Persönliche Würde bedeutet, einzusehen, dass wir alle etwas Besseres verdienen

24. Juli 2017 en Emotionen 279 Geteilt

Es gibt diesen unbestreitbaren Wert, den man persönliche Würde nennt. Sie ist eine bedingungslose Eigenschaft aller Menschen, und diese Tatsache sollte uns jeden Tag in Erinnerung rufen, dass niemand uns ausnutzen darf, dass wir frei sind, ebenso viel wert sind wie jeder andere auch, die Verantwortung für uns selbst tragen und verdienen, dass man uns einen gewissen Respekt entgegenbringt.

Persönliche Würde ist zweifellos eines der interessantesten, aber gleichzeitig am meisten vernachlässigten Konzepte, wenn es um persönliches Wachstum geht. Aus irgendeinem Grund haben wir vergessen, dass sie nicht von der Anerkennung anderer abhängt. So mancher ist darauf angewiesen, dass seine Mitmenschen ihm einen Wert zusprichen, um sich davon zu überzeugen, dass sie tatsächlich etwas wert sind.

„Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“

Immanuel Kant

Würde ist eine inhärente Eigenschaft, die wir von Geburt an besitzen. Wie Martin Luther King einst sagte, ist es dabei egal, welches Amt man innehat, welche Hautfarbe man hat und wie viel Geld man besitzt. Wir alle haben sie und auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung derselben sind wir fähig, eine bessere Gesellschaft zu erschaffen.

Allerdings geht Würde Hand in Hand mit Verwundbarkeit. Denn diese angeborene Eigenschaft hängt unmittelbar von unserem emotionalen Gleichgewicht und unserem Selbstbewusstsein ab. Es muss endlich Schluss sein damit, dass uns jemand schlecht behandelt und wir deshalb glauben, dass  wir der Liebe anderer nicht würdig wären. Es muss endlich Schluss sein damit, dass lange Arbeitslosigkeit uns das Gefühl gibt, dass wir nutzlos und unwürdig wären.

Lass uns einmal gemeinsam darüber nachdenken.

Was persönliche Würde nicht bedeutet

Von klein auf zu verstehen, dass wir nur das Beste verdienen, dass wir es verdienen, so wie wir sind mit Respekt behandelt zu werden, ist nicht arrogant. Unsere Identität zu verteidigen, unsere Freiheit und unser Recht auf eine eigene Stimme, eine eigene Meinung und eigene Werte, ist nicht Narzissmus. Sobald wir dies verstehen, stärkt unsere Würde unsere Persönlichkeit und wir erreichen eine innere Grundzufriedenheit. Aber wenn es eine Dimension unseres psychischen Wohlergehens gibt, die viele vernachlässigen, vergessen oder anderen überlassen, ist es eben jene Würde.

Eines muss außerdem klar sein: Die Hoffnung ist nicht das Letzte, was sterben sollte; in Wirklichkeit ist es unsere persönliche Würde, die wir uns bis zum letzten Atemzug bewahren müssen.

Im Folgenden schauen wir uns einmal an, wie es dazu kommen kann, dass wir sie dennoch vorzeitig verlieren.

Wir verlieren unsere persönliche Würde, wenn…

Unsere persönliche Würde ist nicht wie ein Schlüsselbund, den wir meist bei uns tragen und manchmal anderen überlassen. Würde ist kein materieller Besitz, sondern ein nicht übertragbarer, bedingungsloser, eigener und privater Wert. Man lässt sie nicht herumliegen, man verliert sie nicht und man verkauft sie nicht: sie ist immer bei uns.

  • Wir verlieren sie, wenn wir uns bloßstellen und systematisch ausgrenzen lassen.
  • Wir verlieren sie, wenn wir aufhören, uns selbst zu lieben.
  • Man verliert seine Würde, wenn man keine Ansprüche mehr hat und sich mit wesentlich weniger abfindet, als man verdient.
  • Auch wenn es kurios erscheinen mag, können wir unsere Würde auch verlieren, wenn wir zu viele Privilegien fordern und vergessen, dass unsere Würde nicht über der unserer Mitmenschen steht.

Wie wir unsere Würde stärken können

Zuallererst sollten wir verstehen, dass wir Herr unserer selbst sind. Wir sind unsere eigenen Dirigenten, unsere persönlichen Gurus, unser Steuerruder und unser Kompass. Wir sollten uns von niemanden auf Ozeane mitnehmen lassen, die nicht uns gehören, an Orte, die uns unglücklich machen.

Die zweite Säule der Würde ist es, uns zu erlauben, das zu erreichen, was wir erreichen wollen. Oft glauben wir, dass wir etwas Besseres nicht verdienten. Wir geben uns mit dem zufrieden, was uns das Leben bringt, als wären wir Statisten im Theater unseres eigenen Lebens.

Definiere deine Werte. Grundlegende Aspekte wie eine starke Identität, gesundes Selbstvertrauen und solide Werte bilden das Fundament unserer persönlichen Würde, und an diesem sollte niemand rütteln können.

Und schließlich sind da Selbstreflexion und Meditation. Es ist wichtig, dass wir uns im Verlaufe des Tages genügend Zeit für uns selbst nehmen. Wir brauchen jene Momente, um mit uns selbst in Kontakt zu treten und herauszufinden, wie es uns geht. Unsere Würde wird im Alltag auf vielfältige Weise „angetastet“ und es ist essenziell, die aus diesen Schlägen und kleinen Verletzungen resultierenden Wunden zu heilen.

Nicht zuletzt hat es oberste Priorität, dass wir die Menschenwürde als unantastbares Gesetz respektieren. Würde zu haben bedeutet eben auch, die Gleichheit aller anzuerkennen, egal in welchem Zustand und in welcher Lage sich andere Menschen befinden, egal wo sie herkommen, egal welcher sozialen Klasse sie angehören und egal an welchen Gott sie glauben. Um eine gerechtere Gesellschaft zu erschaffen, müssen wir bei uns selbst anfangen, bei Würde und Respekt.

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