Machiavellische Intelligenz: Definition und Eigenschaften

· 27. Februar 2019

Heiligt der Zweck die Mittel? Jemand mit machiavellischer Intelligenz würde das zumindest teilweise bejahen. Aber woher wissen wir, ob wir es mit jemandem mit so einer Persönlichkeit zu tun haben? Schauen wir uns an, was eine machiavellische Persönlichkeit ausmacht.

Was ist machiavellische Intelligenz?

Machiavellische Intelligenz bezieht sich auf komplexe soziale Strategien. Hierbei handelt es sich um Verhaltensweisen, die ein Individuum einsetzt, um seinen Erfolg direkt oder indirekt zu maximieren. Dazu verhält sich diese Person entweder kooperativ oder kämpferisch, je nachdem, was ihrer Meinung nach in der gegebenen Situation am meisten von Nutzen ist.

Allerdings ist es wichtig, diesen Begriff nicht mit dem Machiavellianismus der Sozialpsychologie zu verwechseln. In diesem Fall handelt es sich um eine Art des Sozialverhaltens, bei dem eine Person manipulativ handelt, um persönliche Vorteile zu erzielen, während andere in der Regel nur Nachteile erfahren. Der Übergang von machiavellischer Intelligenz zu Machiavellianismus gestaltet sich jedoch fließend.

Eine Hand führt eine Marionette vor einem Sonnenaufgang.

Der Begriff der machiavellischen Intelligenz entstand aus der politischen Doktrin, die im Buch Der Fürst  von Niccolò Machiavelli beschrieben wird. Machiavellische Hypothesen waren in der Vergangenheit so nützlich, dass sie zu Studien über das menschliche Verhalten und so zu neuen Theorien führten.

Merkmale der machiavellischen Intelligenz

Jemand mit machiavellischer Intelligenz weist möglicherweise nicht alle nachfolgend aufgelisteten Merkmale auf, wird aber sicherlich einige davon besitzen. Im Allgemeinen können wir diese Art der Intelligenz als Tendenz definieren, die sich je nach Persönlichkeit und sozialem Umfeld des Einzelnen mehr oder weniger stark manifestiert.

Objektivierung der Mitmenschen

Jemand mit einer machiavellischen Persönlichkeit könnte bestimmte soziopathische Merkmale haben. Für ihn mag es sehr schwierig oder gar unmöglich sein, sich in andere Menschen einzufühlen. Menschen mit machiavellischer Intelligenz zeigen diesen Mangel an Empathie jedoch nicht immer in derart extremem Maße.

Weil es für solche Typen so schwierig ist, sich auf andere Menschen einzulassen, schaffen sie eine Distanz zwischen sich und ihrer Umwelt. Dies macht es für sie leichter, ihre Mitmenschen zu objektivieren. Es besteht ja keine emotionale Verbindung.

„Jeder sieht, wie wir auftreten, aber nur wenige erfahren, wer wir wirklich sind.“

Niccolò Machiavelli

Fähigkeit, menschliche Schwäche zu erkennen

Trotz des Mangels an Empathie hat eine Person mit machiavellischer Intelligenz eine erhöhte Fähigkeit, die Schwächen anderer zu erkennen. Sobald sie diese herausgefiltert hat, verwendet sie diese Informationen zu ihrem eigenen Vorteil. Schauen wir uns dazu ein Beispiel an.

Jemand mit machiavellischer Intelligenz würde sich mit demjenigen anfreunden, der ein positives Image hat, um mehr soziales Prestige zu erlangen. Aber eigentlich interessiert er sich nicht für diese Person. Ihr Umgang mit selbiger hängt zudem von der jeweiligen sozialen Situation ab. Das heißt, wenn sie plötzlich ihr Ansehen verliert, hat die machiavellistische Persönlichkeit keine Skrupel, die Freundschaft unvermittelt zu beenden.

Tendenz, andere Menschen zu manipulieren

Diese Eigenschaft geht mit der vorherigen einher. Sie benutzen ihre Mitmenschen als Mittel zum Zweck, um zu erreichen, was sie wollen. Tatsächlich wissen sie aber, dass dies nicht die feine Art ist, und deswegen versuchen sie, ihr Vorgehen zu verschleiern.

Wenn Menschen mit machiavellischer Intelligenz erreicht haben, was sie wollten, erinnern sie sich vielleicht nicht mehr an die von ihnen versprochene Gegenleistung. Es könnte sogar sein, dass sie versuchen, die Situation zu verdrehen, und  behaupten, dass der andere nur aufgrund eigener Motive gehandelt hätte.

„Versuchen wir niemals, mit Gewalt zu gewinnen, was durch Täuschung gewonnen werden kann.“

Niccolò MachiavelliZeichnung einer Hand, die die Fäden einer Marionette hält

 

Langfristiges Planen

Dank ihrer Geduld und Intelligenz schmieden diese Menschen eher langfristige Pläne. Ihre Ziele liegen oft in der weit entfernten Zukunft. Sie glauben, dass ihre Ziele wichtig seien und komplexe Schritte erfordern und rechtfertigen. Sie wissen, dass sie Impulsivität vermeiden müssen, um ihre Projekte Realität werden zu lassen. Daher wirken sie oft kalt und kalkulierend.

Weiterhin zeigen Menschen mit dieser Persönlichkeit kaum Reue. Stattdessen planen sie ständig, um in ihrem Leben vorwärtszukommen.

Ehrgeizige Ziele

Wie eben erklärt, sind Menschen mit machiavellischer Intelligenz berechnend. Alle ihre Pläne zielen darauf ab, jene Ziele zu erreichen, das sie für lohnenswert halten. Sie zeigen mitunter enorme Ausdauer, um sie auch wirklich zu erreichen, und werden nur selten nervös. Meist haben sie sehr ehrgeizige Ziele, auf die sie viel Zeit und Mühe verwenden. Sie konzentrieren sich zudem darauf, die Fähigkeiten anderer Menschen zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.

Impulskontrolle

Machiavellistische Personen handeln nur selten impulsiv. Manchmal nutzen sie aber eine angebliche Impulsivität als Ausrede, um ihr Verhalten zu rechtfertigen. Es ist Teil der Show, die sie ihren Mitmenschen bieten – tatsächlich sind die meisten ihrer Aktionen geplant und verfolgen ein klar definiertes Ziel.

Diese Informationen können dabei helfen, Menschen mit machiavellischer Intelligenz zu erkennen und zu vermeiden, zu ihrem Opfer zu werden.