Minimalistisches Leben: wie man mit weniger mehr lebt

13. Dezember 2018

Während einige die neuesten und besten Produkte genießen, erkennen immer mehr Menschen, dass sie mit weniger besser zurechtkommen, und setzen auf ein minimalistisches Leben. Einen minimalistischen Lebensstil zu führen bedeutet, den Besitz auf das Notwendige zu reduzieren und in gewisser Weise das Materielle zu transzendieren. Wir sprechen von einer Philosophie, die im Laufe der Geschichte immer wieder gelebt und verteidigt wurde, von den altgriechischen Philosophen oder den buddhistischen Zen-Meistern, aber auch von einigen unserer Zeitgenossen.

Heute ist der minimalistische Lebensstil so attraktiv, weil er eine Art Kryptonit für diesen Kreislauf aus Arbeit, Geld und Konsum ist. Andererseits, so Art Markman, Professor für Psychologie und Marketing an der University of Texas (Texas, USA), erneuere jede Generation ihre Sicht auf die Welt und der Minimalismus scheine der neuen Generationen eine immanente Verpflichtung zu sein. Die neuen Generationen würden auf die Ära des übermäßigen Konsums aus den letzten Jahrzehnten reagieren. „Viele Dinge sind entsorgbar und es gibt viele Medien, die den Konsum fördern, sodass die Menschen zunehmend ablehnend reagieren“ erklärt er.

Für die neue Generationen sei es einfach keine Option, die gleichen Entscheidungen wie ihre Eltern zu treffen. Auf der anderen Seite aber liege der Reiz des Minimalismus auch in seiner spirituellen Seite, in der Hoffnung, dass er unserer Seele guttäte, jener Seele, die durch den Verlust des Einflusses der Religion auf die Gesellschaft etwas verwaist ist. Darüber hinaus sei ein minimalistisches Leben auch mit erhöhtem sozialen Bewusstsein verbunden.

Die bewusste Auswahl dessen, was wir kaufen, bedeutet, diejenigen Unternehmen zu belohnen, die annehmbare Arbeitsbedingungen für ihre Beschäftigten schaffen, bedeutet einen geringeren Verbrauch an natürlichen Ressourcen und weniger Umweltverschmutzung. Alle diese Ideale stehen ganz im Einklang mit den Anliegen der neuen Generationen.

Mann mit ausgestreckten Armen als Symbol für die Freiheit darin, ein minimalistisches Leben zu führen

Warum ist das Leben so chaotisch?

Ja, es ist wahr, dass die Welt, in der wir uns bewegen, per definitionem chaotisch und unberechenbar ist. Sie steht für einen Mangel an Ordnung, zu dem wir oft mit unserer Lebensweise beitragen. Wir hängen an Jobs, die uns keine Freude machen, weil man uns das Gefühl gibt, ein Bedürfnis nach allem zu haben, was die Werbung populär macht. Wir urteilen mit Phrasen, die wir nicht wirklich fühlen, wir essen, was uns schadet, wir verbringen Zeit mit Menschen, mit denen wir nicht zusammen sein wollen … Und wenn wir das tun, dann nicht, weil es uns jemand aufzwingen würde, sondern weil wir uns frei entscheiden, es auf diese Weise zu tun. Wir überzeugen uns selbst dvon, dass wir keine andere Wahl hätten oder dass das das Beste für uns wäre.

Allerdings sind wir nicht allein schuld an der Misere. Die Gesellschaft und unsere Umwelt haben uns von klein auf dazu „gedrängt“, so zu leben. Die Werbung dringt in alle Lebensbereiche vor, Familie, Freunde und Autoritätspersonen motivieren uns gleichermaßen, uns dem System anzupassen. Es ist nicht verwunderlich, dass unser Leben einer Katastrophe gleicht, wenn man es in diesem Rahmen beschreibt.

Die gute Nachricht ist, dass wir eingreifen können, indem wir leere Räume lassen. Wir können ein Leben gestalten, das weniger kompliziert und genau deshalb sinnvoller ist, das einem minimalistischen Lebensstil folgt.

Minimalistisches Leben: weniger Komplikationen und mehr Bedeutung

Die Grundidee des Minimalismus besteht darin, das loszuwerden, was keinen Mehrwert bringt, um Raum für das zu lassen, was uns bereichert, wie die Beseitigung von Unordnung, Ablenkungen und ungesunden Beziehungen, um Zeit für das zu schaffen, was für unser Wohlbefinden wesentlich ist, wie Kreativität, Spiel und Liebe.

Deshalb versucht der Minimalist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das, was nicht zählt, beiseitezulegen. Mit anderen Worten geht es darum, das Leben mit weniger mehr zu genießen. So kann es funktionieren:

  • Vergiss das, was dir kein gutes Gefühl gibt: Werde alles los, was dir im Weg steht, alles, was dich ablenkt, alles, was dich die Konzentration verlieren lässt. Werde alles los, was dir deine Ruhe und Klarheit nimmt. Behalte, was wirklich zu deinem Wohlbefinden beiträgt.
  • Kaufe nichts, was du nicht brauchst: Lass dich nicht von Werbung, Mode und den Meinungen anderer Leute täuschen. Güter zu besitzen wird dich nicht glücklicher machen. Die Realität ist, dass Produkte, sobald wir genug haben, um unsere Grundbedürfnisse zu decken, unser Wohlbefinden in keiner Weise verbessern. Sie können uns nur eine momentane Befriedigung geben, die sehr bald verschwindet, was uns in einen noch schlimmeren psychologischen Zustand führt als den, den wir zuvor erhielten.
  • Schätze all die Dinge, die du bereits hast: Nimm nicht das, was du bereits hast, aus deinem Fokus, um dich auf das zu konzentrieren, was dir fehlt. Sonst wirst du dich immer unvollständig, unbefriedigt und wie ein Gefangener deiner Wünsche fühlen.
  • Minimiere digitale Ablenkungen: E-Mail, Instant Messaging, soziale Netzwerke … all das lenkt dich ab und lässt dich den Fokus verlieren, die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment. Nutze die Medien bewusst und behalte deine Interaktion mit anderen unter Kontrolle.
  • Verbessere deine Beziehungen zu anderen: Im Zeitalter des Internets, das die Verbindung mit allen erleichtert, werden wir zunehmend voneinander getrennt. Uns fehlen echte menschliche Beziehungen, reale Beziehungen. Kümmere dich um diese Art der Verbindung.
Freundinnen trinken Kaffee

  • Tue die Dinge nacheinander: Minimalistisches Leben bedeutet im Wesentlichen, in der Gegenwart zu leben, d. h. das Beste aus jedem Moment zu machen. Wenn du ständig abgelenkt und/oder vom Multitasking abhängig bist, kannst du das nicht tun.
  • Konzentriere dich auf die wichtigen Ziele: Die meisten Menschen haben eine große Anzahl von Zielen, die sie erreichen wollen. Ein minimalistisches Leben hingegen folgt einem klaren Zweck. Um ein solches Leben zu führen, musst du die wenigen Dinge entdecken, die dich am meisten interessieren und dich ihnen widmen.
  • Achte auf deinen Körper und deinen Geist: Gesundheit ist der Ausgangspunkt für den Genuss. Deshalb ist es wichtig, dass du dich auf beiden Ebenen um dich selbst kümmerst: sowohl in der Kasse als auch im Kopf. Bewegung, Ernährung und Schlaf sind in diesem Sinne drei Schlüsselelemente.
  • Pflege die volle Aufmerksamkeit: Minimalistisches Leben erfordert einen ruhigen Geist, d. h. einen Geist, der frei von widersprüchlichen Gedanken und im Einklang mit dem gegenwärtigen Moment ist. Das Praktizieren von Achtsamkeit oder Meditation hilft dir, einen Zustand des friedlichen Bewusstseins wiederzuerlangen, deine Gedanken und Gefühle zu beobachten, ohne sie zu beurteilen, zu widerstehen oder zu nähren, und bewusst auf Situationen zu reagieren, anstatt auf sie zu überreagieren oder von ihnen überwältigt zu werden.

Schlussgedanken

Fumio Sasaki sagt, dass „Minimalismus ein Lebensstil ist, bei dem man seinen Besitz auf das Minimum reduziert.“  Für Sasaki hat „das minimalistische Leben nicht nur oberflächliche Vorteile wie das Vergnügen an einem aufgeräumten Raum oder Sauberkeit, sondern führt auch zu grundlegenderen Veränderungen.“  Mit der Entscheidung für einen minimalistischen Lebensstil legte Sasaki seine eigene Definition von Glück fest.

Der Minimalismus sagt uns, dass, je mehr Dinge wir haben, desto mehr Macht diese Dinge über uns haben werden. Je mehr wir von etwas abhängig sind, desto mehr beeinflusst „etwas“ unsere Fähigkeit, glücklich zu sein, das Leben wirklich zu genießen. Wir verstehen, dass unser Glück davon abhängt, und wir versuchen, immer mehr zu bekommen, aus Angst, dass wir es jemals brauchen würden. Das ist ein „nur für den Fall“, durch das wir am Ende zu Sklaven der Uhr und der Verpflichtungen werden, die sich jede Stunde in unserem Terminkalender anhäufen, meist ohne Pause.