Inception: Trauma in unseren Träumen

· 24. Oktober 2018

Inception  ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2010. Er wurde von Christopher Nolan, einem britisch-amerikanischen Filmemacher, geschrieben, produziert und inszeniert. Nolan ist bekannt dafür, in seinen Filmen psychologische Themen aufzugreifen. Das tut er auch in InceptionDer Film führt uns in die Welt der Träume und des Unterbewusstseins, wo Traumata verankert sind. Er war ein Kassenschlager und Menschen auf der ganzen Welt stritten über das Ende des Films, als sie aus der Kinoverstellung kamen.

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Spezialist für Träume. Er versteht sich darauf, die Gedanken von Menschen, die träumen, zu extrahieren. Das tut er nicht, indem er diesen fremden Traum einfach betritt. Stattdessen schafft er einen gemeinsamen Traum, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Bei der Kreation des Traumes ist ein ganzes Team involviert: ein Träumer, ein Architekt, der den Traum entwirft, und schließlich die Person, aus deren Unterbewusstsein Informationen abgeschöpft werden.

Es gibt noch weitere Personen, die im Traum auftauchen können. Aber diese sind nicht mehr als unterbewusste Projektionen desjenigen, dessen Gedanken gelesen werden sollen. Diese Projektionen versuchen sich gegen die Veränderungen, die sie im Traum wahrnehmen, zu wehren. Manchmal sogar mit aller Gewalt. Dies gilt vor allem für die Menschen, die wissen, dass Gedanken aus Träumen gestohlen werden können …

Nolan ließ sich beim Schreiben des Films von keiner bestimmten Theorie inspirieren. Ebenso gibt es kein Forschungsgebiet, dem er gefolgt wäre. Stattdessen ließ Nolan sich von mehreren Theorien motivieren und schuf seine eigene Traumlogik.

Das Einpflanzen von Ideen

Cobb weiß nicht nur, wie man dem Unterbewusstsein Informationen entlockt, sondern er weiß auch, wie man dort Ideen einpflanzt. Im Film wird das „Inception“ genannt. Diese Praxis ist riskant; die Folgen können dramatisch sein. Zum Beispiel kann das Einpflanzen von Gedanken zu Wahnsinn führen oder eine Obsession bei der betreffenden Person auslösen. Um erfolgreich mit dieser Technik zu sein, müssen drei Traumebenen durchlaufen werden. Das ist natürlich schwierig. Die Person muss glauben, dass die Idee von ihr selbst stammen würde – sie darf keinesfalls auch nur vermuten, dass jemand sie implantiert habe.

Cobb und sein Team werden von einem japanischen Geschäftsmann namens Saito beauftragt, dem Erben eines Konkurrenzunternehmens im Traum eine Idee einzupflanzen. Der Erbe soll sein Unternehmen verkleinern, was Saito Vorteile in seinem Geschäft bringen würde. Inception  ist definitiv ein Thriller, der uns mit seiner actionreichen Handlung in die Welt der Träume (ent-)führt.

Die Struktur der Träume in Inception

Inception  führt den Zuschauer durch mehrere induzierte Träume. Cobb und sein Team erschaffen diese, um an Informationen zu kommen. Es gibt grundsätzlich drei Wege, um aus diesen Träumen zu entkommen: Wenn der Traum endet, bedeutet das, dass man aufwacht; sterben im Traum, aber nicht in der Realität; und schließlich der Kick, der im Grunde genommen der Moment ist, in dem man sich fühlt, als würde man fallen. In Inception  werden diese „Kicks“ synchronisiert und zu ihnen ertönt immer wieder das gleiche Lied: Non, je ne regrette rien.

Der Film handelt auf mehreren Traumebenen, die ineinander verschachtelt sind. Die Protagonisten um Cobb müssen durch drei verschiedene Traumebenen gehen, um das Unterbewusstsein ihres Opfers zu erreichen und dort ihre Idee einzupflanzen. Um überhaupt auf diese dritte Ebene vorzudringen, benötigen sie ein starkes Beruhigungsmittel, das ihre Zielperson in einen tiefen Schlaf versetzt. Das Hauptproblem ist, dass, wenn die Person zu tief schläft, sie nicht einmal ihr Tod wieder aufwecken kann. In diesem Fall verbleibt sie in einer Traumwelt, die auch als Limbo bekannt ist.

Dom Cobbs Traumstadt zerfällt vor seinen Augen.

Die Zeit vergeht sehr langsam im Limbo. In der Tat schleicht die Zeit so langsam dahin, dass es sich für die Person, die dort feststeckt, anfühlt als würde sie still stehen. Auch in unserer Welt vergeht die Zeit in Träumen übrigens nicht im gleichen Tempo wie die Zeit, in der wir wach sind – zehn Minuten im wirklichen Leben können sich wie Stunden im Traum anfühlen. Wenn wir träumen, erleben wir unseren Traum, als wäre er real.

Die Zuschauer von Inception  sehen, wie Schmerz in einem Menschen weiterlebt und dass das, was jemand im Traum erlebt, real erscheinen kann. Das heißt, wenn er sich in einem Traum verletzt, dann wird sein Schmerz im Traum auch real sein. Wenn er im Limbo gefangen ist, wird es sich für ihn so anfühlen, als wäre er schon immer dort gewesen.

Daher sollten die Charaktere aus Inception  besser nicht im Traum sterben. Denn obwohl es kein wirklicher Tod ist, würden sie sonst eine neue Traumstufe erreichen, in der sie glauben, dass sie ihr ganzes Leben bereits gelebt haben. Die Struktur der Träume in Inception  ähnelt einer russischen Matroschka. Je tiefer die Traumebene liegt, desto mehr gefühlte Zeit vergeht.

In Echtzeit schläft der Mensch vielleicht zehn Stunden. Im Traum bedeutet das, dass er eine Woche auf der ersten Ebene verbringt. Auf der zweiten Ebene bleibt er sechs Monate und auf der dritten Traumebene verbringt der Schläfer zehn Jahre. Die Idee hinter dieser Struktur erinnert an Jacques Lacan und Ferdinand de Saussure. Diese beiden Wissenschaftler stellten linguistische Theorien auf, die besagen, dass Träume Nebensätzen ähneln. Mit anderen Worten, sie seien ineinander verschachtelt.

Das Totem

Cobb und sein Team haben immer ein Totem dabei, wenn sie träumen. Dies soll verhindern, dass sie wahnsinnig werden. Das Totem ist ein persönlicher Talisman, der nicht weitergegeben werden darf. Jedes Teammitglied kennt sein Totem ganz genau: Gewicht, Textur, Farbe …  Dieses Totem hilft ihnen, festzustellen, ob sie träumen oder nicht. Denn auch dieser Talisman kann sich während des Traums verändern. Zum Beispiel könnte sich sein Gewicht ändern oder die Art, wie er auf den Boden fällt usw. Es ist daher wichtig, dass nur die Person, der das Totem gehört, alle seine Eigenschaften kennt. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass sie erkennt, ob jemand sich in ihren Traum eingeschaltet hat. Und natürlich, ob sie wach ist oder nicht.

Dom Cobb, die Hauptfigur aus "Inception", hält eine Waffe in der einen Hand und in der anderen ihr Totem.

Die Projektion von Traumata in Inception

Das Wort Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Wunde. Deshalb bezeichnet man Traumata auch als emotionale Wunden, die einen Menschen prägen können. Darüber hinaus beinhaltet das Wort „Trauma“ auch das Wort „Traum“. Freud war einer der ersten, der untersuchte, wie sich Traumata im Unterbewusstsein manifestieren. Ihm zufolge betrete man sein Unterbewusstes durch Träume, in dem maskierte Traumata erscheinen oder auch blockiert sein mögen.

Wenn man diese Idee weiterspinnt, könnte man auch sagen, dass Traumata eine Art symbolische Repräsentation in Träumen haben. Anders gesagt, man muss das „maskierte“ Traumata, das einem im Traum erscheint, zu interpretieren wissen. In Nolans Film gibt es solche Symbole nicht. Das Unterbewusste wehrt sich vor möglichen Eindringlingen, aber es ist kein Ort voller „verschleierter“ Traumata. Hier schützen die Menschen ihre Ideen und ihre Projektionen greifen jegliche Eindringlinge an.

Da ich noch mehr über den Film sagen möchte, muss ich nun leider das Ende vorwegnehmen. Wenn Du, lieber Leser, keine Spoiler magst, dann solltest Du jetzt besser aufhören, diesen Artikel zu lesen.

Ein Auto unter Wasser; alle seine Insassen schlafen

Diese Projektionen neigen dazu, Menschen zu sein, die der Schläfer kennt. In Cobbs Fall taucht seine verstorbene Frau ständig in seinen Träumen auf und sabotiert seine Pläne. Diese Projektion ist nicht nur Cobbs Bild von seiner Frau, sondern auch ein Spiegelbild seiner selbst. Cobb empfindet widersprüchliche Gefühle bezüglich ihres Todes. Er fühlt sich schuldig und ist traurig, aber auch frustriert. Vielleicht kann Cobb das im wirklichen Leben verbergen, aber nicht in seinem Unterbewusstsein. So ist es nicht verwunderlich, dass seine Frau sogar in diesen vorgefertigten Träumen auftaucht.

An diesem Punkt nähert sich Nolan mehr der Jung’schen Theorie an. Sämtliche Projektionen aus dem Unterbewussten entstammen Cobbs Ego, also ihm selbst. Er sieht nicht nur seine Frau, er sieht auch seine eigene Schuld an ihrem Tod. Jung’sche Ideen werden zudem durch die Labyrinthe im Film repräsentiert. Denn Carl Gustav Jung ging unter anderem davon aus, dass die Struktur eines Traumes der Struktur eines Labyrinths sehr ähnlich sei.

Träume wurden einst als mystischer Teil des Lebens gesehen. Später fanden wir rationale Erklärungen für ihre Träume, die zu vielen verschiedenen Theorien geführt haben. In Inception  vermischt Nolan Theorie und Mystik und gelangt so zu seiner eigenen Theorie der Träume.

„Du kreierst die Welt des Traums. Wir bringen das Individuum in diesen Traum und es füllt den Traum mit seinem Unterbewusstsein.“

Inception