Liebe muss jeden Tag gegossen werden, insbesondere die Selbstliebe

· 30. November 2016

Irgendwann kommt ein Moment in unserem Leben, in dem wir anfangen, sie in die Tat umzusetzen. Die Kunst, uns mit gesunden Dingen zu bereichern: Personen, Situationen, auch Materielles… Die einen nennen das Egoismus, ich jedoch nenne es persönliche Würde. Denn wenn wir keine Selbstliebe haben, nach welcher Art von Liebe können wir dann streben?

Einer der Aspekte, die auf dem Gebiet der Psychologie großes Interesse hervorrufen, ist ohne Zweifel das Thema der Selbstliebe und des Selbstwertgefühls. Jeden Tag tauchen neue Blickwinkel, neue Techniken und weitere Gurus auf, die vorgeben, uns die perfekte Formel vermitteln zu können. Jedoch sollten wir uns stets einer Sache klar sein: Die Selbstliebe findet man nicht da draußen, niemand kann sie uns geben, sie wird mit Feingefühl aufgebaut, geknüpft und jeden Tag gegossen, als vielversprechendster Samen unseres Seins.

„In dem Maße, wie ich Selbstliebe erlernt habe, habe ich verstanden, dass ich immer, egal unter welchen Umständen, am richtigen Ort und im richtigen Moment bin, und ich mich also entspannen sollte.“
Charles Chaplin

Viele Experten der Welt der Emotionen erklären uns, dass der Schlüssel zu den Problemen mit der Selbstliebe in unserer Erziehung liegt. Man bringt uns nicht bei, uns selbst zu lieben, Grenzen zu erweitern, in unsere Fähigkeiten zu vertrauen. All das führt dazu, dass wir Stück für Stück einen Ersatz für unser Selbstwertgefühl aufbauen, der einzig in unseren Interaktionen mit den anderen besteht.

Das Bild von uns selbst ist einzig an das gekettet, was die anderen denken und sagen. Wir wandeln uns in fragile Wesen, die nach einer Lichtquelle suchen und davon träumen, „besonders“ zu sein. Wobei wir in Wirklichkeit jedoch nichts anderes brauchen, als uns selbst und die Akzeptanz unserer Identität mit allen Stärken und Schwächen.

Wir schlagen dir vor, ein bisschen darüber nachzudenken.

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Die Selbstliebe ist nicht alles: Praktiziere Selbstmitgefühl

Dieses Thema ist in der Tat faszinierend. Wenn wir einmal die Vielzahl der Bücher zum Thema Selbsthilfe oder persönliches Wachstum betrachten, dann merken wir, dass viele Autoren die Selbstliebe mit Erfolg in Verbindung setzen. Man geht davon aus, dass man mit einem starken Selbstwertgefühl auch beruflichen Erfolg erreichen kann. Mit ausgeprägter und ungebrochener Selbstliebe sind außerdem unsere affektiven Beziehungen zufriedenstellender.

Jedoch sind diese Zusammenhänge in der Praxis nicht immer sichtbar. Die Selbstliebe ist keine Garantie für Erfolg, es ist ein persönlicher Wert, der uns Selbstrespekt und Selbstbestätigung übermittelt. Dank diesem verfügen wir über bessere Fähigkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten, zu überleben und Teil unserer alltäglichen Dynamiken zu sein. Jedoch ist ein starkes Selbstwertgefühl keine 100%ige Garantie, in jedem Teilbereich des Lebens Erfolg zu haben.

In den letzten Jahren spricht man vermehrt von einem neuen und interessanten Konzept: Es handelt sich um das Selbstmitgefühl. Laut eines Artikels, der in der Zeitschrift  Personality and Social Psychology  veröffentlicht wurde, sollten wir diese Strategie als einen Weg ansehen, um Erfüllung zu erlangen. Es ist so, als würden wir das höchste Niveau der Selbstliebe erreichen.

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Das Selbstmitgefühl setzt voraus, dass wir unsere Fehler und unsere Grenzen mit Respekt, mit Mitgefühl einschätzen. Wir umarmen uns selbst als Personen, die eine zweite Chance verdient haben, auch dann weiterzumachen, wenn man bereits einmal gescheitert ist.

In diesem Sinne wird auch vorgeschlagen, uns nicht mehr selbst zu verurteilen, nicht länger in die Defensive zu gehen und uns auch nicht mit anderen zu vergleichen. Man muss den Verstand offen halten und das Herz warm, gegenüber sich selbst Respekt und Optimismus zeigen und natürlich auch Bescheidenheit pflegen. Nur so schaffen wir es, unser Wesen zu bestätigen.

Selbstliebe wird gepflegt, geschützt und verteidigt

Vielleicht werden sie dich einen Egoisten nennen, wenn du dir selbst die Priorität gibst. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass sie dich einen Feigling nennen, wenn du auf einmal merkst, dass ein bestimmtes Projekt es nicht mehr wert ist, noch weiter Energie hineinzustecken. Denn wenn die Bitterkeit brennt, das Leiden schmerzt und wenn die Hoffnungen zu gebrochenen Träumen werden, dann ist es Zeit, sich mit Selbstliebe zu wappnen und einfach in seiner Ganzheit voranzuschreiten, und verletzenden Worten nicht mehr zuzuhören.

„Wir wissen, was wir sind, aber nicht, was wir alles noch werden könnten.“
Ophelia in “Hamlet” von William Shakespeare

Ob wir es glauben oder nicht, die Selbstliebe ist ein Konzept, das oft falsch verstanden wird. Selbstliebe ist kein Stolz, ganz und gar nicht, denn wer sich selbst respektiert, sucht nicht danach, sich besser als andere zu fühlen. Der Stolze ist derjenige, der sein Inneres nicht geheilt hat, der aus der Defensive heraus handelt, der durch Verletzungen schadet. Diese beiden Dimensionen sind wie die beiden Seiten einer Münze.

Im Folgenden werden wir sehen, welche Aspekte tatsächlich die Selbstliebe bestimmen und wie wir diese stärken sollten.

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Die Schlüssel, deine Selbstliebe zu verteidigen und aufzubauen

Wenn wir uns das vorangegangene Shakespeare-Zitat noch einmal anschauen, das sagt: „Wir wissen, was wir sind, aber nicht, was wir alles noch werden könnten“,  dann merken wir, dass diese Idee der Realität nicht standhält. Wir Menschen verbringen unser Leben damit, zu träumen, was wir gern sein wollen, was wir gern erreichen wollen, aber in der Praxis vergessen wir dabei etwas: die Selbstkenntnis.

  • Carl Rogers hat darüber in einem Moment geschrieben: „Nur wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin, kann ich mich ändern, kann ich besser werden.“  Man sollte das im Kopf behalten, denn Selbstliebe bedeutet vor allem ungerechtfertigte Erwartungen zu überwinden und dafür das Sein ins Zentrum des Lebens zu rücken. Nur so erreichen wir diesen persönlichen Glanz, den wir bis vor kurzem noch mit Schatten überflutet hatten.
  • Ein anderer Aspekt, den wir beachten sollten – und den wir zweifelsfrei nicht immer in die Praxis umsetzen –  ist die Selbstzufriedenheit. Erfreue dich an dir selbst, schätze das wert, was du bist, was du gemacht hast, inklusive der Fehler, die du begangen und verarbeitet hast. All das formt zusammen ein schönes Mandala, in dem dein ganzes Sein in beständigem Wachstum enthalten ist.
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Erfreue dich an jeder einzelnen Färbung deines Lebens, an jeder Form, jeder Bewegung. Es ist deine eigene Kreation, die dich ausmacht und die dich jeden Tag inspirieren sollte. Es ist klar, dass wir in unserer Existenz nicht nach kompletter persönlicher Zufriedenheit streben können, aber du verdienst es und solltest auch dafür kämpfen, möglichst nah an dieses Ziel zu kommen.

Denn erinnere dich, je weniger wir uns akzeptieren, desto mehr brauchen wir die Akzeptanz der anderen, und niemand, wirklich niemand, hat diese Form der Sklaverei verdient.

Ein aufgeblasenes Selbstbewusstsein: Was versuchst du zu verbergen?

Vor einigen Tagen stand ich im Supermarkt in der Schlange an der Kasse
und der Kunde, der direkt vor mir stand, fing plötzlich… >>>Mehr