Mit Hilfe von Gehirnstimulation die Kreativität verbessern

05 Dezember, 2020
Jeder Mensch würde wohl gerne kreativer sein. Kürzlich wurde bewiesen, dass diese Fähigkeit mit Hilfe von Gehirnstimulation verbessert werden kann. Lies weiter und erfahre mehr zu diesem interessanten Thema!

Das Gehirn war der Protagonist der letzten Jahrzehnte. Akademiker aus aller Welt und aus unterschiedlichsten Disziplinen haben viel Zeit und Geld in seine Erforschung investiert. Aber es gibt ein ganz bestimmtes Thema, das sowohl bei Forschern als auch in der Öffentlichkeit großes Interesse erweckt hat. Grundsätzlich sind alle daran interessiert, herauszufinden, wie jeder Mensch seine Fähigkeiten optimal nutzen, wie er diese rehabilitieren und sogar verbessern kann. Die Gehirnstimulation ist eine der innovativsten Techniken, um diese Zielsetzungen zu realisieren.

Bei dieser Technik werden elektrische Wellen in das Gehirn induziert, um dadurch die Aktivitäten bestimmter Hirnareale zu modifizieren oder zu stimulieren. Es gibt verschiedene Arten der Stimulation, abhängig vom Grad der Invasion und der Art des Reizes. Zu den wichtigsten gehören folgende:

  • Tiefe Hirnstimulation (THS). Dies ist eine ziemlich invasive Art der Gehirnstimulation, da den Patienten hierbei Impulse oder Elektroden direkt in einen bestimmten Bereich ihres Körpers oder ihres Gehirns implantiert werden. Mediziner wenden diese Technik normalerweise bei schweren Fällen der Parkinson-Krankheit oder erblich bedingtem Zittern an.
  • Oberflächliche Hirnstimulation. Hier finden sich die Arten der nicht-invasiven Gehirnstimulation, die einen wissenschaftlichen Durchbruch darstellen:
    • Transkranielle Magnetstimulation (TMS). Dazu wird in der Nähe der Kopfhaut ein Gerät aufgestellt, welches Magnetfelder erzeugt, die elektrische Wellen induzieren. Diese Wellen dringen in den Schädel ein und stimulieren den Zielbereich.
    • Transkranielle Elektrostimulation (TES). Auf dem Schädel des Patienten werden Elektroden angebracht, welche Ströme mit geringer Amplitude freisetzen und die Aktivität von Neuronen in einem bestimmten Teil des Gehirns entweder erhöhen oder reduzieren. Man unterscheidet hierbei zwischen der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) und der transkraniellen Wechselstromstimulation (tACS).
Gehirnstimulation - Kreativität als bunte Glühbirne

Die Kraft der Gehirnstimulation

Im Allgemeinen wird Gehirnstimulation angewendet, um bestimmte Defizite oder Störungen in Bezug auf die Gehirnaktivität zu kompensieren oder auszugleichen. Mit anderen Worten, bei den Störungen, für die diese Verfahren eingesetzt werden, treten normalerweise abnormale Aktivitätsmuster auf; in Form übermäßiger oder fehlender Aktivität. Man könnte sagen, dass Gehirnstimulation dabei hilft, die Zündmuster von Neuronengruppen in bestimmten Bereichen zu regulieren.

Daher nutzen viele Menschen beispielsweise die transkranielle Magnetstimulation, um affektive Störungen (Depressionen und Bipolare Störungen), posttraumatischen Stress, neuropathische Schmerzen und sogar Stottern zu behandeln. 

Ebenso nutzen Experten die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), um bei Demenz-Patienten oder Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben,  jene Prozesse, die mit kognitiven, motorischen und sensorischen Fähigkeiten im Zusammenhang stehen, zu rehabilitieren.

Ein faszinierendes Experiment

Darüber hinaus gelang den Forschern an der Universität von Sydney eine beinahe wie Science-Fiction anmutende Entdeckung mit dieser neuesten Technik zur Gehirnstimulation. In ihrer Studie stellten sie einer Gruppe von Menschen eine Aufgabe, die darin bestand, eine Gruppe von drei mal drei Punkten mit vier Linien zu verbinden.

Die Übung mag sehr einfach erscheinen. Allerdings stellte sie für die meisten Menschen eine große Herausforderung dar, selbst nachdem sie einige Hinweise erhalten hatten, die ihnen die Lösung erleichtern sollten. Die Forscher erkannten schließlich, dass keiner der Teilnehmer dazu in der Lage war, die gestellte Aufgabe zu lösen.

Aber nachdem die Probanden nur 10 Minuten mit tDCS behandelt wurden, konnte beinahe die Hälfte von ihnen die Aufgabe ohne Probleme lösen. Diejenigen, die keine Gehirnstimulation erhalten hatten, waren nach wie vor nicht dazu in der Lage, die Aufgabe zu lösen.

Daher stellen wir uns die Frage, ob diese Technik möglicherweise noch mehr kann, als lediglich einige Veränderungen zu rehabilitieren? Könnte es möglich sein, mit Gehirnstimulation die menschlichen Fähigkeiten zu verbessern?

Gehirnstimulation - Wolke aus verschiedenen Farben

Gehirnstimulation verbessert auch die Kreativität

Darüber hinaus haben Forscher auch andere transkranielle elektrische Stimulationstechniken wie beispielsweise tACS angewendet, um neuronale Schwingungen und Gehirnfunktionen zu untersuchen. Außerdem haben sie diese Technik dazu angewendet, um kleine Wellen auf bestimmte Bereiche zu lenken, die mit den motorischen Funktionen, dem Arbeitsgedächtnis und den Wahrnehmungsbereichen zusammenhängen.

Vor Kurzem vertiefte sich eine Forschergruppe an der University of North Carolina noch weiter in diese Thematik. Sie untersuchten die Auswirkungen von Gehirnstimulation auf die Kreativität. Diese Fähigkeit besteht in der Entwicklung innovativer Ideen. Außerdem ermöglicht sie die Verknüpfung alter Konzepte mit neuen. Überdies wird sie auch mit Intelligenz in Zusammenhang gebracht.

Darüber hinaus haben nordamerikanische Wissenschaftler mit einer Gruppe von Probanden Kreativitätstests durchgeführt. Und zwar vor und nach der Anwendung transkranieller Wechselstromstimulation (tACS). Infolgedessen konnten sie feststellen, dass durch die Erhöhung der Leistung von Alphawellen im Frontalcortex durch transkranielle Stimulation auch die Kreativität um 7,4 % zunahm.

Was kommt als Nächstes?

Zweifelsohne werden auch weiterhin viele Forscher an der Nutzung der Gehirnstimulation zur Verbesserung kognitiver Fähigkeiten forschen. Es wird vermutlich eine Zeit kommen, in der jeder Mensch sein Gedächtnis, seine Entscheidungsfähigkeit oder seine Aufmerksamkeit mithilfe von Gehirnstimulation verbessern kann. Aber die Frage, die sich hierbei stellt, ist folgende: Wäre das ethisch vertretbar? Würde es Sinn ergeben, Gehirnstimulation nur dafür einzusetzen, um kreativer zu werden?

Nun, es ist noch ein langer Weg, um die mit dieser Art der Intervention erzielten Ergebnisse zu optimieren. Und während die Wissenschaftler Fortschritte dabei erzielen, mit dieser Methodik bestimmte Pathologien zu verbessern, wünscht sich gleichzeitig auch jeder, dass die Forschung immer neue Entwicklungen für alle hervorbringt.

  • Lustenberger, C., Boyle, M. R., Foulser, A. A., Mellin, J. M. & Fröhlich, F. (2015). Role of Frontal Alpha Oscillations in Creativity. Cortex, 67, 74-82.