Hochsensible Menschen müssen sich in einer Welt voller Stecknadeln behaupten

· 8. August 2016

Man sagt, dass die Hochsensibilität eine Gabe sei, eine besondere Art, die Geschehnisse um sich herum zu betrachten und zu verstehen. Aber für viele hochsensible Menschen gleicht diese Gabe oftmals einem Wandel durch eine Welt voller Stecknadeln.

Hochsensible Personen achten auf jedes noch so kleine Detail und auf jede Nebenhandlungen in ihrem Umfeld. Jedes Wort, jede Geste, jeder Tonfall wird genauestens untersucht, um an Informationen zu gelangen, die viele andere missachten oder erst gar nicht wahrnehmen.

Es gibt Menschen, die bis auf den Gipfel des höchsten Berges steigen, um die Sterne zu sehen. Die Hochsensibilität ist demnach der Stern am Himmelszelt unseres Herzens, um Licht und Schatten einer Person besser sehen zu können.

Hochsensible Menschen sind feinfühliger für die Emotionen oder Unterschiedlichkeiten ihrer Mitmenschen, was oftmals dazu führt, dass sie sich wehrlos fühlen. Somit befinden sie sich in einer Welt, die sie nicht immer verstehen und bei ihnen sogar eine Depression auslösen kann.

Trauriges Auge

Hochsensibilität: ein Gehirn, das sehr anfällig für die Nebenhandlungen des Umfeldes ist

Elaine Aron wurde zur wichtigsten Bezugsperson hinsichtlich Studien über die Hochsensibilität, nachdem sie diesen Begriff 1991 einführte. Hochsensible Personen besitzen keine introvertierte Persönlichkeit, das Gegenteil ist der Fall: Sie unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von einem introvertierten Menschen.

Was führt aber zu dieser Wahrnehmungsweise, dieser Feinfühligkeit bezüglich Gefühlen und diesem intuitiven Verhalten? Wenn wir einmal so darüber nachdenken, dann gab es da bis zu den 90ern einen kleinen Teil der Bevölkerung, der nicht verstand, wieso er sich „anders als die anderen“ fühlte.

Falls du zu diesen glücklichen Menschen gehörst, die sich anders als die anderen fühlen, dann versuche das auch nicht zu ändern: Es ist eine Gabe, die dich einzigartig macht und es dir ermöglicht, die Welt in ihrer vollen Pracht und voller Sterne am Himmelszelt zu sehen.

Wir wissen, dass der Ausdruck, „anders zu sein“ manchmal verwechselt wird und was noch schlimmer ist, dass damit immer ein gewisses Leid  einhergeht. Hochsensible Menschen haben die Nase gehörig voll davon, sich Sätze anhören zu müssen, wie: „Du nimmst dir das zu sehr zu Herzen.“ „Du fühlst dich immer so schnell angegriffen.“ – „Zu dir darf man gar nichts sagens.“

Nach einer 2010 durchgeführten und in der Zeitschrift Social Cognitive and Affective Neuroscience  veröffentlichten Studie, habe es einen neurologischen Hintergrund, dass diese Persönlichkeit sowohl auf physische, als auch auf emotionale Reize sensibler reagiert.

Betrachten wir das einmal näher.

Pusteblume im Wind

Der neurologische Hintergrund der Hochsensibilität

Elaine Aron hat zusammen mit ihren Kollegen und Psychiatern, wie Dr. Arthur B. Lintgen, ein Experiment durchgeführt, bei dem zwei Gruppen von Probanden eine Reihe visueller Reize, Farblichter und einfache Zeichnungen gezeigt wurden.

Auf diese Art und Weise konnten sie folgendes herausfinden:

  • Hochsensible Menschen verbanden jeden Reiz mit einem Gefühl. Ihre neuropsychologischen Mechanismen stellten zwischen visuellen, auditiven oder taktischen Reizen eine Verbindung zu einem bestimmten Gefühl her.
  • Gehirnareale, die mit dem Bewusstsein, Emotionen, Mitgefühl und den bekannten „Spiegelneuronen“ zu tun haben, sind bei hochsensiblen Personen aktiver als bei anderen.
  • Die Schmerzgrenze hochsensibler Menschen ist sehr niedrig, sodass ein starkes Licht oder reibende Kleidung schon Schmerzen verursachen kann.
  • Der Hochsensibilität wird auch die außergewöhnliche Fähigkeit zugeschrieben, Details und Veränderungen bei Objekten, dem Umfeld oder Personen festzustellen. Das ist auf eine erhöhte Aktivität der Gehirnareale zurückzuführen, die visuelle Informationen verarbeiten und mit der Achtsamkeit in Verbindung stehen.

Eine Welt voller Stecknadeln: Hochsensibilität und Depression

Hochsensible Frau mit schwarzen Federn vorm Gesicht

Eine der häufigsten Fragen die in Bezug auf dieses Thema aufkommt, ist, ob hochsensible Personen anfälliger für Depressionen sind. Die Antwort liegt auf der Hand: Nicht mehr als andere auch. Auch wenn sie mehr unter der alltäglichen Traurigkeit, Enttäuschungen, oder der Auffassung, sich anders zu fühlen, zu leiden haben, heißt das nicht, dass sie leicht an einer Depression erkranken können.

Hochsensible Menschen sind nur in den folgenden Fällen anfälliger für eine Depression:

  • Wenn sie eine traumatische Kindheit oder familiäre Probleme erlebt haben.
  • Wenn sie nicht wissen, dass sie hochsensibel sind und diese Charakterzüge als Schwäche betrachten, sich verletzlicher als andere ansehen und sich daher öfter abkapseln.
  • Wenn sich hochsensible Personen nicht um ihr Selbstwertgefühl kümmern, nicht verstehen, wer sie sind und ihre Reizüberflutung im Alltag nicht kontrollieren können.
  • Wenn sie Stresssituationen, Streitigkeiten, Orten, an denen sich viele Menschen, Geräusche und Lichter befinden, nicht aus dem Weg gehen, kann das ihren Kortisolspiegel erhöhen und extreme Stress- und Angstzustände auslösen. Es ist notwendig, dass sie jeglichen Reiz unter Kontrolle bringen und sich an den Momenten der Einsamkeit erfreuen.

Anstatt dich in einer Welt voller Stecknadeln und umgeben von Feinden zu sehen, die dir Leid zufügen, sieh dich selbst als dein bester Freund an, genieße die Musik, die Kunst und diese Welt der wundervollen Subtilität, die dich bereichern kann, wenn du es zulässt.

Hochsensible Menschen in einer Wüste mit riesigen Blüten

Eine hochsensible Person sollte sich ihrer Sensibilität bewusst sein, aus ihrer Gabe Kraft schöpfen und verstehen, dass ihre Welt eine Welt des Herzens und eine außergewöhnliche Tugend ist, die sie von allen anderen unterscheidet.