Kennst du die 6 häufigsten Probleme beim Sex?

· 22. November 2018

Die Sexualität ist ein dreidimensionales Konzept. Es spielen Aspekte der Biologie, der Psychophysiologie und der Soziokultur hinein. Eine Menge verschiedener Faktoren bestimmt das Gefühl der Befriedigung oder Unzufriedenheit, das sich aus dem Geschlechtsakt ergibt. Unter diesen finden wir Ängste, die Vorstellungskraft und das Selbstbewusstsein. Diese Faktoren prägen auch die verschiedenen Dysfunktionen, die zum Teil erhebliche Auswirkungen auf das Sexualleben des Menschen haben. Welche Probleme beim Sex kommen aber am häufigsten vor?

Faktoren, die sexuelle Probleme fördern

Wie wir bereits sagten, ist der Geschlechtsakt keine Praxis, die man isoliert von ihrer Umgebung betrachten könnte. Sie wird von vielen biopsychosozialen Elementen beeinflusst, von unseren Erwartungen und früheren Erfahrungen bis zu unseren genetischen, anatomischen und hormonellen Gegebenheiten. Ebenso gehören auch eine unendliche Anzahl von kulturellen, bildungsspezifischen, ethischen und religiösen Aspekten dazu.

Darum wird die Wirksamkeit der Erregung von sensorischen und organischen Faktoren, kognitiven, emotionalen, aufmerksamkeitsrelevanten und Motivationsfaktoren bestimmt. Jedes Sinnesorgan, also der gesamte Wahrnehmungsapparat, unser gefühlsmäßiger Zustand und unsere Motivationslage sind hierfür wichtig. Wenn wir müde oder ängstlich sind, ist es ganz normal, dass die Libido niedrig ist. Die Interaktion zwischen den Teilnehmern am Akt ist offensichtlich maßgeblich, aber auch die Fähigkeit beider Parteien, ihre Aufmerksamkeit auf den bestimmten Moment zu lenken oder sich Fantasien hinzugeben.

Ein frustriertes Paar liegt Rücken an Rücken im Bett.

Obwohl sexuelle Störungen als auch sexuelle Abweichungen Krankheitsbilder des intimen Verhaltens sind, müssen wir notwendigerweise den Unterschied zwischen beiden verdeutlichen.

  • Abweichungen sind angemessene sexuelle Rückmeldungen auf unangemessene Stimuli. Zum Beispiel Fetischismus, Masochismus oder Zoophilie.
  • Sexuelle Störungen sind Abwandlungen der sexuellen Rückmeldung auf angemessene Stimuli. Hier kann man verschiedene Arten definieren, abhängig vom Grad des Verlangens, der Aufregung oder des Versuches, einen Orgasmus zu erleben.

Wir tauchen nun tiefer in diese Materie ein.

Sexuelle Störungen beim Mann

Erektionsstörungen

Diese kommen am häufigsten vor. Man spricht von Erektionsstörungen, wenn der Mann eine Erektion nicht aufbauen oder halten kann, um einen sexuellen Akt durchzuführen. Man spricht hier auch von Impotenz. Der Geschlechtstrieb ist davon im Allgemeinen nicht betroffen.

Es wird angenommen, dass in 20 bis 30 % aller Fälle eine psychologische Ursache zugrunde liegt. So zum Beispiel eine äußerst strenge moralische Erziehung, unzutreffende Informationen über Sex oder frühere traumatische Erfahrungen, die bisher nicht aufgearbeitet wurden. Auch bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Erektionsstörungen hervorrufen. Krankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzleiden, hormonelle Probleme als auch Tabak- und Alkoholkonsum können zu Erektionsstörungen beitragen.

Vorzeitige oder verspätete Ejakulation

Eine vorzeitige Ejakulation ist die Unfähigkeit, den Samenerguss bis zum gewünschten Grad zu kontrollieren. Obwohl eine vorzeitige Ejakulation oft mit dem Ende des Aktes in Zusammenhang gebracht wird, muss eine Ejakulation nicht den Abschluss des Geschlechtsaktes bedeuten. Dagegen beschreibt eine verspätete Ejakulation die Verzögerung oder das Ausbleiben einer Ejakulation. Diese Störungen werden zum Problem, wenn das Phänomen zu häufig auftritt.

Beide lassen sich für gewöhnlich auf psychologische Faktoren zurückführen. Darum richtet sich die Behandlung normalerweise auf die Erregungskontrolle. Entweder setzt man direkt bei den Reizen an, die die Erregung verursachen, oder greift zu mentalem Training, was Problemen bis zu einem gewissen Grad vorbeugen mag. Zwei Techniken, die hierzu empfohlen werden, sind die Start-Stopp-Technik und die Drückmethode.

Sexuelle Probleme bei der Frau

Scheidenkrampf (Vaginismus)

Beim Vaginismus geht es darum, dass es bei der Ausführung des Geschlechtsverkehrs zu Schwierigkeiten kommt. Die Muskeln des Beckenbodens und des äußeren Drittels der Vagina verkrampfen ungewollt. Die Krämpfe treten in den Muskeln auf, die die Vagina verschließen. Damit kann der Penis nicht eindringen. Woher kommt aber dieser Vaginismus? Das hängt davon ab, ob es sich um primäre oder sekundäre Formen von Scheidenkrämpfen handelt.

Beim primären (lebenslangen) Vaginismus konnte die Frau bis dato noch nie schmerzfrei Verkehr haben. Beim sekundären (erworbenen) Vaginismus war die Frau in der Lage, den Geschlechtsverkehr schmerzfrei zu genießen, bis sich die Störung entwickelte.

Der Vaginismus gehorcht sowohl körperlichen als auch psychologischen Faktoren, also einer Mischung aus beiden. Es handelt sich hier um ein sexuelles Problem, das nicht schlimmer wird, wenn man es nicht behandelt. Es wird nur dann schlimmer, wenn die Frau weiterhin versucht, den Penis eindringen zu lassen, selbst wenn sie dabei Schmerzen hat. In diesem Fall „lernt“ die Frau, die unbeabsichtigte Verkrampfung noch weiter zu verstärken, um die Penetration zu verhindern. Damit nimmt auch der Schmerz zu.

Eine besorgte Frau sitzt auf dem Sofa und hält den Kopf auf beide Arme gestützt.

Probleme beim Sex, die beide Geschlechter betreffen

Orgasmusstörung (Anorgasmie)

Anorgasmie ist die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu haben. Menschen mit diesem Problem schaffen es im sexuellen Akt nicht, einen Höhepunkt zu erreichen.

Bei beiden Geschlechtern ist dies eines der häufigsten Probleme, obwohl es hauptsächlich bei Frauen vorkommt. Dies liegt an der weiblichen Morphologie und begründet sich darin, dass Frauen über eine größere Anzahl an Muskel- und Nervenstrukturen verfügen.

Bei Männern lässt sich Anorgasmie schwerer feststellen, weil man gemeinhin annimmt, dass der Mann einen Orgasmus hat, wenn er ejakuliert. Das ist jedoch nicht notwendigerweise der Fall. Besonders bei vorpubertären Jungen kommt es vor, dass sie Orgasmen ohne Ejakulation haben. Dagegen gibt es einige Arten von Lähmungen, die eine Ejakulation verhindern, selbst wenn der Höhepunkt erreicht wird. Wieder andere Männer empfinden einen Orgasmus wenige Sekunden nach der Ejakulation. Dann gibt es eine weitere Gruppe, die multiple Orgasmen vor dem endgültigen Samenerguss wahrnehmen. Zur letzten Gruppe zählen Männer, die anhedonische oder anästhetische Ejakulationen erleben, ohne dass sie zum Höhepunkt kommen.

Anorgasmie scheint sich aus einem Zusammenspiel von psychologischen Faktoren zu ergeben. Daran können eine Art von sexuellem Trauma, eine Depression, Ängstlichkeit oder falsche Glaubenssätze über Sex und Sexualität beteiligt sein. Anorgasmie kann behandelt werden. Nur in 5 % der Fälle findet sich keine Lösung.

Sexualschmerz (Dyspareunie)

Dyspareunie ist ein schmerzhaftes oder unangenehmes Gefühl, das vor, während oder nach der sexuellen Vereinigung auftritt. Sexualschmerz kommt bei beiden Geschlechtern vor, aber häufiger bei Frauen. Die Penetration ist bei dieser Störung mit einem unhaglichen Gefühl im Genitalbereich verbunden. Bei Männern tritt dieser Schmerz eher während des Samenergusses auf. Ein sehr wahrscheinlicher Grund für die Symptome ist eine Entzündung der Harnwege.

Bei Frauen mit Dyspareunie besteht für gewöhnlich ein Zusammenhang mit Vaginismus. Sie beschreiben Symptome wie Brennen, Krämpfe und stechende Schmerzen. Wenn die Dyspareunie nicht am Anfang des sexuellen Akts auftritt, sondern nach der Plateauphase, könnte eine nicht ausreichende Befeuchtung der Vagina dafür verantwortlich sein. Die Ursachen sind hier eher organisch als psychologisch.

Frau liegt neben ihrem Partner im Bett und denkt nach.

Verlust des sexuellen Verlangens oder verminderte Libido

Diese Dysfunktion betrifft beide Geschlechter gleichermaßen. Bei Frauen sind hormonelle Faktoren dafür verantwortlich, so zum Beispiel ein geringes Östrogenniveau. Das kann eine Folge der Menopause sein. Genauso kann das sexuelle Verlangen während der Schwangerschaft oder Stillzeit vermindert sein. Bei Männern ist der Verlust des sexuellen Verlangens in 70 % der Fälle einem Testosteronmangel geschuldet. Bei den übrigen 30 % sind Stress oder Beziehungsthemen die Ursache.

Eine verminderte Libido kann in zwei Gruppen unterteilt werden:

Primär-sekundär: Mit primär bezeichnet man mangelndes sexuelles Verlangen bei Menschen, die es nie oder nur zu einem geringen Ausmaß erfahren haben. Mit sekundär meint man sexuelles Verlangen bei Personen, die in der Vergangenheit sexuelles Verlangen verspürt haben. Dieses ging zurück, als eine bestimmte Entwicklung oder ein punktuelles Ereignis das Sexualleben negativ beeinträchtigte.

Allgemein-situationsbezogen: Ein allgemeiner Verlust an sexuellem Verlangen findet sich bei einer Person, die keinerlei sexuelles Verlangen empfindet, in keinerlei Situation und im Bezug auf alle möglichen Partnern. Wann sprechen wir von einem situationsbezogenen oder nebensächlichen Verlust an sexuellem Verlangen? Wenn das Verlangen nur in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Partnern in verminderter Weise auftritt.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass der Geschlechtsakt von zahlreichen Mechanismen beeinflusst wird. Diese sind weit komplexer, als wir landläufig denken. Eine Vielzahl an Faktoren macht die Erregung für Veränderungen und Störungen anfällig. Grundlegende Aspekte im Umfeld der Sexualität sind unter anderem die Kommunikation, ein Gefühl der Sicherheit und die Intimität.