Nichts ist mehr, wie es einmal war

· 27. Dezember 2017

Hin und wieder überkommt uns dieses eigenartige Gefühl, dass nichts mehr ist, wie es einmal war. Das Strahlen in den Augen ist nicht mehr da oder Worte verlieren ihre Melodie. Jeden Tag werden wir uns bewusster über die Tatsache, dass uns nur Asche bleibt, die früher oder später von diesem rauen Wind weggetragen wird, der alles mit sich reißt und alles verändert. Das ist ein Moment, auf den wir vorbereitet sein sollten.

Das ist nicht einfach. Im Laufe unseres Lebens mussten wir uns diesem Gefühl schon öfter stellen. Viele sagen, dass die Routine daran schuld sei. Die Routine kettet uns an unser Umfeld, wodurch wir zu weniger spontanen Wesen werden, die mittlerweile an die Nähe, gut getarnte Berührungen und Kleinigkeiten, die unser Herz höherschlagen lassen, gewöhnt sind.

„Mache mit der Liebe nicht das, was ein Kind mit einer Murmel macht: Wenn es sie hat, interessiert es sich nicht für sie, und wenn es sie verliert, weint es.“

Pablo Neruda

Vielleicht ist es die Schuld der gefürchteten Routine. Vielleicht sind wir auch diejenigen, die sich mit der Zeit ändern, die es Tag ein Tag aus, und beinah ohne zu wissen wieso, zulassen, dass wir abstumpfen. Manchmal sind wir wie das Licht einer Kerze, das die Dunkelheit in der Nacht erhellt, ein tanzendes Licht, das uns inspiriert. Doch mit den Stunden wird es immer kleiner bis es letztendlich ausgeht. Es hinterlässt nur einen eigenartig süßen, gleichzeitig aber auch abgebrannten Duft, wie ein Traum aus der Vergangenheit, der jetzt in der Gegenwart vielleicht keinen Sinn mehr hat.

Uns einzugestehen, dass nichts mehr ist, wie es einmal war, bringt uns dazu, genauer darüber nachzudenken. Das muss nicht gezwungenermaßen das Ende bedeuten, heißt aber, dass ein Dialog und gemeinsame Bemühungen notwendig sind, wodurch diese Verbindung oder diese Beziehung wieder zum Leben erweckt werden kann. Reif und verantwortungsbewusst zu handeln, ist die beste Methode, um einen Neuanfang, oder vielleicht ein unvermeidbares Ende, einzuleiten.

Ein Karussell bei Nacht

Nichts ist mehr, wie es einmal war, und wir sind auch nicht mehr die Gleichen wie gestern

Sobald uns vollkommen bewusst wird, dass die Dinge ihren Glanz, ihre Intensität und ihren Zauber von gestern verloren haben, finden wir das zuerst extrem widersprüchlich. Wir haben diesen bitterem Geschmack auf der Zunge und ein Gefühl von Nostalgie macht sich breit. Was wir vermissen, sind nicht wirklich die vergangenen Momente, sondern die Gefühle aus der Vergangenheit. Das Gefühl von Zusammenhalt, was einst einen Alltag ohne Leere, ohne Hoffnungslosigkeit entstehen ließ, wo wir alles und gleichzeitig einen Lebenssinn hatten.

Wenn diese emotionale Verbindung die Kraft und Intimität aus vergangenen Tagen in einer langjährigen Partnerschaft verliert, könnten wir sagen, dass uns einfach alles fehlt. Das ist ein langsamer Prozess, der uns traurig und gleichzeitig verzweifelt stimmt, weil unser Verstand es vor allem braucht, „sich sicher zu fühlen“. Wir dürfen nicht vergessen, das ihm widersprüchliche Gefühle und Unordnung missfallen, was sofort als eine Bedrohung und als Anzeichen auf Gefahr interpretiert wird.

Wenn wir uns in dieser Phase der Alarmbereitschaft befinden, suchen wir als allererstes ein „warum“, obwohl sich viele einfach nur auf ein „wer“ konzentrieren. Es kommt häufig vor, dass wir dem anderen die gesamte Schuld zuschieben: „Ich bin dir egal geworden, du achtest nicht mehr auf mich. Früher hast du das anders gemacht und jetzt sind dir diese Kleinigkeiten gleichgültig“.

Schuld und Verantwortung

Dem anderen die gesamte Schuld in die Schuhe zu schieben, kann in manchen Fällen gerechtfertigt sein, aber natürlich gibt es nicht in jeder Beziehung nur einen Schuldigen. Es wäre angebracht, uns daran zu gewöhnen, gewisse Ausdrücke bei dieser Beziehungsdynamik zu verändern. Anstatt das Wort „schuldig“ und die damit verbundene negative Komponente zu gebrauchen, ist es besser, den Begriff „verantwortlich“ zu benutzen.

Paar sitzt nebeneinander am Wasser

Was die von beiden Seiten eingebrachte Energie und Bemühungen anbelangt, die sowohl positiv als auch negativ sein können, die das Universum einer Partnerschaft bestimmen, sind beide Partner verantwortlich für die Stimmung in der Beziehung und die Qualität dieser. Und ab und an müssen wir uns selbst daran erinnern, dass wir nicht verzweifelt nach einem Schuldigen suchen müssen, um zu verstehen, warum nichts mehr ist, wie es einmal war, oder warum sich beide nicht mehr auf die gleiche Weise ansehen oder sich nicht mehr so sehr brauchen wie zuvor.

Manchmal erlischt die Flamme der Liebe. Das kann bei nur einem Partner oder auch bei beiden passieren. Denn auch wenn wir schon oft das Gegenteil davon gehört haben, ändern wir Menschen uns doch mit der Zeit bzw. wachsen wir. Wir haben neue Bedürfnisse und neue Interessen. Was vorher für uns Priorität hatte, ist jetzt zweitrangig geworden.

Daher ist es interessant, zu wissen, wie wir angemessen mit dieser Situation umgehen.

Wenn nichts mehr ist, wie vorher, dann handle

Niemand kann und verdient es, ewig in diesem Vorzimmer der kaputten Gefühle, der unvollständigen Beziehungen oder Hoffnungen, die sich niemals erfüllen werden, zu warten. Wenn nichts mehr ist, wie vorher, und nichts das ändern kann, sollten wir einen reifen Schritt wagen und die Beziehung so würdevoll wie möglich beenden.

„Die Liebe kann in Herzen, die sich nur von Schatten ernähren, nicht wachsen.“

William Shakespeare

In einer interessanten im Jahr 2005 vom „Journal os Social Personal Relationshipsdurchgeführten Studie wurde geschlussfolgert, dass es drei Schlüsselfaktoren gibt, um eine Partnerschaft auf eine für beide Partner positive und angemessene Art und Weise zu beenden. Laut den Schlussfolgerungen dieser Forschungsarbeit sollten wir vor allem vermeiden, von dem sogenannten „Phantomeffekt“ Gebrauch zu machen. Das bedeutet, dass wir nicht einfach ohne eine Erklärung uns von dem anderen nach und nach trennen sollten.

Nachfolgend werden wir diese drei Schlüsselfaktoren erklären, um eine Beziehung auf reife Weise zu beenden.

Frau sitzt bei Nacht im Taxi

Wenn nichts mehr ist, wie es früher war, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, von nun an getrennte Wege zu gehen

Der erste Schlüsselfaktor beim Umgang mit solchen Situationen ist es, sich darüber bewusst zu werden, dass es tatsächlich keine andere Option als die Trennung gibt. Denke immer daran, dass wir mit Trauer wesentlich besser umgehen können, wenn wir wissen, dass wir alles Mögliche getan haben.

Der zweite Schlüsselfaktor, oder Schritt, zu dem uns die Experten raten, ist, den anderen nicht „zu zerstören“, bevor diese Beziehung noch kein Ende gefunden hat. Hin und wieder hat es einfach keinen Sinn, nach Schuldigen zu suchen. Wenn wir unseren Partner kritisieren, ihm Vorwürfe machen, ihn beleidigen oder unsere Wut an ihm auslassen, erreichen wir damit nur, dass wir negative Gefühle schüren, bis irgendwann eine so negative Energie entsteht, die es uns noch schwieriger macht, die Partnerschaft zu beenden.

Zu guter Letzt, und auch wenn es immer schwerfällt und es vielen nicht gefällt, müssen wir vergeben. Vergeben bedeutet nicht nachgeben; es ist ein unvermeidbarer Schritt, den wir gehen müssen, um ohne Last und ohne Groll unseren Weg weiterzugehen. Es bedeutet, einem Lebensabschnitt ein Ende zu bereiten, bei dem wir uns und dem anderen den verursachten Schmerz vergeben, gleichzeitig aber alles Positive akzeptieren, das wir miteinander geteilt haben. Ein rechtzeitiges Lebewohl, dem der mutige Akt der Vergebung folgt, wird uns dabei helfen, einen neuen Weg zu beschreiten und die Vergangenheit hinter uns zu lassen, die schlichtweg hoffnungslos ist.