Was der Tonfall kommuniziert

· 26. August 2018

Der Tonfall ist eines der prägenden Elemente der Kommunikation. Es gibt Faktoren im Klang unserer Stimme, die der gesendeten Botschaft (bewusste oder unbewusste) Bedeutung verleihen. Einige dieser Faktoren sind: Timbre, Lautstärke, Sprechtempo, Artikulation, Betonung usw.

Ein und derselbe Satz kann – je nach Tonfall –  unterschiedliche psychologische Informationen vermitteln. Das zeigt, dass in jedem unserer Worte sowohl verbaler als auch nonverbaler Inhalt vorhanden ist. Der nonverbale Teil ist schwieriger zu kontrollieren, und folglich umso authentischer.

„60 % Prozent aller menschlicher Kommunikation ist nonverbal – Körpersprache. 30 % macht der Tonfall aus. Das bedeutet also, dass 90 % von dem, was du sagst, nicht aus deinem Mund kommt.“

Hitch

Wir können viel über den Gemütszustand unserer Mitmenschen herausfinden, wenn wir auf ihren Tonfall achten. Selbst wenn sie in einer unbekannten Sprache sprechen, können wir etwas darüber erfahren, wie sie sich fühlen und was sie denken, indem wir genau zuhören und darauf achten, wie sie sprechen. Folgend erklären wir, wie man identifiziert, was der Tonfall kommuniziert.

Eine Arbeitsgruppe unterhält sich

Tonfall und Wahrnehmung

Das Labor für Instrumentelle Analytik der Kommunikation an der Autonomen Universität von Barcelona (Spanien) hat eine Studie über Tonfall und Wahrnehmung durchgeführt. Fünf Ergebnisse dieser Studie sind besonders bemerkenswert:

  • Eine tiefe Stimmlage deutet auf Reife hin und erzeugt Vertrauen. Das wird vor allem in der Werbebranche genutzt.
  • Eine extrem tiefe Stimmlage vermittelt hingegen ein ungutes Gefühl.
  • Menschen, die eine sehr hohe Stimme haben, vermitteln wenig Glaubwürdigkeit.
  • Ein konsequenter, selbstsicherer Tonfall lässt vermuten, dass der Gesprächspartner angesehen und einflussreich ist.
  • Sehr zurückhaltendes Sprechen lässt darauf schließen, dass diese Person große Schwächen hat oder unbeholfen ist.

Die Stimme ist ein derart persönliches Merkmal, dass sie heutzutage sogar dazu verwendet wird, Identitäten zu überprüfen und Zugang zu Technologien zu erteilen. In Gerichtsverfahren dient sie außerdem als Beweismaterial. Sie ist mindestens genauso glaubwürdig wie ein Fingerabdruck, wenn nicht sogar glaubwürdiger.

Ein Junge schreit ins Mikrofon

Weiteres Wissenswertes

Psychologen haben sich bemüht, die verborgene Botschaft, die hinter unterschiedlichen Tonfällen steckt, zu identifizieren. Mittlerweile gibt es eine beträchtliche Liste der Interpretationen dieser Details, die von den meisten von uns unbemerkt bleiben. Schauen wir uns ein paar davon an.

Atmung

Die Art und Weise, in der wir atmen, während wir sprechen, gibt Rückschüsse auf das Tempo, in dem wir unser Leben leben.

  • Ruhig: Ausgeglichenheit
  • Tief und gleichmäßig: Energie und Lebhaftigkeit
  • Tief, gleichmäßig und stark: aufgestaute Wut
  • Oberflächlich: mangelnde Zweckmäßigkeit
  • Kurz und rasch: Angst, Not

Lautstärke

Sie definiert allgemein, wie wir mit uns selbst und mit anderen interagieren.

  • Normal: Selbstbeherrschung und die Fähigkeit, zuzuhören
  • Hoch: Schwäche, Egoismus und Ungeduld
  • Niedrig: Unerfahrenheit und Hemmung

Aussprache oder Artikulation

Die Artikulation hat mit der Fähigkeit und dem Wunsch zu tun, verstanden zu werden.

  • Deutlich: geistige Klarheit, Offenheit für Kommunikation
  • Ungenau: Täuschung oder geistige Verwirrung
  • Sehr deutlich: Narzissmus, Anspannung
  • Stockend: Aggressivität, Hemmung

Sprachtempo

Das Sprachtempo gibt Auskunft über den Gemütszustand, in dem wir uns befinden.

  • Langsam: Mangel an Interesse oder Isolation
  • Schnell: Nervosität und Wunsch, Informationen zu verbergen
  • Regelmäßig: zurückhaltend, hineinfressend, unnatürlich
  • Unregelmäßig: Verwirrung, Angst, Kommunikationsausfall
Ein junger Mann lächelt und redet in einem höflichen Tonfall

Stimme und Beziehung

Der Tonfall ist wie eine Briefmarke. Selbst wenn unser Ansprechpartner kein Experte in diesem Fach ist, entnehmen wir seiner Stimmlage unbewusst eine Botschaft. Diese Botschaft prägt das Bild, dass wir uns von dieser Person machen.

Was der Tonfall kommuniziert, ist auch die Art der Beziehung, die man zu jemanden haben möchte. Wenn jemand kalt und scharf ist, will er damit wohl Abstand herstellen. Und falls jemand warm und herzig auftritt, versucht er, Nähe zu gewinnen. Der Tonfall gibt innerhalb der Beziehung den Ton an.

Eine gute Art, Selbsterkenntnis zu üben, besteht darin, sich in verschiedenen Szenarien aufzunehmen und diesen verborgenen Tönen in unserer Stimme zuzuhören. Der Tonfall ist ein großartiges Mittel, um die Kommunikation zu erweitern und Beziehungen aufzubauen. Und genau aus diesem Grund lohnt es sich, dieses Mittel zu nutzen zu lernen.