Typische Verhaltensmuster von Menschen mit bipolarer Störung

Die frühzeitige Diagnose der bipolaren Störung ist grundlegend, um Betroffenen helfen zu können, allerdings beginnt diese Krankheit schleichend.
Typische Verhaltensmuster von Menschen mit bipolarer Störung

Letzte Aktualisierung: 14. Dezember 2023

Menschen mit bipolarer Störung sind an typischen Verhaltensmustern zu erkennen, die sich in den verschiedenen Phasen der Erkrankung zeigen. Wir beleuchten deshalb im Folgenden die häufigsten Merkmale, um ein umfassenderes Verständnis für die vielschichtige Natur dieser Erkrankung zu fördern.

Die bipolare Störung wird im ICD-11 als Krankheit definiert, bei der es mindestens zu zwei Episoden kommt, in denen die Stimmung und das Aktivitätsniveau der betroffenen Person deutlich gestört sind. Während der Hypomanie oder Manie erleben sie Euphorie und vermehrte Aktivität, danach folgt eine depressive Phase. Die Episoden wechseln sich in unterschiedlichen Mustern ab:

  • Bipolar-I-Störung: Ausgeprägte Manien und Depressionen.
  • Bipolar-II-Störung: Depressionen und schwach ausgeprägte Manien (Hypomanien).

Folgende Verhaltensmuster sind für Menschen mit bipolarer Störung charakteristisch:

1. Geringes Schlafbedürfnis

Menschen mit bipolarer Störung leiden an einem veränderten zirkadianen Rhythmus, deshalb haben sie in der Regel während der manischen Episode ein geringes Schlafbedürfnis, benötigen jedoch in der depressiven Phase überdurchschnittlich viel Schlaf. Dies ist auf veränderte Melatoninwerte (Schlafhormon) zurückzuführen.

2. Schnelle, schwer verstehbare Sprache

Zu den auffälligsten Symptomen der bipolaren Störung gehören Sprachstörungen, die auf eine formale Denkstörung zurückzuführen sind. Betroffene wiederholen immer wieder die gleichen Gedanken (Perseveration) und sind langsam. Sie erfinden außerdem neue Wörter oder reden am Thema vorbei und ignorieren Fragen. Ein weiteres Merkmal ist, dass ihre Gedanken plötzlich abreißen und sie über etwas anderes sprechen.

3. Riskante Verhaltensweisen

Eine bipolare Störung ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Während der manischen Episode bringen sich Betroffene oft in Gefahr, denn sie überschätzen sich und kennen keine Grenzen. Rücksichtsloses Fahren, riskantes Sexualverhalten, aggressives Verhalten oder Suizidverhalten sind häufig zu beobachten.

4. Unkontrolliertes Konsumverhalten

Menschen mit bipolarer Störung geben Geld oft unkontrolliert aus, was häufig zu Schulden führt. Sie haben Probleme mit ihrem Geldmanagement und sind gedankenlos und verschwenderisch.

5. Reizbarkeit und Aggressivität

Der Umgang mit bipolaren Menschen kann kompliziert sein: Sie sind oft reizbar und aggressiv, interpretieren andere falsch und ziehen voreilige Schlüsse. Sie reagieren zum Teil auf paranoide Weise und versuchen, sich zu verteidigen.

6. Plötzliche Stimmungsschwankungen

Eines der Hauptmerkmale von Menschen mit bipolarer Störung sind die extremen Stimmungsschwankungen zwischen Euphorie und Depression. Ihre Gefühle verändern sich außerdem auch innerhalb derselben Polarität stark.

7. Aufputschmittel und Drogen

Menschen mit bipolarer Störung greifen oft auf Drogen zurück, um besser mit ihren psychischen Problemen umzugehen. Dies ist auch eine Folge ihres Risikoverhaltens. Mit bestimmten Substanzen verstärken sie ihre positiven Empfindungen und wirken depressiven Zuständen entgegen.

8. Probleme mit dem Gesetz

Häufig führt das Risikoverhalten von Menschen mit bipolarer Störung zu Gesetzesüberschreitungen. Die Realität setzt Grenzen, die sie oft nicht einhalten.

9. Extravagantes und unangemessenes Auftreten

Bipolare Menschen kleiden sich oft auffällig oder unangemessen. In einer manischen Phase bezwecken sie damit, Aufmerksamkeit zu erregen. Sind sie depressiv, vernachlässigen sie häufig ihre Körperpflege und Hygiene.

10. Selbstüberschätzung

Betroffene haben während der manischen Episode das Gefühl, alles bewältigen zu können. Sie sind enthemmt und impulsiv, deshalb bringen sie sich oft in Gefahr.

11. Unentschlossenheit und Prokrastination

Menschen mit bipolarer Störung sind desorganisiert, prokrastinieren und bringen nichts zu Ende. Sie halten sich oft nicht an die logische Reihenfolge der auszuführenden Schritte und erreichen deshalb auch ihre Ziele nicht.

12. Keine pharmakologische Behandlung

Menschen mit bipolarer Störung werden in der Regel mit Stimmungsstabilisatoren wie Lithiumsalze behandelt, um ihre Symptome zu kontrollieren. Die Abbruchquote ist allerdings sehr hoch. Ein wichtiges Ziel der Behandlung ist deshalb, sie zur Kontinuität anzuregen.

13. Beeinträchtigte Konzentration und Exekutivfunktionen

Defizite bei kognitiven Funktionen gehören zu den häufigsten Beschwerden von Menschen mit bipolarer Störung. Während der depressiven Episode ist ihre Verarbeitungsgeschwindigkeit langsamer. Auch die exekutiven Funktionen und die Konzentrationsfähigkeit sind beeinträchtigt.

In der manischen Phase kommt es zu Denk- und Planungsschwierigkeiten und zu ungehemmten Verhalten. In der stabilen Phase experimentieren Betroffene häufig Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis.

14. Kein Krankheitsbewusstsein

Viele Betroffene sind sich ihrer Krankheit kaum bewusst. Sie erkennen nicht, dass sie professionelle Hilfe benötigen, insbesondere nicht in der hypomanischen Episode.

Subtile Veränderungen von Menschen mit bipolarer Störung

Die frühzeitige Diagnose der bipolaren Störung ist grundlegend, um Betroffenen helfen zu können, allerdings beginnt diese Krankheit schleichend. Die Beobachtung subtiler Veränderungen ist deshalb entscheidend.


Alle zitierten Quellen wurden von unserem Team gründlich geprüft, um deren Qualität, Verlässlichkeit, Aktualität und Gültigkeit zu gewährleisten. Die Bibliographie dieses Artikels wurde als zuverlässig und akademisch oder wissenschaftlich präzise angesehen.



Dieser Text dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die Beratung durch einen Fachmann. Bei Zweifeln konsultieren Sie Ihren Spezialisten.