Streitlustige Menschen erzeugen ein toxisches Umfeld

8. Oktober 2017 en Psychologie 250 Geteilt

Streitlustige, fordernde und nicht mitfühlende Menschen erzeugen ein toxisches Umfeld, in dem sich Negativität breitmacht und das manchmal sogar krankmacht. Es ist eine Realität, die wir oftmals im familiären Umfeld oder am Arbeitsplatz antreffen, wo stickige Luft herrscht, wo der Stress physischer Natur, die Angst klar erkennbar und das Unglück ein unerbittlicher Virus ist.

„Manche Menschen erzeugen Glück dort, wohin sie gehen, andere erschaffen es, wenn sie gehen.“

Oscar Wilde

Experten auf dem Gebiet des Arbeitsklimas unterscheiden zwischen Unternehmen, in denen ein „toxisches Umfeld“ herrscht, und jenen, in denen ein „nahrhaftes Umfeld“ erkannt wird. Aber auch wir als Laien können eine solche Unterscheidung vornehmen und brauchen dafür auch gar nicht lange Zeit. Zwar gibt es Indikatoren, anhand derer wir objektiv und eindeutig abwägen können, wie sich das Arbeitsklima gestaltet, doch manchmal reicht es schon, durch ein Unternehmen zu gehen, um diese Spannung, dieses strukturierte Unbehagen und diesen Druck zu spüren, der sich auf den Gesichtern der Angestellten abzeichnet.

Das Gleiche trifft auch auf die Familie zu. Körperhaltung, die Art der verwendeten Sprache und Ton teilen uns viel mit hinsichtlich der Einstellung jedes einzelnen zu seiner Rolle in der Familie, in diesem emotional komplexen Konstrukt.

Toxische Umfelder existieren in allen Personenkreisen und wirken sich auf alle Beteiligten aus, ja sogar Dritte können sie zu spüren bekommen, weil sie sich vor den feindseligen Gefühlen, Unsicherheiten, der Aggressivität und dem generellen Druck nur schwer abschirmen können.

Im weiteren Verlauf dieses Artikels möchten wir auf diese Thematik näher eingehen.

Das Unglücksimperium im toxischen Umfeld

Wir wissen, dass der Ausdruck „toxische Menschen“ zur Zeit in Mode ist. Aber wir müssen aufpassen, wenn wir auf ihn stoßen, denn häufig wird er falsch benutzt. Manchmal wird dieser Stempel Menschen aufgedrückt, die in Wahrheit an einer Depression, einer Angststörung oder einem anderen gesundheitlichen Problem leiden. Wir sollten daher vorsichtig, behutsam und sensibel mit diesem Thema umgehen. Was allerdings spürbar ist, ist das Klima, das sich rund um jene wahrhaft toxischen Menschen bildet, die sich durch mangelndes Mitgefühl und noch weniger nützlicher Empathie sowie Streitlust charakterisieren.

Vor einigen Jahren listete das Wirtschaftsmagazin Fortune  die Unternehmen, in den man weltweit am besten arbeiten könne. Das Ranking basierte dabei nur teilweise auf Faktoren wie Gehalt und Aufstiegschancen, sondern man bewertete in erster Linie die Zufriedenheit der Beschäftigten. Man stellte fest, dass toxische Umfelder in einem Großteil der Unternehmen auf allen Stufen der Hierarchie zur Unzufriedenheit führten – systematisch und chronisch.

In manchen Fällen reicht es nicht aus, Führungskräfte zu ersetzen, um aus einem toxischen Umfeld ein nahrhaftes zu machen. Die Struktur des Unternehmens selbst und die Firmenpolitik erzeugen Umfelder, die auf Kontrolle und der Erreichung von Zielen beruhen, wobei diese Aspekte über dem Wohlbefinden der Mitarbeiter stehen, die besser den Kopf senken sollen. Es wird vermittelt, dass es besser sei, zu schweigen und alles hinzunehmen, um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren.

Nach und nach wächst das Imperium des Unglücks in Form von Angst und Unsicherheit in den Köpfen der Menschen in diesem toxischen Umfeld, das die Produktivität mindert, Innovation und Kreativität hemmt und vor allem die Gesundheit schwächt.

Wie wichtig es ist, ein nahrhaftes Umfeld zu erschaffen

Im Laufe unseres Lebens treffen wir in sämtlichen Lebensbereichen auf streitlustige Menschen. Doch uns muss klar sein, dass wir nicht immer Abstand nehmen können, es nicht immer leicht ist, die Verbindung zu ihnen zu kappen und in die nächste Stadt zu ziehen, wo auch keine gesunde Ruhe herrscht und mit Sicherheit andere komplizierte Personen leben. Das gilt insbesondere, wenn diese streitlustige Person mit uns zusammenlebt oder mit uns arbeitet, in diesem toxischen Umfeld, dessen Luft wir tagtäglich einatmen.

„Das kaputte Rad am Wagen ist das, das am meisten Lärm verursacht.“

Äsop

Erstaunlicherweise tauchten auf dem Arbeitsmarkt vor wenigen Jahren Figuren auf, die sich „Glückscoach“ oder „Coach für Wohlbefinden und Zufriedenheit“ nannten. Bei ihnen handelte es sich um geschulte Menschen, um Experten dem Gebiet des Arbeitsklimas, deren Ziel es war, ein vertrauensvolles, von einer angemessenen Kommunikation geprägtes Umfeld zu erzeugen, in dem sich Mitarbeiter tatsächlich geschätzt fühlen. Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die sich hierauf spezialisieren, unterstreicht nur die Missstände, die wir zuvor beschrieben haben.

Wir sollten versuchen, die Politiken, Mentalitäten und Sichtweisen zu ändern. Die Rede ist hierbei nicht nur davon, dass Umfeld am Arbeitsplatz zu verbessern, wir sprechen auch von der Notwendigkeit, Anpassungen an Schulen und Hochschulen vorzunehmen: Umfelder, in denen sich zukünftige Generationen bilden. Wenn viele Menschen an unterschiedlichen Stellen ein Körnchen beitragen, lässt sich viel bewirken.

Nahrhafte Umfelder zeichnen sich durch Beständigkeit, Respekt und Würde aus, es werden Produktivität und Kreativität, aber auch persönliches Wachstum und Empathie gefördert. Das ist doch ein anstrebenswertes Ziel, oder? Anfangen sollten wir ganz ohne Zweifel bei denjenigen, die uns am nächsten sind und die uns Tag ein Tag aus umgeben, an unserem Arbeitsplatz, in unserer Familie, bei uns selbst.

Persönliche Würde bedeutet, einzusehen, dass
wir alle etwas Besseres verdienen

Es gibt diesen unbestreitbaren Wert,
den man persönliche Würde nennt… >>> Mehr

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Nicoletta Ceccoli

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