Ich lebe, um glücklich zu sein, und nicht, um gewöhnlich zu sein

7. Dezember 2017 en Psychologie 412 Geteilt
Frau liegt zwischen bunten Ostereiern

Wenn es darum geht, unser Leben zu leben, wiederholen wir Verhaltensweisen, die von anderen geprägt wurden, als versprächen diese uns sofortiges Glück. Auf der anderen Seite wollen wir so gern anders als andere sein. Aber was macht uns denn nun glücklich?

Unserer Gesellschaft macht uns glauben, dass wir Stabilität im Gewöhnlichen finden und dadurch schneller Wohlbefinden erlangen könnten. Diverse Studien über das Glück haben allerdings gezeigt, dass wir uns von positiv eingestellten, enthusiastischen Menschen, die eher ungewöhnlichen Aktivitäten nachgehen und somit anders als andere sind, regelrecht anstecken lassen, und dass das unser Wohlbefinden tatsächlich steigert. Etwas Ungewöhnliches zu tun, verleiht uns Energie, lässt uns das Leben in einem neuen Blickwinkel sehen und Aktivitäten entdecken, die uns liegen, aber die wir zuvor nicht ausprobiert haben.

Eine Frau läuft auf einer sonnigen Straße

Der größte Schatz unserer heutigen Zeit ist es, Glück anzuhäufen. Aber es kann gut sein, dass wir das Glück auf dem falschen Weg suchen, nämlich auf einem, den schon jemand anders gegangen ist. Die Ziele unserer Mitmenschen zu kopieren und nachzuahmen, ohne uns überhaupt einmal gefragt zu haben, wie diese in unser Leben passen, beschert uns immer und immer wieder das Gefühl von Frustration.

„Das wahre Glück ist es, die Gegenwart ohne Angst vor der Zukunft zu genießen.“

Seneca

Lebst du, um glücklich zu sein?

Paradoxerweise kann es uns noch unglücklicher machen, wenn wir obsessiv nach dem Glück suchen. Eine von June Gruber, Professorin für Psychologie an der Yale University (Connecticut, USA),durchgeführte Studie zeigte, dass es Angst auslösen könne, ständig auf der Suche nach dem Glück zu sein. Das passiert, wenn glückssüchtige Menschen davon überzeugt sind, dass sie all das, was für sie Glück bedeutet, tun müssten, die ersten Schritte auf dem Weg zum Ziel aber keine Früchte tragen.

Deshalb müssen wir vor allem versuchen, wir selbst zu sein, wenn wir glücklich sein wollen. Menschen, die sich selbst treu sind, besitzen ein gutes Selbstwertgefühl. Was echt ist, ist real, und was authentisch ist, ist vertrauenswürdig. Aus diesem Grund sollten wir eine Zeit lang nicht mehr auf gewöhnlichen Wegen wandern und unsere eigenen suchen. Am Anfang kostet das viel Kraft, doch im Nachhinein wird alles einfacher werden, weil alles, was wir beim Zurückschauen sehen, mit uns zu tun hat. So finden wir uns in jeder Erinnerung wieder, der wir erneut begegnen.

Wir können nicht glücklich sein, wenn wir das Leben von anderen Menschen leben. Jeder Mensch hat ganz eigene Charakterzüge und eine einzigartige Vorstellung vom Leben.

In einer Studie aus dem Jahr 2008, die im Journal of Counseling Psychology  veröffentlicht wurde, zeigten Forscher aus Großbritannien, dass authentische Personen der Inbegriff von Menschen sind, die ein glückliches Leben leben. Sie stellten fest, dass Personen, die authentisch sind, ein stärkeres Selbstwertgefühl und Wohlbefinden aufweisen. Authentische Menschen nehmen sich nicht nur die Zeit, um über ihre Erwartungen an das Leben nachzudenken und über die Erfahrungen, die sie glücklich gemacht haben, sondern sie teilen ihre Ansicht auch mit anderen. Die Mehrheit tut das mit einer positiven Einstellung, die die persönliche, einzigartige und vorzeigbare Arbeit schützt.

Frau macht Seifenblasen

Das Glück ist nicht das Produkt aus dem, was wir tun, sondern aus einem Lebensstil.

Wenn du glücklich sein willst, solltest du anders als andere sein

Doktor Tal Ben-Shahar, Professor an der Harvard University (Massachusetts, USA) und Experte für Positive Psychologie, ist der Meinung, dass man Freude erlernen könne. Genauso wie man auch lernen könne, Ski zu fahren oder Tennis zu spielen, mit Technik und Übung. Seine wichtigsten Ratschläge, um sich glücklich zu fühlen, beinhalten recht ungewöhnliche Tipps, um sein Wohlbefinden zu steigern: Niederlagen zu feiern, beispielsweise. Nur wenige Menschen feiern ihre Niederlagen, lieber ärgern sie sich darüber, wenn ihnen etwas nicht gelungen ist.

Tal Ben-Shahar ist davon überzeugt, dass wir positiver und fröhlicher leben könnten, wenn wir negative Gefühle akzeptierten. Sich selbst nicht vergeben zu können stünde daher im Zusammenhang mit der Entwicklung von psychischen Störungen wie Depression, Angstzustände und einem geringen Selbstwertgefühl.

Das Glück besteht darin, das wirklich Wichtige ausfindig zu machen und sich darauf zu konzentrieren.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Mariana Kalacheva

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