Zusammenhang mit der klassischen Konditionierung beschrieben. Einige dieser Elemente beziehen sich auf die anfängliche Einrichtung der Reaktion, während andere das Verschwinden einer Reaktion beschreiben. Diese Elemente sind wichtig, um den Prozess der klassischen Konditionierung zu verstehen.

Der Erwerb ist die Anfangsphase des Lernens, in der eine Reaktion erstmals etabliert und allmählich verstärkt wird. In der Erwerbsphase der klassischen Konditionierung wird ein neutraler Reiz wiederholt mit einem unkonditionierten Reiz gepaart.

Erinnere dich daran, dass der unkonditionierte Reiz natürlich und automatisch eine Reaktion auslöst, ohne dass du etwas gelernt hast. Sobald die Assoziation hergestellt ist, beginnt die Versuchsperson, ein Verhalten als Reaktion auf den zuvor neutralen Reiz zu zeigen, der nun als konditionierter Reiz bezeichnet wird. Zu diesem Zeitpunkt ist die Reaktion erlernt.

Extinktion tritt ein, wenn das Auftreten einer konditionierten Reaktion abnimmt oder verschwindet. Bei der klassischen Konditionierung geschieht dies, wenn ein konditionierter Reiz nicht mehr mit einem unkonditionierten Reiz gepaart wird.

Die erlernte Reaktion

Manchmal kann eine erlernte Reaktion jedoch auch nach einer Phase der Auslöschung plötzlich wieder auftauchen. Spontane Erholung ist das Wiederauftreten der konditionierten Reaktion nach einer Ruhephase oder einer Periode mit verminderter Reaktion. Wenn der konditionierte Reiz und der unkonditionierte Reiz nicht mehr miteinander verbunden sind, tritt die Löschung sehr schnell nach der spontanen Erholung ein.

Die Reizgeneralisierung ist die Tendenz des konditionierten Reizes, ähnliche Reaktionen hervorzurufen, nachdem die Reaktion konditioniert wurde. In John B. Watsons berühmtem Little-Albert-Experiment wurde ein kleiner Junge darauf konditioniert, eine weiße Ratte zu fürchten. Das Kind zeigte eine Verallgemeinerung des Reizes, indem es auch auf andere unscharfe weiße Objekte, wie z. B. Plüschtiere und Watsons eigene Haare, mit Angst reagierte. Während dieses Experiment den konditionierten Mechanismus beim Erwerb von Phobien demonstriert, erinnern uns seine Folgen auch daran, wie wichtig es ist, in der psychologischen Forschung eine ethische Perspektive zu wahren.

Little-Albert-Experiment

Diskrimination ist die Fähigkeit, zwischen einem konditionierten Reiz und anderen Reizen zu unterscheiden, die nicht mit einem unkonditionierten Reiz gepaart wurden. Wenn die Versuchsperson also in der Lage ist, zwischen zwei Reizen zu unterscheiden, wird sie nur reagieren, wenn der konditionierte Reiz präsentiert wird.

Die fünf Hauptprinzipien der klassischen Konditionierung sind Erwerb, Löschung, spontanes Abrufen, Reizgeneralisierung und Reizunterscheidung.

klassische Konditionierung: Anwendungen in der Psychologie

Die Prinzipien der klassischen Konditionierung werden auch heute noch in verschiedenen therapeutischen Ansätzen in der Psychologie eingesetzt. Einige der am häufigsten verwendeten Mittel sind:

Gegenkonditionierung

Bei der Gegenkonditionierung geht es darum, eine unerwünschte Reaktion zu verlernen, indem angenehme Reize präsentiert werden. Bei der Behandlung einer Phobie kann der phobische Reiz zum Beispiel zusammen mit etwas präsentiert werden, das für die betroffene Person angenehm ist, sodass sich Reaktionen einstellen, die es ermöglichen, die Phobie nach und nach zu überwinden.

Systematische Desensibilisierung

Die systematische Desensibilisierung ist eine Technik zur Verhaltensänderung, die darin besteht, die Person schrittweise dem phobischen Reiz auszusetzen, um die Angstreaktionen zu reduzieren und verschwinden zu lassen.

Flooding

Das Ziel der Flooding-Technik ist es, die Vermeidungsreaktionen zu beenden, indem die Person der gefürchteten Situation ausgesetzt wird und daran gehindert wird, zu fliehen. Ziel ist es, das Angstmotiv so lange zu konfrontieren, bis die Angstreaktion verschwindet.

Klassische Konditionierung und Werbung

Heutzutage gibt es viele klare Beispiele für die Anwendung der Theorie der klassischen Konditionierung. Eine davon, die von großer Bedeutung ist, ist die Werbung. Werbung nutzt die klassische Konditionierung als Taktik, um eine Reaktion hervorzurufen.

Werbung in Spielshows ist eines von vielen Beispielen. Durch die aufregende und positive Atmosphäre einer Spielshow kann der Zuschauer aufgrund der Assoziation mit der Umgebung eine aufregende Reaktion auf die Werbung hervorrufen.

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