Marilyn Monroe: das psychologische Porträt einer gebrochenen Femme Fatale

· 23. Juli 2016

Mit dem tragischen Tod von Marilyn Monroe wurde ein Mythos geboren. Vor allem wenn man bedenkt, dass zu der Zeit, in der Marilyn lebte, die Medien nicht annähernd so tief in das Leben der Hollywood-Stars vordrangen wie es heute der Fall ist. Über ihren Tod gibt es unzählige Spekulationen. In diesem Artikel präsentieren wir ein etwas anderes Porträt von Marylin Monroe, als es die meisten Leser wohl kennen.

Von der Gefangenen einer Fabrik zur Gefangenen Hollywoods

Bewundert für ihr Aussehen in einer Zeit, in der freizügige Frauen auf der Straße schräg angeschaut wurden, stellte sich Marilyn Monroe in den Hollywood-Studios vor, um ihrem Leben als Fabrikarbeiterin zu entkommen, in derm sie sich nicht wohlfühlte. Ihr großer Traum war es, Schauspielerin und Modell zu werden.

Ihre Vergangenheit war durch sexuellen Missbrauch geprägt und in ihrer Familie traten gehäuft psychische Störungen auf, d.h., sie war entsprechend genetisch vorbelastet. Im Leben von Marilyn Monroe waren aus psychologischer Sicht Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen vorprogrammiert.

Einer ihrer wesentlichsten Charakterzüge im Erwachsenenalter war ihre Vorliebe, sich mit intelligenten und kultivierten Personen zu umgeben, die sich für Kunst interessierten. Es waren für sie Autoritätspersonen, die in die Rolle des Vaters schlüpften, den sie niemals hatte.

Walk of Fame - Stern von Marilyn Monroe

Eine dieser Persönlichkeiten, der Dramaturg Arthur Miller, war am längsten an ihrer Seite und bewegte Marilyn dazu, Gedichte zu schreiben und Romane zu lesen. Über Charakter und Wesen von Marilyn Monroe gibt es verschiedene Meinungen. Auf einem Foto zeigt sich Marilyn Monroe interessiert an dem Roman Ulysses  von James Joyce, doch Arthur Miller bestätigte, dass er sie niemals ein Buch hat zu Ende lesen sehen. Aber das spricht nicht gegen ihre Intelligenz, schon gar nicht, wenn wir die Theorie der multiplen Intelligenzen berücksichtigen.

Die theatralische Persönlichkeitsstörung – oder wie es gewesen sein muss, Marilyn Monroe zu sein

Durch das Studium ihrer Vergangenheit, Gespräche mit Biografen und Personen, die sie kannten, und durch Persönlichkeitsanalysen, die von Studenten und Experten auf dem Gebiet der Psychologie durchgeführt wurden – insbesondere vom Psychiater der Schauspielerin, Ralph Greeson – kann ein psychologisches Porträt von Marylin Monroe erstellt werden.

Man weiß, dass sie an einer theatralischen Persönlichkeitsstörung litt, was eine emotionale Verwirrung zur Folge hatte, die auch zu der Rolle der „Verführerin Marilyn“ beitrug. Diese Störung zeichnet sich durch eine übermäßige Sorge über das eigene äußere Erscheinungsbild, sexuelle Freizügigkeit und Angst vor Missachtung aus. Das geht so weit, dass die betroffene Person nicht mehr dazu in der Lage ist, eine normale Unterhaltung mit einem Partner des anderen Geschlechts zu führen, ohne diesen zu verführen. Weiterhin ist ihre Toleranzschwelle für Frustration sehr niedrig.

Marylin Monroes krankhaftes Bedürfnis nach Beachtung, führte zu Depressionen und Angstzuständen, da sie befürchtete, dass die Realität, die Bewunderung ihrer Schönheit, nicht ihren Wunsch nach der Bewunderung ihrer Person erfüllte. Ihr Zustand verschlechterte sich in den fünfziger Jahren, als ihre Ehe mit Arthur Miller in die Brüche ging und die Wahrheit über eine Frau ans Licht kam, die sich selbst wegen ihrer Promiskuität schätzte, um vor ihrem wahren Ich zu fliehen.

Marylin Monroe war eine Frau, die Bewunderung suchte, diese jedoch nur auf Wegen erlangte, die ihren eigenen Wertvorstellungen widersprachen. Sie wollte vor allem ernst genommen werden und nutzte doch ihr attraktives Erscheinungsbild, um zu erreichen, dass ihr einflussreiche Männer zu Füßen lagen. Doch als sie sich bewusst wurde, dass nicht die Persönlichkeit von Norma Jeane Mortenson, so ihr Taufname, sondern nur Marilyn Monroe als Sexsymbol für Männer attraktiv war, machte sie sich auf die Suche nach neuen Errungenschaften und füllte ihre Leeren mit Untreue.

Einen letzten Ausweg suchte Marilyn in einer Überdosis Betäubungsmittel.

Porträt von Marilyn Monroe, einer Frau mit psychischen Problemen

Interessanterweise wollte sie immer als großartige Schauspielerin anerkannt werden, was ihr allerdings niemals gelang – sie erlangte erst in ihren letzten Lebensjahren eine gewisse Anerkennung für ihre Arbeit. Ihr größtes Vermächtnis ist ein Stereotyp, ein soziales Klischee, das sich seit Jahrzehnten hält und so schnell auch kein Ende finden wird: Das Bild der blonden und dümmlichen Frau, das sie selbst erschuf. Auch wenn sie sich in dieser Rolle wohlfühlte, wird diese ihr nicht gerecht. Doch genauso wenig wird es das Bild der hochbegabten Femme Fatale, mit dem sie heute so gern dargestellt wird.

Marilyn Monroe war schlichtweg eine Frau, die psychische Probleme hatte und unglücklicherweise den Geistern ihrer Vergangenheit nicht entkommen konnte. Die Schauspielerin verstarb viel zu früh, nachdem sie ihr Leben im Rampenlicht und in den Schatten ihres Geistes gelebt hatte. Sie zeigte ihr schönstes Lächeln und akzeptierte die Spielregeln.

Norma Jeane Mortenson konnte emotional nicht reifen, sie selbst gestattete es sich nicht, träumte jedoch insgeheim davon, der Verkörperung der Marilyn Monroe zu entfliehen und ein neues Leben zu beginnen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Ismail Mia