Unsere Augen werden niemals Untertitel brauchen

· 27. Oktober 2017

Die Augen eines lachenden Kindes sind das Spiegelbild des ehrlichen und ungestümen Glücks. Ein leidenschaftlicher Blick einer Person, die einem geliebten Menschen Aufmerksamkeit schenkt, ist wie ein offenes Buch. Wir Menschen können mit den Augen sprechen, und diese Sprache braucht weder Worte noch Untertitel, lediglich die Macht einiger Gefühle, die unserem Inneren entspringen.

Unsere Augen sind darüber hinaus auch der beste Indikator für unsere Gemütslage, und nicht nur das. Laut einiger Studien könne man in unserem Blick außerdem viele unserer Absichten, seien es gute oder böse, erkennen. Durch unsere Augen können wir unseren Mitmenschen unvermittelt zustimmen, können Zuneigung, Abneigung, Angst oder Unbehagen ausdrücken.

Die Augen sind die Boten der Seele, denn während Worte voller Heuchelei sein können, sind unsere Augen die Fenster zu unserem Herzen und sprechen die Sprache unserer Gefühle. Unsere Augen brauchen keine Untertitel.

Eine Frage, die im Bezug auf den Blick stets aufkommt und unvermeidbar mit der Psychologie des Menschen zu tun hat, lautet: Kann jemand andere mit seinem Blick täuschen? Die Antwort auf diese Frage ist ja. Fähig sind dazu vor allem Menschen, die die nonverbale Sprache äußerst gut beherrschen und sich kontrollieren können.

Buntes Auge

Unsere Augen und das Geheimnis der Pupillen

Eckhard Hess war Psychologe und Augenarzt, der von seiner Frau auf etwas aufmerksam gemacht wurde, das sie beobachtete, als er im Bett las. Während er in seine Lektüre vertieft war, bemerkte Frau Hess, dass sich die Pupillen ihres Mannes in bestimmten Momenten weiteten, um sich kurz darauf wieder zu verkleinern.

Doktor Eckhard Hess, der wegen dem, was seine Frau beobachtet hatte, ganz neugierig geworden war, führte kurzerhand mit seinen Studenten ein Experiment durch. Die Aufgabe war ganz einfach: Er gab ihnen ein Buch zu lesen und zwischen den Seiten versteckte Bilder von Frauen aus der Zeitschrift Playboy.  Hess konnte den Studenten an ihren Pupillen ansehen, wann sie diese unerwarteten Entdeckungen machten, denn sie bewirkten eine faszinierende Weitung derselben.

Eckhard Hess belegte dadurch, dass das vegetative Nervensystem, das im Wesentlichen für unbewusste Reaktionen verantwortlich ist, in direktem Zusammenhang mit der Macht der Gefühle steht. Wenn unsere Augen etwas Interessantes wahrnehmen oder wir ein spannendes Gespräch führen, weiten sich unsere Pupillen. Das Gleiche passiert auch, wenn unser Blick plötzlich auf etwas Aufregendes fällt, das uns gefällt, anzieht, oder auch abschreckt.

Mit den Augen sprechen wir eine universelle Sprache

Das Geheimnis der Pupillen war schon immer ein faszinierendes Thema, das uns im Grunde genommen zwei Dinge gelehrt hat: Erstens findet eine Weitung der Pupillen nicht nur bei fehlendem Licht statt und zweitens sind unsere Pupillen direkt mit unseren Gefühlen verbunden und ihre Weitung findet unfreiwillig statt. Sie sind das reine und eindeutige Spiegelbild unserer Gefühle.

Ein Blick sagt, was das Herz verschweigt.

Wenn ein Blick ehrlich ist, wird er zur Brücke zwischen zwei Seelen

Unsere Augen geben Auskunft darüber, wie wir uns mit unseren Mitmenschen verbinden: Der Blick eines Menschen kann eine Brücke voller Zuneigung, innerer Ruhe und Frieden sein, die von den Augen des Gegenübers direkt zu unserer Seele führt. Andere Male hingegen ist der Ozean der Iris ein von Trostlosigkeit und Enttäuschungen geprägter Weg.

Wer nach außen schaut, der träumt; wer nach innen schaut, der erwacht.

Die Art und Weise, wie wir jemanden anschauen, nährt uns selbst mit Gefühlen und ist gleichzeitig ein Zeichen der Verbindung – oder einer fehlenden Verbindung – zwischen zwei Gesprächspartnern. Die harmonischsten Gespräche sind die, in denen sich Menschen in die Augen sehen, sich Aufmerksamkeit schenken und empathisch miteinander sind. Andererseits gibt es da auch jene Freunde, die den Blickkontakt lieber vermeiden, es vorziehen, zur Seite zu schauen, den Blick senken und vor unserem Blick fliehen.

Sozialphobie, Schüchternheit und Introvertiertheit sind hin und wieder für diese Blicke verantwortlich, die kommen und gehen und die aus Unbehagen, Angst oder Desinteresse nicht lange in Richtung ein und desselben Gesichtes gehen. In diesen Fällen ist es sehr schwierig, Brücken zu bauen und eine angemessene emotionale Bindung herzustellen.

Portrait eines Mannes mit wunderschönen braunen Augen

Ein ebenfalls interessanter Aspekt ist das Ergebnis einer von Dr. Simon Baron-Cohen an der University of Cambridge (England, Vereinigtes Königreich) durchgeführten Studie. Dank ihrer Versuche, die in einem Zeitraum von mehreren Jahren realisiert wurden, fand man heraus, dass Frauen wesentlich fähiger dazu sind, anhand eines Blickes zu erkennen, wie sich ihr Gegenüber fühlt und welche Absichten er hat, als Männer. Frauen und Männer erzielten aber ähnliche Punktzahlen, wenn es darum ging, die Körpersprache Dritter zu interpretieren.

…doch die Augen bleiben ein tiefgründiges Universum, das der Blick einer Frau zumindest ein Stück weit durchschauen und entschlüsseln kann.