Kognitive Defizite bei Schizophrenie: Ursachen und Auswirkungen

14. November 2019
Kognitive Defizite sind oftmals die ersten Anzeichen für eine Schizophrenie. Aber genau diese Defizite erschweren manchmal eine korrekte Differentialdiagnose dieser Erkrankung.

Kognitive Defizite können bei Schizophrenie sehr schwerwiegend sein und gehen oft mit Funktionsstörungen einher. Allerdings ist es nicht immer einfach, ohne das Vorliegen eines neuropsychologischen Profils die Ursachen für das Auftreten dieser Defizite zu bestimmen.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass diese Defizite offensichtlich nicht durch die positiven Symptome der Schizophrenie (Halluzinationen, Denkstörungen, Wahnvorstellungen usw.) ausgelöst werden. Bisher gibt es keine Belege für einen direkten Zusammenhang zwischen der Schwere der Halluzinationen oder der Wahnvorstellungen und dem Grad der kognitiven Defizite.

Die Betroffenen leiden zunächst unter kognitiven Veränderungen in Bezug auf ihre Aufmerksamkeit, Orientierung und ihr Gedächtnis, bevor sich psychotische Symptome einstellen. Andererseits bleiben einige dieser kognitiven Veränderungen auch während der psychotischen Episoden bestehen. Dazu gehören beispielsweise Aufmerksamkeitsstörungen und Probleme im Arbeitsgedächtnis.

Kognitive Defizite und Veränderungen scheinen unabhängig von den positiven und negativen Symptomen der Schizophrenie zu sein.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich bei einigen Patienten, die nach einem langen Krankenhausaufenthalt entlassen wurden, die negativen Symptome verbessert haben, während sich kognitive Defizite teilweise sogar noch verschlimmerten oder zumindest unvermindert bestehen blieben. Auch das ist ein Beleg dafür, dass diese beiden Aspekte der Krankheit relativ unabhängig voneinander auftreten und entstehen.

Allerdings besteht aufgrund ihrer Wechselwirkung ein enger Zusammenhang zwischen kognitiven Veränderungen und negativen Symptomen. Dieser Zusammenhang ist jedoch nicht einfach zu analysieren.

Grundsätzlich beeinflussen Desinteresse und das Gefühl der Abgetrennheit von einem Projekt die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen. Daher kann die Kombination dieser Variablen einen großen Einfluss auf die Prognose des Krankheitsverlaufes haben.

kognitive Defizite - Mann schaut aus dem Fenster

Kognitive Defizite: Welche Auswirkungen haben sie bei Schizophrenie?

Wie wir bereits erwähnt haben, können kognitive Defizite bei Schizophrenie sehr schwerwiegend sein. Dadurch werden die persönliche Autonomie des Patienten und auch seine Fähigkeit, alltägliche Dinge zu erledigen, eingeschränkt.

  • Kognitive Defizite können aufgrund von Defiziten im expliziten Gedächtnis und verminderter Aufmerksamkeit dazu führen, dass die sozialen Fähigkeiten des Patienten beeinträchtigt werden.
  • Defizite der exekutiven Funktionen, des expliziten Gedächtnisses, des Arbeitsgedächtnisses und bei der anhaltenden Aufmerksamkeit können die Arbeitsfähigkeit eines Patienten vermindern. Dadurch wird die Konzentrationsfähigkeit eines Patienten beeinträchtigt, er kann weniger Informationen aufnehmen und hat Schwierigkeiten, neue Dinge zu lernen.
  • Defizite der exekutiven Funktionen, des expliziten Gedächtnisses und des Arbeitsgedächtnisses können auch dazu führen, dass ein Patient kein selbständiges Leben mehr führen kann. Denn diese Defizite wirken sich auch auf die Fähigkeit des Patienten aus, alltägliche Aufgaben wie beispielsweise Kochen, Einkaufen und Körperpflege zu bewältigen.

Menschen, die unter Schizophrenie leiden, können Schwierigkeiten haben, alle Informationen zu beachten und zu verarbeiten, wenn sie Entscheidungen treffen. Außerdem kann es passieren, dass sie sich schwer damit tun, neue Informationen sofort anzuwenden und zu verarbeiten.

Ursachen für kognitive Defizite bei Schizophrenie

Bisher sind die Ursachen für kognitive Defizite bei Schizophrenie noch nicht bekannt. Einige Experten vermuten, dass diese kognitiven Störungen als Folge der Behandlung mit Antipsychotika auftreten. Allerdings gibt es keine gesicherten Daten, die diese Hypothese stützen könnten.

Forschungsergebnisse zeigen, dass gängige Antipsychotika einen positiven Effekt auf einige grundlegende psychologische Prozesse wie beispielsweise die Aufmerksamkeit haben. Die Wirkung ist allerdings eher moderat. Der Nachteil ist, dass sie auch die motorischen Fähigkeiten des Patienten beeinträchtigen können.

Daher wissen wir immer noch nicht, ob für Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, die Einnahme von Antipsychotika die Ursache oder die Lösung für kognitive Defizite ist. Weitere Forschungen sind erforderlich, um diese Frage zu klären.

Im Jahr 2018 haben Forscher der Universität Baskenland UPV/EHU eine Studie veröffentlicht, in der die Wirksamkeit einiger Medikamente zur Verlangsamung kognitiver Einschränkungen bei Patienten mit Alzheimer-Erkrankung untersucht wurde. Zu diesem Zweck evaluierten sie jede signifikante Verbesserung kognitiver Veränderungen bei Patienten mit Schizophrenie.

Aufgrund der Analyse neuer klinischer Studien auf globaler Ebene konnten die Forscher eine Reihe methodischer Verbesserungen in der Arzneimittelforschung vornehmen. Dadurch wird es möglich, die funktionalen Defizite dieser Patienten zu beheben.

Kognitive Defizite werden bei Patienten, die an Schizophrenie leiden, in der Regel schon vor der Behandlung mit Antipsychotika festgestellt.

kognitive Defizite - Tabletten

Nicht-medikamentöse Behandlung

Eines der Hauptprobleme von Antipsychotika ist die Tatsache, dass sie nur bei der Behandlung der positiven Symptome wirksam sind. Da mit ihnen die negativen Symptome der Schizophrenie nicht effektiv behandelt werden können, sind für diese Fälle nicht-medikamentöse Behandlungsansätze erforderlich.

Ergotherapie kann beispielsweise zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen eingesetzt werden. Diese Therapie hilft den Patienten dabei, ihre fokussierte Aufmerksamkeit und ihre Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Dazu werden Übungen durchgeführt, die sich auf Stimulation, Konzentration und handwerkliche Arbeiten konzentrieren.

Jede Behandlung sollte dabei auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sein. Obwohl einige anatomische und neurochemische Veränderungen bei Schizophrenie-Patienten sehr häufig auftreten, verläuft die Erkrankung dennoch sehr heterogen. Daher ist es auch nicht möglich, ein allgemeines neuropsychologisches Profil zu erstellen.

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