Schätze Menschen, die dich suchen, und liebe Menschen, die dich nicht gehen lassen wollen

· 5. Dezember 2017

So wie es der spanische Psychologe Bernabé Tierno in seinem Buch Aprendiz de Sabio  (zu Deutsch: Der Lehrling des Weisen) ausdrückt, kann niemand das menschliche Bedürfnis nach Liebe anzweifeln, genauso wenig wie das Bedürfnis nach Nahrung, Luft, Licht, Wasser oder Sonne. Die Liebe ist ein spontanes und natürliches Gefühl. Daher sollten wir Menschen schätzen lernen, die uns suchen, und Menschen lieben, die uns nicht gehen lassen wollen.

Nach der Liebe eines anderen Menschen zu verlangen, ist so unpassend, wie einem Menschen zu verbieten, uns zu lieben, da jede Art der Liebe durch Spontanität und durch innere Freiheit geschaffen wird. Wir können weder kontrollieren, was wir fühlen, noch die Gefühle, die wir bei anderen Menschen hervorrufen, leiten.

„Ich schlage dir vor, dass du mich nicht suchst, sondern mich findest; dass du mich nicht anschaust, sondern mich durchschaust; dass du nicht mit mir sprichst, sondern mich fühlst; dass du mich nicht liebst, sondern dich mir hingibst; dass du du bist, ohne ganz du zu sein.“

Alejandro Esparza

Wenn wir lieben, dann lieben wir mit unserem ganzen Sein, unserer Intelligenz, unserem Körper, unseren Gefühlen und selbstverständlich unserem Herzen. Dem können wir uns nicht widersetzen, es ist wunderschön und manchmal auch schmerzhaft, aber es lehrt uns immer, wer wir sind.

Eine Frau mit einem Schirm vor einem roten Ahorn

Schätze die Menschen, die sich für dich interessieren

Manchmal akzeptieren wir, dass wir in der Liebe leiden, dass wir leiden müssen, um zu lieben, aber das ist ein Irrglaube, der uns von einer gesunden und ausgeglichenen Beziehung fernhält. Liebe und teile und erfreue dich zusammen mit deinem Partner an etwas. Liebe, aber bewahre dir auch deinen Freiraum, bleibe auch zukünftig du selbst.

Manchmal akzeptieren wir Situationen, in denen nur wir Interesse zeigen, in denen nur wir sagen „ich liebe dich“,  in denen es so scheint, als würden nur wir Dinge mit dem anderen teilen wollen.

Es ist nicht leicht, uns einzugestehen, dass wir nicht angerufen werden, weil man nicht mit uns sprechen will, dass man uns Ausreden um die Ohren haut, weil man sich nicht mit uns treffen will, weil man uns nicht sehen möchte und dass man nicht „ich liebe dich“  zu uns sagt, weil jemand nicht so fühlt.

Unser Ego akzeptiert nicht, dass wir ignoriert werden und man Ausreden sucht, etwa dass der andere das Telefon nicht gehört oder die Nachricht nicht gelesen habe, aus Angst nicht sagt, dass er uns liebt – aber wir müssen realistisch sein und die Situation nehmen, wie sie ist: Wenn uns jemand nicht liebt oder wertschätzt, können wir ihn auch nicht dazu zwingen.

„Die Liebe muss nicht verstanden werden, sie muss nur gezeigt werden.“

Paulo Coelho

Wenn sich andererseits jemand für uns interessiert, sich um uns sorgt, uns anruft oder uns schreibt, sollten wir dieses Interesse an unserer Person schätzen, diesen ehrlichen Ausdruck von Zuneigung und Respekt. Ein spontaner Liebesbeweis kommt immer von Herzen und lässt uns darüber nachdenken, was wirklich zählt.

Liebe die Menschen, die an deiner Seite sein wollen

Wenn ein Mensch tatsächlich an deiner Seite sein will, ruft er dich an, um zu erfahren, wie es dir geht, er steht dir in schwierigen Momenten bei, schaut dir in die Augen und hört dir aufmerksam zu, wenn du etwas zu sagen hast, er respektiert und schätzt dich für den Menschen, der du bist, er bewundert dich und zeigt dir das auch. Kurzum: Diese Person liebt dich.

Wenn jemand an deiner Seite sein will, ist er das auch, und ihr könnt beide jeden Tag aufeinander zählen, ganz gleich ob als Partner oder Freunde. Wenn du mit jemandem Zeit verbringen möchtest, findest du auch Zeit dafür und teilst Momente mit dieser Person, ohne auf die Uhr zu schauen. Die Stunden gehen vorbei wie im Flug.

Im Falle eines Partners, so ist Walter Risos, sei es wichtig, dass zwar eins sein können, dass wir aber nicht aufhören, wir selbst zu sein; dass wir in Zuneigung verbunden seien, was bedeute, eine Bindung einzugehen, in der jeder für sich seine Besonderheiten und Unterschiedlichkeiten bewahre.

Suche in deinen Beziehungen die Gegenseitigkeit

Damit eine Liebesbeziehung oder eine freundschaftliche Beziehung funktioniert, sollte es einen grundlegenden Austausch geben. Walter Riso führt hierfür in seinem Buch Liebe und du leidest nicht  eine Analogie zum Gedanken von Aristoteles und Sankt Thomas  an und sagt, dass eine gerechte Liebe sowohl eine verteilte Gerechtigkeit (Aufgaben und Vorteile angemessen unter den Partnern verteilen) als auch eine gemeinsame Gerechtigkeit (Betrug und Hinterlist in jeglicher Form vermeiden) miteinander vereine.

Menschen schätzen lernen und Unterstützung im anderen finden, wie dieses sich liebende Paar

Für Riso beruht eine Beziehung auf Gegenseitigkeit, wenn der Austausch von Zuneigung und Materiellem ausgeglichen und gerecht ist, die Privilegien gerecht verteilt sind, beide die gleichen Rechten und Pflichten haben, keiner der Mitglieder versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen oder den anderen auszunehmen, und niemand der Meinung ist, dass er mehr als der andere verdiene.

„Das Leben hat keinen Sinn, du gibst dem Leben mit dem, was du tust, wofür du eine Leidenschaft hast, mit deinen Träumen einen Sinn. Du erschaffst das Universum mit deinen Vorstellungen.“

Walter Riso